Finanzen / 26.01.2022

Millionen Bankkunden leben vorübergehend auf Pump

Die Zahl der Dispokredit-Nutzer ist deutlich gestiegen. Jeder Zweite überzieht sein Konto sogar um mehr als 1500 Euro. Was Verbraucherschützer raten.

Millionen Bankkunden leben vorübergehend auf Pump. – Kontoauszug und Bargeld.

München (). Die Corona-Pandemie trägt offenbar dazu bei, dass mehr Menschen auf Pump leben und ihr Girokonto überziehen. Darauf deutet eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Kreditvermittlers Smava hin. Demnach nutzten nach Weihnachten 2021 etwa 6,6 Millionen Bankkunden ihren Dispokredit auf dem Girokonto. Das seien 17 Prozent mehr als vor einem Jahr. Fast jeder zweite Disponutzer ist mit mehr als 1500 Euro im Minus, so das Ergebnis der Befragung von 2500 Bundesbürgern. Verbraucherschützer warnen seit Jahren vor der hohen Zinslast bei Dispokrediten.

Banken verlangen weiter hohe Dispozinsen

Trotz der Null- und Negativzinsen für Guthaben auf Sparkonten sind die Dispozinsen immer noch relativ hoch. Nach Angaben des Verbraucherportals biallo.de belaufen sie sich derzeit auf etwa zehn Prozent. Vor zehn Jahren lag der durchschnittliche Dispozins laut den Daten bei etwa 12 Prozent. Einige kleinere Volks- und Raiffeisenbanken mit wenig Konkurrenz auf dem Land verlangen aber teilweise immer noch Zinsen von mehr 12,75 oder 13,75 Prozent.

Etwa die Hälfte der Disponutzer kann zwar laut den eigenen Angaben der Befragten das Minus auf dem Konto innerhalb eines Monats wieder ausgleichen. Jeder Sechste brauche dafür allerdings bis zu drei Monate, ähnlich viele sogar mehr als zwölf Monate.

Die Verbraucherzentralen raten, möglichst erst gar nicht auf dem Girokonto in die roten Zahlen zu geraten. Ihre wichtigsten Tipps:

Eiserne Reserve aufbauen

Wer ein kleines, jederzeit verfügbares Finanzpolster für unerwartete Kosten aufbaut, kommt erst gar nicht in die Verlegenheit, den Dispokredit zu beanspruchen. Geeignet dafür ist etwa ein Tagesgeldkonto.

Haushaltsbuch führen

Das Führen eines Haushaltsbuchs hilft, die eigenen Finanzen besser in Griff zu bekommen. Wer seine Einnahmen und Ausgaben kennt, kann leichter Sparpotentiale erkennen. Dabei können auch Finanz-Apps auf dem Handy helfen.

Geduldete Überziehung vermeiden

Wer sein Dispolimit überzieht und das Kreditinstitut dies duldet, muss bei vielen Banken immer noch Überziehungszinsen zahlen. Diese belaufen sich laut biallo.de derzeit auf im Durchschnitt mehr als zwölf Prozent. Lässt sich das gar nicht vermeiden, sollten Bankkunden mit einer Gutschrift das Konto zumindest so ausgleichen, dass keine Überziehungszinsen mehr anfallen.

Notfalls umschulden

Der billigste Dispokredit ist teurer als ein günstiger Ratenkredit. Wer den Dispo dauerhaft nutzt und nicht mehr aus dem Minus herauskommt, sollte deshalb die Umschuldung mit Hilfe eines Ratenkredits prüfen.

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Autor

Thomas Öchsner