Rente / 22.07.2019

Mehr digitale Angebote und besserer Service

Die Deutsche Rentenversicherung Baden Württemberg will die persönliche Beratung mit elektronischen Zugangswegen verbinden.

Tour Digital der DRV Baden-Württemberg. – Bild: DRV / Sabine Schumacher

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DRV Baden-Württemberg konnten sich bei der „Tour Digital“ über den Stand der Digitalisierung und neue Möglichkeiten informieren. (Foto: DRV / Sabine Schumacher)

Bad Homburg (kr). „Die Digitalisierung ist ein Weg und kein Ziel“, zitierte Dr. Winfried Pingerra ein Plakat, das er vor kurzem in Wien gesehen hatte. Der Generaldirektor der Pensionsversicherungsanstalt in Österreich – dem Pendant der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hierzulande – berichtete als Gastredner bei der Vertreterversammlung der DRV Baden-Württemberg über die Erfahrungen der österreichischen Kollegen in Sachen Digitalisierung.

Plattform-Lösung „Meine SV“

„Das erschöpft sich nicht nur in Transformation von Papier auf Bildschirm“, sagte Pingerra, sondern bedeute die komplette Neugestaltung von Prozessen. In Österreich ist das über die Grenzen der einzelnen Sozialversicherungszweige hinweg auch mit Reformen verbunden. So soll es bald nur noch eine einheitliche Krankenversicherung geben.

Pingerra stellt die Plattform-Lösung „Meine SV“ vor. Sie ermöglicht es Versicherten, jederzeit über einen gesicherten Zugang das eigene Pensionskonto einzusehen oder zum Beispiel Arztrechnungen einzureichen. Inzwischen nutzen etwa ein Viertel der rund vier Millionen aktiv Versicherten das Angebot.

Ein Grund für diesen Erfolg ist die einfache Authentifizierung über eine Handy-Signatur. Dafür reichen eine App und die einmalige Freischaltung bei einer Bank, Versicherung oder einer Polizeidienststelle. Das in Deutschland noch übliche Verfahren mit einer Signaturkarte und einem Lesegerät am PC ist in Österreich ebenfalls gescheitert.

Ähnlich wie in Deutschland sei Digitalisierung auch in Österreich in vielen Bereichen noch eine Einbahnstraße. „Die Leute stellen Anträge digital, wollen den Bescheid aber selbstverständlich in Papierform“, stellt Pingerra fest.

Tour Digital

Welche Veränderungen die Digitalisierung für die Beschäftigten bei der Rentenversicherung mit sich bringt, konnten die Mitglieder der Vertreterversammlung bei der „Tour Digital“ an verschiedenen Stationen selbst in Augenschein nehmen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen demonstrierten, wie sich ihr Arbeitsalltag durch die Abkehr von Papierakten hin zur elektronischen Antragsbearbeitung verändert hat. Die Tour war zuvor allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den verschiedenen Standorten der DRV Baden-Württemberg gezeigt worden.

„Unser Ziel ist es“, erklärte DRV-Geschäftführerin Elisabeth Benöhr, „wirkliche Entscheidungen von Menschen treffen zu lassen.“ Die Routine müsse digitalisiert werden, „damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Zeit haben, die Versicherten in den Mittelpunkt zu rücken.“ Ihr Kollege Volkart Steiner bekräftigte, dass die DRV Baden-Württemberg dabei auch neue Wege geht: „Mit der Videoberatung haben wir ein erstes Angebot, das sehr gut angenommen wird.“

Beide waren sich mit Winfried Pingerra einig, dass die Digitalisierung eine notwendige Antwort auch auf die demografische Entwicklung und den damit verbundenen steigenden Beratungsbedarf sei. Pingerra bezeichnete sie als Gebot der Stunde, „weil wir die Arbeitszeit für individuelle Betreuung benötigen“.

Selbstverwaltung stärken

Der Vorsitzende der Vertreterversammlung, Hans-Michael Diwisch, und der Vorstandsvorsitzende Martin Kunzmann nutzten die Veranstaltung auch zu einem Plädoyer für die Institution Selbstverwaltung. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer bringen gemeinsam die Mittel für die gesetzliche Sozialversicherung auf“, sagte Kunzmann, „daher wollen wir auch mitbestimmen, was damit geschieht.“ Beide wandten sie sich gegen Bestrebungen, die paritätische Selbstverwaltung in Frage zu stellen. Nur eine starke Selbstverwaltung können weitergehenden Eingriffen der Politik in die Finanzen der Rentenversicherung Einhalt gebieten.

Mehr zum Thema:

www.deutsche-rentenversicherung.de

Weitere Informationen der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg über die Vertreterversammlung am 19.07.2019

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Autor

Dr. Michael Krause