Rente / 27.12.2017

Mehr Rentner an den Tafeln

Zahl der Senioren, die am gespendeten Mittagessen teilnehmen, hat sich in zehn Jahren verdoppelt. Politik und Verbände warnen vor Altersarmut.

Berlin/Osnabrück (dpa/ots/sth). Immer mehr Rentner in Deutschland beziehen kostenlose Lebensmittel von den Tafeln. Laut Bundesverband der Tafeln hat sich ihre Zahl innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. "Fast jeder vierte Tafelkunde ist mittlerweile Rentner. Das sind in etwa 350 000 Menschen", sagte der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Im Jahr 2007 hätten Senioren nur gut 12 Prozent der Bedürftigen ausgemacht.

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, sagte der "NOZ", dass es die Tafel überhaupt geben müsse, sei ein Armutszeugnis für Deutschland. "Wenn 350.000 Senioren regelmäßig darauf angewiesen sind, bei den Tafeln für kostenlose Lebensmittel anzustehen, dann ist das ein deutlich sichtbares Signal dafür, dass die Altersarmut auf dem Vormarsch ist."

Insbesondere Erwerbsminderungsrentner leben nach den Worten von Mascher wegen der hohen Abschläge, die sie auf ihre Renten hinnehmen müssen, oft an der Armutsgrenze. Außerdem seien viele Frauen von Altersarmut betroffen. Und: "Für immer mehr Rentner werden auch hohe Mieten ein immer größeres Problem. Der soziale Wohnungsbau muss oberste Priorität haben", sagte die VdK-Präsidentin.

Barley wirbt für Einführung einer Solidarrente

Die geschäftsführende Bundessozialministerin Katarina Barley warb deshalb erneut für die Einführung einer Solidarrente. "Menschen, die viel geleistet und lange Beitragszeiten erworben haben, sollen nicht zum Sozialamt gehen müssen", sagte die SPD-Politikerin. Schon im Wahlkampf hatten die Sozialdemokraten für langjährige Geringverdiener eine Solidarrente gefordert, die oberhalb der Grundsicherung liegen soll. Barley betonte: "Ein verlässliches Auskommen im Alter gehört zum Kernversprechen unserer Gesellschaft."

Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung stehen die meisten Rentner allerdings relativ gut da. Laut ihren Zahlen erhalten rund 404.000 Personen zusätzliche Leistungen der Grundsicherung im Alter. Ein Sprecher der Rentenversicherung sagte gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung", dass mehr als 97 Prozent der Rentner über mindestens so viel Einkommen verfügen, dass sie keine ergänzende Grundsicherung beziehen müssen. Selbstständige mit oft unstetigen Erwerbsbiografien, Erwerbsgeminderte, Langzeitarbeitslose und Niedrigverdiener haben laut Rentenversicherung ein erhöhtes Armutsrisiko im Alter.