Gesundheit / 07.09.2021

Long Covid trifft auch fitte Menschen – Reha kann helfen

Nach einer Covid-19-Erkrankung leiden noch viele monatelang unter Beschwerden. Die Rentenversicherung rechnet mit mehr Reha-Anträgen.

Long Covid trifft auch fitte Menschen – Reha kann helfen. – Frauen bei Wassergymnastik in der Reha.

Mainz (dpa/lrs). Der Triathlet, der nach einigen Metern außer Atem gerät, die junge Marathon-Läuferin, die nur noch wenige Kilometer schafft – auch zahlreiche Menschen ohne Vorerkrankungen müssen sich nach einer Covid-19-Erkrankung ihren Alltag zurückerobern. Eine Rehabilitation kann dabei helfen.

„Wir verzeichnen bereits Reha-Anträge auf Grund von Long Covid“, sagt Hans-Georg Arnold, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Rheinland-Pfalz. Diese hätten allerdings noch keine relevante Größenordnung erreicht. Für Erwerbstätige werden Rehabilitationen grundsätzlich von der DRV als nach eigenen Angaben größter Reha-Träger finanziert. Für die kommenden Monate rechnet Arnold jedoch mit einem Anstieg der Antragszahlen aus der zweiten und dritten Welle der Corona-Pandemie.

Bis zu 15 Prozent von Post-Covid betroffen

Eine offizielle Definition der Post-Covid-Erkrankung gibt es bislang nicht, häufig werden die Begriffe Post- und Long Covid synonym verwendet. Bis zu 15 Prozent aller Covid-19-Erkrankten sind laut einer Mitte Juli veröffentlichten Diagnose-Leitlinie vom Post-Covid-Syndrom betroffen. Das heißt, sie haben mehr als drei Monate anhaltende Beschwerden unterschiedlichster Art, etwa Kurzatmigkeit, Schwindel oder Konzentrationsstörungen. Von Long Covid spricht man demnach, wenn nach einer überstandenen Infektion neue Symptome hinzukommen oder diese länger als vier Wochen bestehen. Es gibt Studien, die auf einen noch höheren Anteil von Patienten mit Langzeitfolgen hinweisen.

Den Experten zufolge tritt das Post-Covid-Syndron häufiger unter stationär Behandelten auf. Zunächst dominierten körperliche Gebrechen wie Luftnot und Herzbeschwerden, sagt Dr. Matthias Rudolph, Ärztlicher Direktor der Mittelrhein-Klinik in Bad Salzig. Die Betroffenen kämen dann häufig in eine Lungenfachklinik. In Rheinland-Pfalz ist die Hufeland-Klinik in Bad Ems darauf spezialisiert.

Bei Long Covid sind die Symptome sehr breit gefächert und reichen Rudolph zufolge von einem Abbau der Muskulatur und chronischer Müdigkeit bis hin zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen oder psychischen Beschwerden wie Depressionen und Angststörungen. Rudolph hat zur psychosomatischen Rehabilitation für die Mittelrhein-Klinik ein spezielles Programm entwickelt. Daneben bieten zwei andere Reha-Kliniken der Deutschen Rentenversicherung in Bad Kreuznach und in Bruchweiler bei Idar-Oberstein Long Covid-Behandlungen an.

Therapie nach Maß

„Die Rehabilitation ist sehr individuell“, weiß Rudolph. Nicht jeder bekäme etwa Atemtherapie oder Atemmuskeltraining, erklärt der Facharzt für Psychosomatische Medizin, der seit Februar dieses Jahres rund 40 Long Covid-Patientinnen und Patienten in seiner Klinik behandelt hat. Viele der 30- bis 50-Jährigen profitierten von Ausdauer- und Krafttraining, Entspannungs- oder Aufmerksamkeitstraining sowie psychologischer Therapie.

Eine Behandlungsempfehlung gebe es derzeit nicht, sagt Dr. Wolfgang Neumeister, Chefarzt der Hufeland-Klinik. Die Behandlung richte sich nach dem führenden Symptom. Wichtig sei, die Menschen nicht zu sehr zu belasten, sonst seien sie völlig erschöpft und könnten gar nicht mehr an der Reha teilnehmen. Die Patienten bei ihm in der Früh-Reha müssten zum Teil erst wieder erlernen, ein Messer zu halten oder wie man eine Schere bedient.

Long Covid auch ohne Vorerkrankungen

„Wir haben hier fitte Menschen ohne Vorerkrankungen, teilweise auch Sportler“, berichtet Rudolph. Noch sei überhaupt nicht klar, warum gerade diese Gruppe relativ junger Menschen so stark von Post- und Long Covid betroffen sei und wie lange die Patientinnen und Patienten noch mit Beschwerden rechnen müssten.

Einige hätten einen sehr milden Erkrankungsverlauf gehabt und höchstens über etwas Fieber und Geschmacksverlust geklagt, erläutert Neumeister. Sechs bis acht Wochen nach der Covid-19-Erkrankung hätten sie jedoch massive Probleme. Bei einer körperlichen Belastung sinke bei diesen Personen beispielsweise der Sauerstoffgehalt im Blut signifikant ab, anstatt anzusteigen.

Beantragt wird eine Reha durch die Versicherten selbst, der behandelnde Arzt stellt einen entsprechenden Befundbericht aus. „Die Antragstellenden haben ein Wunsch- und Wahlrecht, an welchem Ort sie ihre Reha antreten“, betont Rudolph.

Nachsorge ist wichtig

Wer nach der Rehabilitation wieder nach Hause kommt, kann sechs bis zwölf Monate lang das Nachsorgeangebot der Deutschen Rentenversicherung nutzen. Das reicht nach Rudolphs Angaben von orthopädischen bis zu psychotherapeutischen Behandlungen oder Ernährungsberatung. „Es ist wichtig, ambulant fortzuführen, was stationär gelernt wurde“, findet Neumeister.

Autor

 Deutsche Presseagentur