Gesundheit / 26.09.2018

Mehr Ausgaben für Medikamente

Preissteigerungen und mehr Verordnungen: 2017 gaben gesetzliche Krankenkassen 1,4 Milliarden Euro mehr für Arzneimittel aus als im Vorjahr.

Bad Homburg/Berlin (kjs/WIdO/IQVIA). Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) inklusive der Zuzahlung der Versicherten lagen 2017 bei 39,9 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung von 1,4 Milliarden Euro (plus 3,7 Prozent). Das zeigt der Arzneiverordnungs-Report 2018 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Sämtliche dort veröffentlichten Analysen basieren auf den Verordnungsdaten des GKV-Arzneimittelindex.

Hauptursache für die gestiegenen Ausgaben sind die patentgeschützten Arzneimittel, zeigt der Report. Auf diese entfielen im vergangenen Jahr 18,5 Milliarden Euro des GKV-Arzneimittelmarktes. Damit hat sich ihr Umsatzanteil in den letzten 20 Jahren von 33 Prozent auf 45 Prozent erhöht.

Patentgeschützte und biologische Medikamente

Bei einigen Krankheitsgruppen werden geringe Verordnungsmengen benötigt, gleichzeitig kommen aber sehr teure patentgeschützte Arzneimittel zum Einsatz. So wurden etwa für die Behandlung von Krebs- und Viruserkrankungen sowie schwerwiegenden Krankheiten des körpereigenen Abwehrsystems 34 Prozent aller Arzneimittelausgaben verwendet.

Mit Blick auf ihre hohen Preise stellen auch biologische Medikamente, sogenannte Biologika, zunehmend eine große Herausforderung dar. Sie werden für die Therapie von Krebs und chronisch-entzündlichen Erkrankungen eingesetzt. Laut Arzneiverordnungs-Report lag ihr Umsatz 2017 bei 11,3 Milliarden Euro und hat sich seit 2007 verdreifacht. Seit mehr als zehn Jahren sind Nachahmerprodukte von Biologika (Biosimilars) verfügbar, die sich aber noch immer kaum am Markt durchsetzen. Verantwortlich ist dafür unter anderem die Anbieterstruktur. Außerdem wissen viele Ärzte noch zu wenig über den rationalen Einsatz von Biosimilars.

Arzneimittel bei seltenen Erkrankungen

Der Hochpreistrend zeigt sich auch bei den sogenannten Orphan-Arzneimitteln gegen seltene Erkrankungen (fünf Betroffene je 10.000 Personen). 2017 erzielten alle Arzneimittel, die jemals als Orphan-Arzneimittel zugelassen wurden, einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von rund acht Prozent des GKV-Gesamtumsatzes. In den letzten zehn Jahren hat sich dieser Umsatzanteil verdreifacht.

Unter den zehn teuersten Markteinführungen des Jahres 2017 befanden sich sieben Orphan-Arzneimittel, alle mit Jahrestherapiekosten von über 100.000 Euro. Das teuerste Orphan-Arzneimittel kommt sogar auf rund 750.000 Euro. Diese Preisentwicklung belastet die Krankenkassen, denn in Deutschland erstattet die GKV jedes zugelassene Arzneimittel in den ersten zwölf Monaten des Markteintritts vollständig zu dem von den Pharmaherstellern festlegten Preis.

Mehr Verordnungen

Auch der Umsatz bei den Arzneimitteln ist auf der Basis von Abgabepreisen gestiegen, und zwar im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 6,5 Prozent auf 21,6 Milliarden Euro. Während im stationären Bereich der Umsatz um 15 Prozent zunahm, betrug die Steigerung im ambulanten Bereich fünf Prozent.

Diese Steigerungen hängen wesentlich mit dem Einsatz innovativer Spezialpräparate gegen meist schwere Erkrankungen zusammen. Betrachtet man die Entwicklung nach Arzneigruppen, so zeigt sich, dass die im Krankenhaus begonnenen Therapien, vor allem in der Behandlung von Krebs, ambulant weitergeführt werden.

Hohe Therapiekosten

Dadurch verteilen sich die insgesamt hohen Kosten für die zumeist biopharmazeutischen Präparate auf immer kleinere Patientengruppen mit jeweils teuren Therapien. Zu erwarten ist, dass diese Entwicklung sich fortsetzt. Das hat für betroffene Patienten Vorteile, insbesondere wenn bis dato keine oder keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bestanden haben.

Für die Kostenträger bedeutet die Entwicklung nach Ansicht des Marktforschungsunternehmens IQVIA eine besondere Herausforderung. Es sind zukünftig neue Finanzierungsmodelle gefragt, zumal die Einsparungen durch ausgelaufene Patente nicht ausreichen.

Weitere Informationen

www.wido.de

Zum Arzneiverordnungs-Report des WIdO

Autor

Karl-Josef Steden