Rente / 22.04.2020

Mehr Beschäftigte wichtig für stabile Rentenversicherung

Neuer Tragfähigkeitsbericht der Bundesregierung zeigt auf, wie steigende Sozialausgaben trotz der demografischen Entwicklung bezahlbar bleiben.

Bild zum Beitrag "Mit mehr Erwerbspersonen die Rente stabilisieren". Das Bild zeigt die Kurve eines Kursverlaufs mit Geld im Hintergrund.

Berlin/Bad Homburg (sth). Die finanziellen Belastungen des Bundes und der Sozialversicherungen bleiben trotz der demografischen Entwicklung in Deutschland langfristig beherrschbar. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass dauerhaft möglichst viele Menschen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Das geht aus dem – vor der Corona-Krise fertiggestellten! – fünften Tragfähigkeitsbericht der Bundesregierung hervor, der am Dienstag im aktuellen Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums (BMF) veröffentlicht wurde. Dazu ist es nach Ansicht der Bundesregierung erforderlich, die "Beteiligung von Frauen, Älteren und von Menschen mit Migrationshintergrund am Arbeitsmarkt zu fördern".

Ein Schlüssel zu langfristig tragfähigen Finanzen sei "die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf", heißt es in dem Bericht. So würde ein Ausbau der Ganztagesbetreuung helfen, "das Arbeitsvolumen von Frauen in Richtung einer vollzeitnahen Beschäftigung" zu erhöhen. Vorbild in dieser Hinsicht sei Schweden, so die Bundesregierung. Zudem sei es wichtig, "Leistungspotenziale durch Weiterbildung und zukunftsfähige Qualifikationen weiter zu erhöhen".  

Anteil der Rentenversicherungsausgaben am BIP steigt

Dem Bericht, der die Folgen der Corona-Krise noch nicht berücksichtigt, liegen Langfristprojektionen bis ins Jahr 2060 zugrunde. Sie wurden im Auftrag des BMF durch Wissenschaftler des ifo Instituts und den Bochumer Ökonomen Martin Werding erstellt. Die Prognosen geben laut BMF "auf der Basis demografischer Daten Einblick in die hypothetische Entwicklung der öffentlichen Finanzen bei einer unverändert fortgeführten Politik". Der Tragfähigkeitsbericht soll insbesondere analysieren, ob die öffentlichen Haushalte trotz der in den kommenden Jahrzehnten stark alternden Bevölkerung ausreichend belastbar sind.

Für die sozialen Haushalte – darunter die Rentenversicherung – entwerfen die Wissenschaftler ein günstiges und ein pessimistisches Szenario. Der optimistischeren Variante zufolge steigt der Anteil der Rentenversicherungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den kommenden 40 Jahren von derzeit 9,4 Prozent bis auf 11,3 Prozent. Verläuft die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt ungünstiger, erwarten die für den Bericht verantwortlichen Wissenschaftler einen Anstieg auf 13,1 Prozent des BIP. In beiden Szenarien wäre der Schuldenanteil des Staates an der Wirtschaftsleistung ohne die Corona-Krise "in den nächsten Jahren weiter gefallen", erklärt das Finanzministerium. Der Staat verfüge über ausreichende finanzielle Reserven, "um die gegenwärtigen, unvorhergesehenen Ereignisse zu bewältigen".

Mehr zum Thema:

www.bundesfinanzministerium.de

Fünfter Tragfähigkeitsbericht der Bundesregierung (pdf)

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Autor

Stefan Thissen