Gesundheit / 01.11.2017

Malaria-Schutz auf Reisen

Safari in Afrika, Insel-Hopping in Asien: Reisende können sich eine Malaria-Erkrankung einfangen. Wie man sich schützen kann.

Hamburg/Düsseldorf (dpa/tmn) – Sie kann noch Tage nach der Rückkehr aus dem Urlaub ausbrechen und fühlt sich anfangs häufig wie eine Grippe an: die Malaria. Eine Infektion kann unbehandelt tödlich enden, einen Impfstoff gibt es nicht. Doch das ist kein Grund, auf einen Urlaub in Afrika, Asien oder Südamerika zu verzichten. Denn Reisende können sich vergleichsweise einfach schützen.

Wie schütze ich mich vor Malaria?

Die Malaria tropica, die weit verbreitete und besonders gefährliche Form der Tropenkrankheit, wird von Mücken übertragen. Genauer gesagt löst der Erreger Plasmodium falciparum die Infektion aus. Der beste Schutz ist also die konsequente Abwehr von Mücken mit langer Kleidung, Moskitonetz für die Nacht und einem mückenabweisenden Mittel mit dem Wirkstoff DEET oder Icaridin. „Die Mücken sind vor allem während der Dämmerung und nachts aktiv“, sagt Prof. Jürgen May vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Diese Maßnahmen sind allerdings kein endgültiger Schutz - eine Mücke kommt vielleicht doch durch. An dieser Stelle setzt die sogenannte Chemoprophylaxe an: Sie verhindert nicht die Infektion mit dem Erreger, aber den Ausbruch der Krankheit, wie Prof. Tomas Jelinek erklärt. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reise- und Tropenmedizin (CRM) in Düsseldorf. Urlauber müssen bereits vor Beginn der Reise und regelmäßig währenddessen ein Medikament einnehmen.

Welche Tabletten sind auf dem Markt?

Generell gibt es drei Wirkstoffe: Mefloquin (Handelsname Lariam), Doxycyclin und Atovaquon-Proguanil (Malarone). Nicht alle werden mehr empfohlen. „Lariam wird nicht mehr produziert, aber noch abverkauft, es kann also noch verschrieben werden“, sagt Sebastian Graefe. Er ist Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie und betreibt in Hamburg das Impfzentrum St. Pauli. Doch bei Lariam müssten Urlauber wegen möglicher schwerer psychischer Nebenwirkungen des Präparats einen Lariam-Pass mit sich führen.

Doxycyclin ist ein altbekanntes Antibiotikum, das allerdings in Deutschland aus formalen Gründen nicht für eine Malaria-Prophylaxe zugelassen ist. Trotzdem wird das Medikament von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen.

Bleiben Malarone und die entsprechenden Nachahmer-Präparate mit dem gleichen Wirkstoff. „Sie sind sehr teuer, haben aber ein ganz gutes Nebenwirkungsprofil und sind auch als Notfalltherapie geeignet“, erklärt Graefe. Erwachsene nehmen täglich eine Tablette ein. Man beginnt einen Tag vor Abreise und setzt die Einnahme bis sieben Tage nach Rückkehr aus dem Verbreitungsgebiet fort. Zwölf Pillen kosten mindestens 50 Euro, oft sind also zwei Packungen nötig.

Welche Nebenwirkungen haben Malarone und Co.?

Zu den üblichen Reaktionen gehören Übelkeit, Kopfweh und Schwindel. Der eine spürt sie stärker, der andere gar nicht. Im Vergleich zum großen Nutzen seien die Nebenwirkungen der Prophylaxe gering, urteilt May. Wer Diabetes oder andere Vorerkrankungen sowie Leber- und Nierenprobleme hat, sollte sich gut durchchecken lassen, bevor er die Tabletten nimmt. Frauen, die ein Kind erwarten, sollten Malaria-Verbreitungsgebiete grundsätzlich meiden.

In welchen Ländern muss ich besonders vorsichtig sein?

Malaria ist eine Tropenkrankheit. Die Experten empfehlen eine Chemoprophylaxe aber nur in sogenannten Hochrisikogebieten. Dazu zählen die afrikanischen Länder südlich der Sahara bis hinunter nach Mosambik - und in der Regenzeit auch der Nordosten Südafrikas samt Krüger-Nationalpark - sowie die Inseln Südostasiens östlich von Lombok bis einschließlich Papua-Neuguinea. Doch auch in anderen Malaria-Verbreitungsgebieten sollten sich Touristen vor Mücken schützen, weil dort eine Infektion möglich ist.

„Das tropische Afrika war schon immer das gefährlichste Gebiet für die Ansteckung mit der Malaria“, sagt CRM-Experte Jelinek. Insgesamt kommen Malaria-Mücken in rund 90 Ländern vor, auch in Südamerika. Und: Das Verbreitungsgebiet verändert sich mit dem Klima. So breitet sich Malaria auch in höher gelegene Gebiete aus, etwa bis ins äthiopische Addis Abeba auf 2300 Metern.

Die WHO informiert auf ihrer Website über die genauen Risikogebiete. Einen Unterschied macht es laut May auch, ob man während der Regen- oder Trockenzeit reist. Und als Rucksackreisender ist das Risiko höher als bei Pauschaltouristen auf Rundreisen mit gehobenen Hotels.

Was tun in Malaria-Gebieten mit geringem oder mittlerem Risiko?

Die Experten raten, in solchen Regionen ein Präparat zur Notfall-Therapie mitzuführen – vor allem, wenn es dort keine medizinische Versorgung gibt. „Damit kann man sich selbst behandeln, wenn man Fieber bekommt oder die Krankheit ausbricht“, sagt Graefe. Die wichtigste Vorsorge sei aber guter Mückenschutz.

Wer zahlt für die Malaria-Tabletten?

In der Regel muss der Reisende selbst die Kosten für die Tabletten übernehmen, sagen die Mediziner. Es gibt aber einige Krankenkassen, die die Prophylaxe-Pillen zahlen. Generell sollten sich Reisende von einem Arzt beraten lassen, der eine Weiterbildung als Tropen- oder Reisemediziner hat.

Wann zeigen sich die Symptome von Malaria?

„Es dauert mindestens eine Woche, bis Symptome auftreten, oft auch zehn Tage oder zwei Wochen“, sagt May. Denn die Erreger vermehren sich langsam im menschlichen Blut. Die Infektion äußert sich dann wie eine echte Grippe: mit Wechselfieber, Schüttelfrost, ausgeprägter Müdigkeit und Unwohlsein, Durchfall, Kopf- und Gliederschmerzen.

Wie gefährlich kann Malaria werden?

Besonders in Afrika sterben immer noch viele Menschen an Malaria, weil sie sich keine Medikamente leisten können. Reisende aus dem wohlhabenden Deutschland haben dieses Problem nicht. „Wenn man die Malaria rechtzeitig behandelt, ist das keine aufregende Sache“, sagt Jelinek. Wer nach der Rückkehr aus einem Malaria-Gebiet mögliche Symptome hat, sollte dringend einen Facharzt aufsuchen.

Kann ich immun gegen Malaria werden?

„Man kann Malaria mehrfach bekommen, nach einer Infektion ist man nicht immun“, betont May. Zwar sinke die Chance immer weiter, erneut zu erkranken. Doch eine richtige Immunisierung gibt es nicht. „Sie setzt erst ein, wenn man in Malaria-Gebieten lebt und schon seit der frühesten Kindheit immer wieder gestochen wird.“

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst