Finanzen / 17.11.2021

Lohnen sich ETF-Ausschüttungen als Zusatzeinkommen?

Wer in einen ETF investiert, kann einen ausschüttenden oder thesaurierenden Fonds wählen. Beide Fondsarten haben Vor- und Nachteile.

Lohnen sich ETF-Ausschüttungen als Zusatzeinkommen? – Finanzcharts, Aktienkurven und Münzstapel.

Ludwigshafen/Düsseldorf (dpa/tmn). Anleger sein und sich ein Zusatzeinkommen sichern? Ja, das geht durchaus. Mit einem ausschüttenden ETF – einem börsengehandelten Indexfonds etwa. Ausschüttend heißt: Die Erträge etwa in Form von Zinsen und Dividenden werden den Anlegerinnen und Anlegern regelmäßig ausgezahlt. Das Gegenteil davon sind sogenannte thesaurierende ETFs, bei denen die Erträge immer wieder reinvestiert werden.

Unterschiedliche Vorteile von ausschüttenden und thesaurierenden Fonds

Für ausschüttende ETFs spricht: Man erhält regelmäßig Geld. Allerdings: Eine feste Konstante ist das nicht immer. Die Höhe der Ausschüttungen kann durchaus schwanken, erklärt Prof. Hartmut Walz, Finanzökonom an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Dennoch können Anlegerinnen und Anleger die regelmäßigen Gelder zum Beispiel für Anschaffungen einplanen.

Wer umgekehrt auf einen thesaurierenden Fonds setzt, vermehrt so direkt sein Fondsvermögen. „Letztlich profitieren Anleger dann von einer höheren Rendite in Form des Zinseszinseffekts“, sagt Finanzexperte Ralf Scherfling von der Verbrauchzentrale NRW in Düsseldorf. Je länger der Zeithorizont, desto größer ist der Effekt.

Ausschüttungstermine stehen meist fest

Bei den ausschüttenden ETFs erfolgen die Überweisungen entweder monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich. Wobei die wenigsten ETFs monatliche Ausschüttungen vornehmen. „Einige US-Anbieter bieten sie an“, sagt Prof. Walz. Für Privatanleger hierzulande seien sie aber oft schwierig und viel zu teuer zu erwerben. Häufiger gibt es ETFs, bei denen Ausschüttungen quartalsweise erfolgen.

Wem es nun darum geht, sich als Anleger ein monatliches Zusatzeinkommen zu sichern, der kann zum Beispiel drei der quartalsweise ausschüttenden ETFs kombinieren. „Dabei ist dann auf unterschiedliche Ausschüttungsmonate, also erster, zweiter und dritter Monat im Quartal zu achten“, erläutert Prof. Walz, der auch einen Blog betreibt.

Viele ausschüttende Fonds beschränken sich jedoch auf einen Termin im Jahr, an dem sie auszahlen. Generell gilt: „Bloß keine Kompromisse bei der Auswahl des Fonds eingehen, nur um quartalsweise oder monatliche Ausschüttungen zu bekommen“, sagt Prof. Walz.

Produktkosten dürfen nicht zu hoch sein

So sei es wichtig, dass die Kosten eines Fonds vertretbar seien. „Es gibt verblüffend preiswerte ETFs, bei denen der Kostenanteil bei 0,2 Prozent liegt“, so Prof. Walz. Darüber hinaus sollte der ETF auf einem möglichst breit streuenden Index aufbauen, der viele Länder und Branchen abdeckt.

Wer als Privatanleger in Aktien der Eurozone investieren will, für den oder die bietet sich etwa der Euro Stoxx 50 an. Daneben gibt es noch für Europa den Stoxx Europe 50 oder den Europe Stoxx 600 - letzterer ist noch breiter gefasst. Der MSCI World ist der etablierte Index für Aktien aus der gesamten entwickelten Welt.

Anleger, die in Schwellenländer investieren wollen, sollten sich den MSCI Emerging Markets ansehen. Diejenigen, die auf nordamerikanische Aktien setzen möchten, liegen mit S&P 500, dem MSCI USA oder der MSCI North America richtig. Der FTSE All World Index offeriert mit über 3000 Aktien eine breite Streuung.

Verwaltetes Vermögen sollte nicht zu klein sein

Bei der Auswahl eines Fonds kommt es nicht nur darauf an, ob er ausschüttend oder thesaurierend ist. Auch das Fondsvolumen ist wichtig. Eine Regel lautet hier nach Angaben von Verbraucherschützern: Das in dem ETF verwaltete Vermögen sollte nicht unter 500 Millionen Euro liegen.

Der Grund: Je geringer es ausfällt, desto größer ist das Risiko, dass der Anbieter im Laufe der Zeit den Fonds schließt und ihn mit einem anderen Fonds verschmilzt. „Dies kann zur Folge haben, dass zusätzliche Kosten für die Wiederanlage der Mittel anfallen“, so Scherfling.

Steuern nicht vergessen

Die Gewinne aus einem ETF in Form von Dividenden und Kursgewinnen müssen Anleger versteuern. Es gibt aber einen Steuerfreibetrag für alle Kapitalanlagen in Höhe von 801 Euro pro Person (1602 Euro bei Verheirateten). Gegebenenfalls müssen Anleger einen Freistellungsauftrag der Fondsgesellschaft zuleiten. Für alles, was darüber liegt, fällt Abgeltungssteuer von 25 Prozent an.

„Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer“, sagt Prof Walz. Sowohl Soli-Zuschlag als auch Kirchensteuer, die je nach Bundesland zwischen acht und neun Prozent beträgt, werden auf den Pauschalsatz berechnet. „Die Abzüge bleiben also unter dem Strich bei unter 28 Prozent“, erklärt Walz. „Gegebenenfalls können Anleger auch mithilfe eines Steuerberaters klären, ob ein ausschüttender oder ein thesaurierender Fonds für sie steuerlich von Vorteil ist“, erklärt Scherfling.

Produkt muss zu eigenen Zielen passen

Zu bedenken ist hierbei auch, dass es Unterschiede bei den Regelungen zwischen inländischen und ausländischen Fonds gibt. Eine Rolle kann aber auch der konkrete Zeitpunkt der Steuerpflicht spielen - ob zum jeweiligen Auszahlungstermin oder zum Ende des Geschäftsjahres.

Steuerliche Auswirkungen bei einer Geldanlage sollten aber niemals das entscheidende Kriterium sein. „Kaufen Sie vielmehr das Produkt, das am besten zu Ihren Zielen und Präferenzen passt“, rät Scherfling.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst