Rente / 19.07.2018

Midijobs: Bis 23 Euro weniger Rentenbeitrag

Monatsverdienste von 450 bis 1.300 Euro sollen ab 2019 mit geringerem Rentenbeitrag belastet werden – aber zu vollem Rentenanspruch führen.

Bad Homburg (sth). Geringverdiener in der Verdienst-Gleitzone oberhalb von 450 Euro – sogenannte Midijobber – sollen künftig bis zu einem Monatsverdienst von 1.300 Euro weniger Rentenbeiträge zahlen müssen. Bisher endet die Gleitzone bei 850 Euro. Mit diesem Baustein im geplanten Rentenpaket von Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) will die Bundesregierung die Abgabenbelastung von Beschäftigten im Niedriglohnsektor bereits ab dem kommenden Jahr senken. Geringverdiener werden bisher vor allem durch Sozialbeiträge und weniger durch Steuern belastet.

Höchste Entlastung bei 850 Euro Monatsverdienst

Nach Berechnungen des Steuerexperten Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für die "Bild-Zeitung" müssen die Betroffenen durch die Reform künftig monatlich bis zu etwa 23 Euro weniger Rentenbeiträge zahlen als Arbeitnehmer mit Einkommen oberhalb der Gleitzone. Die höchste Entlastung ergibt sich demnach bei einem Monatsverdienst von 850 Euro. Im Bereich zwischen 450,01 Euro und 850 Euro steigt laut Bachs Berechnungen die monatliche Beitragsentlastung schrittweise an – von 2,90 Euro bei 500 Euro Verdienst über 14,52 Euro bei 700 Euro bis zu 23,23 Euro bei 850 Euro. Bis zu einem Verdienst von 1.300 Euro sinkt die Entlastung danach wieder schrittweise.

Voller Rentenanspruch trotz abgesenkter Beiträge

Für die Betroffenen besonders erfreulich: Trotz ihrer niedrigeren Rentenbeitragszahlung sollen sie für ihren Verdienst den vollen Rentenanspruch erhalten – anders als nach der bisherigen Regelung. "Es wird sichergestellt, dass die reduzierten Rentenversicherungsbeiträge nicht mehr zu geringeren Rentenleistungen führen", heißt es dazu im Entwurf des Rentenpakets, den Minister Heil Ende vergangener Woche vorgestellt hatte. Bisher konnten Midijobber einen vollen Rentenanspruch für ihren Verdienst nur erwerben, indem sie die Differenz zum halben Rentenbeitragssatz aus eigener Tasche bezahlten. Die andere Hälfte zahlte – und zahlt weiterhin – der Arbeitgeber.

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Autor

Stefan Thissen