Rente / 04.09.2020

Linke fordern Rente wie in Österreich

Die Linke bringt wieder das österreichische Modell der Altersvorsorge ins Gespräch. In der Alpenrepublik seien die Renten viel höher als hierzulande.

Berlin (iv/dpa). Rentner könnten in Deutschland wesentlich besser gestellt sein, wenn sich unser Rentensystem das österreichische Modell zum Vorbild nähme. Davon ist Dietmar Bartsch überzeugt. Der Fraktionschef der Linken im Bundestag hat deshalb eine große Rentenreform gefordert.

„In Österreich erhält ein Durchschnittsverdiener, wenn er in Rente geht, rund 800 Euro mehr als hierzulande“, sagte Bartsch der Osnabrücker Zeitung. Das lege ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages nahe. Österreich zeige, dass es auch anders gehe – mit einer Rentenkasse, in die auch Abgeordnete, Selbstständige und Beamte einzahlen.

In Österreich zahlen alle ein

Das Gutachten nennt eine Reihe von Gründen, die „einen direkten Vergleich verzerren“. So müssen Österreicher wesentlich länger einzahlen, bis Sie Anspruch auf eine Altersrente haben: 15 Jahre gegenüber fünf Jahren in Deutschland. Allein die längeren Versicherungszeiten heben den Schnitt. Dafür haben Männer schon mit 65 Jahren das Regelpensionsalter erreicht, Frauen sogar bereits mit 60.

Tatsächlich wird das Rentensystem in Österreich von einem wesentlich größeren Personenkreis getragen. Selbstständige zahlen bereits seit 1958 ein, Beamte weitgehend seit 2005. Allerdings ist der Beitrag zur Rentenversicherung deutlich höher als in Deutschland – seit 30 Jahren konstant 22,8 Prozent. Anders als in Deutschland, tragen Arbeitgeber in Österreich den größeren Teil – 12,55 Prozent. Der Anteil der Arbeitnehmer liegt mit 10,25 Prozent aber immer noch über dem ihrer Kollegen in Deutschland (9,3 Prozent). Die betriebliche Altersversorgung und die private Vorsorge spielen in Österreich eine geringere Rolle.

DGB fordert Kurswechsel in der Rentenpolitik

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) betonte, gute Renten seien möglich, wenn Politik und Gesellschaft es wirklich wollten. „Statt die gescheiterten privaten Rentenversicherungen noch mehr zu subventionieren, ist es bei uns jetzt Zeit für einen echten Kurswechsel“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. Nötig seien ein stabiles und wieder höheres gesetzliches Rentenniveau, mehr Solidarausgleich im System und die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rente zu einer Erwerbstätigenversicherung. Arbeitgeber müssten für ihre Beschäftigten eine Betriebsrente bezahlen. „Gäbe es darüber hinaus in Deutschland politische Mehrheiten für ein Rentensystem à la Österreich, würde der DGB sich dem nicht verweigern“.

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Autor

Boris Dunkel