Rente / 09.11.2022

Minijobs: Reguläre Einnahmen der Sozialkassen hypothetisch

Bundesregierung hält Vergleichsberechnungen zwischen 520-Euro-Jobs und regulären Beschäftigungen für „eingeschränkt“ aussagekräftig.

Kellnerin in einem Restaurant. Bild: IMAGO / Westend61

Berlin/Frankfurt (sth). Minijobs sind in der Politik, den Gewerkschaften, aber auch in Teilen der Wissenschaft seit Langem umstritten. Grund ist neben den geringen Einkünften der neuerdings „520-Euro-Jobber“ genannten Beschäftigten vor allem ihre schlechte soziale Absicherung. So hätten viele Minijobberinnen und -jobber während der Corona-Pandemie ihren Job verloren und „weder Anspruch auf Kurzarbeitergeld noch auf Arbeitslosengeld“ gehabt, schreibt die Bundestagsfraktion der Linken in einer Anfrage, auf die die Bundesregierung jetzt geantwortet hat. Trotz dieser Probleme habe aber auch die Ampel-Regierung an der Struktur der Minijobs nichts geändert und die Verdienstgrenze für diese Jobs zum 1. Oktober sogar um 70 Euro monatlich angehoben, kritisieren die Parlamentarier.

Interessiert waren die Linken-Sozialpolitiker unter anderem daran, welche Einnahmen den Sozialkassen aufgrund der geringeren Beitragszahlungen von 520-Euro-Jobbern gegenüber den regulären Zuflüssen von versicherungspflichtig Beschäftigten entgehen. Die Antwort der Bundesregierung zeigt: Die Mindereinnahmen könnten erheblich sein. So seien die Beitragseinnahmen aus sozialversicherungspflichtigen Jobs – wenn diese die Minijobs ohne Jobverluste vollständig ersetzen könnten – je 100 Euro Verdienst um 8,70 Euro höher als bei Minijobs, schreibt die Bundesregierung. Würden für Beschäftigte mit dem durchschnittlichen Minijob-Monatslohn von derzeit etwa 310 Euro reguläre Sozialbeiträge erhoben, beliefen sich die „rechnerischen Mehreinnahmen mithin auf 26,97 Euro“, heißt es.

Hypothetischer Charakter rechnerischer Mehreinnahmen

Auf eine genauere Berechnung der Mindereinnahmen aus den Minijob-Sozialbeiträgen verzichtet die Bundesregierung jedoch. Zur Begründung verweist sie auf die „eingeschränkte Aussagekraft“ der für die Linken-Anfrage ermittelten Zahlen, „die sich insbesondere aus dem hypothetischen Charakter der rechnerischen Mehreinnahmen (bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, d. Red.), die unter Ausblendung von Anpassungsreaktionen und Leistungsansprüchen bestimmt wurden“, ergeben hätten.

Nach den jüngsten verfügbaren Daten der Minijob-Zahlen arbeiteten im Juni dieses Jahres knapp 6,5 Millionen Menschen in gewerblichen Minijobs, vor allem im Handel, in der Gastronomie oder im Reinigungsbereich. 20 Prozent von ihnen zahlten 3,6 Prozent ihres Lohns für Rentenbeiträge aus eigener Tasche und sicherten sich damit auch solche Leistungen der Rentenversicherung, die sonst nur Beschäftigten mit höherem Verdienst, regulär gezahlten Sozialbeiträgen und mit längerer Versicherungszeit zustehen – zum Beispiel Reha-Leistungen, die staatliche Riesterförderung oder eine Erwerbsminderungsrente.

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Autor

Stefan Thissen