Gesundheit / 26.01.2018

Mehr Routine bei komplizierten Operationen

Befragung: Neun von zehn Befragten befürworten Mindestmengen bei komplizierten Operationen, aber auch Nachteile befürchtet.

Bad Homburg (kjs/AOK). 86 Prozent der Befragten würden eine Mindestmengenregelung in Krankenhäusern begrüßen - das geht aus einer Bevölkerungsbefragung im Auftrag der AOK Hessen hervor. Mindestmengen heißt, dass Kliniken anspruchsvolle Operationen, wie das Einsetzen eines Kniegelenks oder die Versorgung von Frühgeborenen, nur dann vornehmen sollten, wenn sie eine Mindestzahl an Behandlungen pro Jahr vorweisen können. Befragt wurden 1.000 Personen repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bundesland sowie weitere 200 Personen in Hessen.

Behandlungsqualität vor Wohnortnähe

Fast alle Befragten würden sich eher für eine Klinik entscheiden, die eine Mindestzahl an Operationen und Behandlungen mit dem fraglichen Krankheitsbild nachweisen kann. Drei Viertel der Befragten würden für einen Eingriff einen weiteren Weg in eine Klinik in Kauf nehmen, wenn sie dadurch eine nachweislich bessere Behandlungsqualität erwarten können. Eine Entfernung von im Schnitt rund 130 Kilometern wäre dabei hinnehmbar. Damit wurde deutlich: Die Wohnortnähe ist für die Auswahl eines Krankenhauses weniger relevant als die Behandlungsqualität.

Dass mehr Routine bei komplizierten Operationen zu besseren Behandlungsergebnissen führt, davon sind 80 Prozent der Befragten überzeugt. 67 Prozent gehen davon aus, dass sich eine optimale Behandlungsqualität nur durch gut eingespielte Abläufe erzielen lässt. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen stimmen sogar 79 Prozent dieser Aussage zu. Steht eine größere Operation an, schauen Patienten vor allem auf die Spezialisierung des Krankenhauses im relevanten Fachgebiet (69 Prozent) und auf eine besonders gute Qualifikation der Ärzte (64 Prozent). Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich außerdem ein überzeugendes Konzept zur Patientensicherheit und Fehlervermeidung.

Auch Nachteile befürchtet

Allerdings sehen die Teilnehmer der Befragung auch Nachteile durch die Mindestmengenregelung. Sie sorge dafür, dass für viele der Weg zum Krankenhaus weiter wird, meinen 52 Prozent der Befragten. Jeder Zweite befürchtet, künftig nicht mehr in seinem Wunschkrankenhaus behandelt werden zu können. Fast genauso viele halten die Schließung von Kliniken oder die Abwanderung von Fachärzten aus weniger spezialisierten Krankenhäusern für möglich.

In Deutschland sind Mindestmengen zurzeit in sieben Leistungsbereichen vorgeschrieben. Dazu zählen etwa schwierige Eingriffe an der Speiseröhre und der Bauchspeicheldrüse sowie Leber- und Nierentransplantationen. Damit deutsche Krankenhäuser im internationalen Qualitätsvergleich nicht abgehängt werden, fordert die AOK seit längerem eine striktere Einhaltung und die Ausweitung dieser Bestimmungen zum Beispiel auch für komplizierte Lungen- und Brustkrebsoperationen.

Studie verweist auf geringere Sterblichkeitsrate

Dass Mindestmengen medizinisch sinnvoll sind, belegte jüngst auch der AOK-Qualitätsmonitor 2018. Die Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ergab, dass die Sterblichkeitsrate in spezialisierten Krebszentren mit höheren Fallzahlen niedriger ausfiel als in Kliniken mit wenig Routine bei Krebsoperationen. Nach schwierigen Lungen- oder Darmkrebsoperationen könnte demnach durch erfahrene Operateure und Mindestmengenregelungen die Zahl der Todesfälle sinken. Auch die Deutsche Krebsgesellschaft unterstützte die Pläne der AOK.

Patienten können sich im Internet auf den Seiten der "Weißen Liste" über die Krankenhäuser und deren Behandlungshäufigkeiten informieren. Dort sind beispielsweise Angaben über die Zahl der Behandlungsfälle und die Mindestmengenregelung für rund 2.000 Krankenhäuser in Deutschland zu finden.

Karl-Josef Steden / AOK

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Karl-Josef Steden