Gesundheit / 29.05.2019

Missbrauch opiatähnlicher Schmerzmittel nimmt zu

Nach einer regelrechten Epidemie in den USA und Kanada kommt es auch in Europa immer mehr zu Missbrauch von Opioiden, zeigt eine OECD-Studie.

Bild zum Thema: Missbrauch opiatähnlicher Schmerzmittel nimmt zu. Zu sehen sind eine Blisterpackung mit Tabletten und ein Wasserglas auf einem Tisch.

Bad Homburg/Berlin (kjs/OECD). Während in den USA und Kanada der Missbrauch opiatähnlicher Schmerzmittel zum Teil dramatische Ausmaße angenommen hat, sterben auch in einigen Staaten Europas immer mehr Menschen am Missbrauch von Opioiden. Dies zeigt eine aktuelle OECD-Studie.

So ist in Schweden, Norwegen, Irland und in England und Wales die Anzahl der Todesfälle stark gestiegen. Ursache sind eine oft sorglose ärztliche Verschreibungspraxis und ein wachsender illegaler Handel mit Opioiden.

Mehr Todesfälle

Zwischen 2011 und 2016 haben die Opioid bedingten Todesfälle in den 25 OECD-Ländern, für die Daten vorliegen, um mehr als 20 Prozent zugenommen. In Kanada gab es beispielsweise zwischen Januar 2016 und September 2018 mehr als 10.000 Tote durch Opioide, wobei zugleich die Rate in diesem Zeitraum von 8,4 pro 100.000 Menschen auf 11,8 anstieg.

In Europa sind drei von vier Toten durch Opioid-Missbrauch Männer.

In Deutschland sterben bezogen auf die Bevölkerung weniger Menschen an Opioid-Missbrauch als in den meisten anderen OECD-Ländern. Dennoch werden vergleichsweise viele Opioide verschrieben und konsumiert. Die OECD hält es für dringend geboten, dass in Deutschland die Balance zwischen angemessenem, schmerzlinderndem Einsatz und dem zu vermeidenden Risiko einer Suchtentwicklung nicht verloren geht.

Starker Verbrauch in den USA

In den USA ist auch der Opioid-Konsum unter Schwangeren gestiegen, insbesondere bei Frauen mit niedrigem Einkommen. Gleichzeitig wurden in den USA auch bei psychischen Problemen deutlich häufiger Opioide verschrieben als in anderen OECD-Ländern. Eine besondere Risikogruppe sind Gefängnisinsassen.

Insgesamt betrifft der Opioid-Missbrauch in Europa durchschnittlich weniger als ein Prozent der Bevölkerung, jedoch etwa 30 Prozent der Inhaftierten. Zu weiteren Risikofaktoren gehören soziale und wirtschaftliche Umstände wie Arbeitslosigkeit oder beengte Wohnverhältnisse.

Verschreibung mit Folgen

Ein wesentlicher treibender Faktor hinter der beschriebenen Entwicklung ist, dass Ärzte zu häufig oder in zu großer Menge Opioide zur Schmerzbehandlung verschreiben. Auch hat die Arzneimittelindustrie die gefährlichen Auswirkungen von Opioiden seit den 1990er-Jahren systematisch verharmlost.

Der Gesetzgeber muss deshalb die Regeln für die Vermarktung von Opioiden ändern, um Menschen vor den schädlichen Wirkungen der Substanzen zu schützen. Mediziner sollten diese Schmerzmittel nur mit Vorsicht verschreiben.

Um die Verschreibungspraxis zu ändern, sind etwa Richtlinien für Kliniken hilfreich, die streng dem Stand der wissenschaftlichen Forschung folgen. Für dieses Vorgehen bietet Deutschland ein gutes Beispiel.

Grenzübergreifend lässt sich aber nur durch eine Kombination verschiedener juristischer und gesundheitspolitischer Maßnahmen verhindern, dass der Opioid-Überkonsum wie bereits in einigen OECD-Staaten ein massenhaftes Phänomen bleibt oder eine solche Entwicklung droht.

Weitere Informationen

www.oecd.org/health/health-systems/opioids.htm

Details zur Studie auf den Internetseiten der OECD

Autor

Karl-Josef Steden