Finanzen / 27.06.2019

Mit 50 einen Finanzplan aufstellen

Ab 50 beginnt für viele ein neuer Lebensabschnitt – mit mehr Freiheiten und Blick aufs Alter. Höchste Zeit für eine finanzielle Bestandsaufnahme.

Bild zum Thema Mit 50 einen Finanzplan aufstellen: Mann mit Brille im Büro lehnt sich entspannt zurück und verschränkt die Hände im Genick.

Ludwigshafen (dpa/tmn). 50 ist das neue 40 – so lautet ein vielzitierter Spruch. Und in der Tat: Auch wenn man ab 50 nicht mehr zur werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen zählt – alt ist man noch lange nicht.

Im besten Alter für eine neue Lebensphase

Für viele Marketingexperten zählen Menschen um die 50 sogar zu den Best Agern, also zu Menschen im besten Alter. Und auch beruflich haben die meisten in diesem Alter schon einiges erreicht. Die familiären Verpflichtungen werden oft weniger, weil die Kinder meist auf eigenen Füßen stehen. Und bis zur Rente ist es noch weit.

 

 

Viele planen nur bis zum Renteneintritt, aber was ist danach?

Bei vielen vergrößert sich der finanzielle Spielraum, wenn bis dahin etwa die eigene Immobilie schon komplett oder wenigstens zu einem großen Teil abbezahlt ist. „Das ist eine gute Zeit für eine finanzielle Bestandsaufnahme“, erklärt Prof. Hartmut Walz von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein.

Ein Fehler, den viele dabei machen: Sie planen nur bis zum Renteneintritt. „Nach menschlichem Ermessen werden Sie aber auch mit 67 Jahren noch gute 20 Jahre vor sich haben“, sagt Walz.

Die Lebenserwartung steigt

Das belegen Zahlen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Männer, die 1969 geboren wurden, werden demnach im Durchschnitt 83,8 Jahre alt. Bei Frauen dieses Jahrgangs liegt die durchschnittliche Lebenserwartung sogar bei 88,3 Jahren. Dieser Aspekt sollte bei der Planung eine Rolle spielen. Auf diese drei Bereiche kommt es an:

1. Vermögen und Altersvorsorge

Mit 50 ist langsam absehbar, wie viel Geld einem zum Rentenbeginn zur Verfügung steht. Die Höhe der gesetzlichen Rente erfährt man aus den jährlichen Renteninformationen. Ab 55 Jahren erhält man zudem alle drei Jahre eine ausführliche Rentenauskunft, zusammen mit dem Versicherungsverlauf, erklärt die Deutsche Rentenversicherung Bund.

Zusätzlich haben die meisten bis zu diesem Zeitpunkt ein wenig Vermögen aufgebaut und Altersvorsorgeprodukte abgeschlossen. Das Problem: Oft ist das Geld in wenig lukrativen oder teuren Produkten angelegt, zum Beispiel in Lebens- oder Rentenversicherungen.

 

 

Vorsicht Inflation

Dabei zahlen Kunden oft drauf, ohne dass es ihnen bewusst ist. „Kaum eine Versicherung gibt ihren Kunden am Ende das an Kaufkraft zurück, was sie eingezahlt haben“, betont Prof. Walz. Daher gehören solche Verträge aus seiner Sicht auf den Prüfstand. „Die Inflation ist der größte Feind beim Vermögensaufbau.“

Das Inflationsrisiko können Anleger aber mindern: mit Aktien. Denn diese sind Sachvermögen, das heißt, sie steigen mit der Inflationsrate mit. „Und Kursschwankungen gleichen sich in einem langen Zeitraum in der Regel aus“, stellt Walz klar.

 

 

Aktien bringen die höchste Rendite

Das zeigen Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Danach lagen die jährlichen Renditen für einen Anlagezeitraum von 20 Jahren in der Vergangenheit allein beim Deutschen Aktienindex Dax im Schnitt bei rund 9 Prozent.

Verluste mussten die Anleger über solche Zeiträume nicht fürchten. Selbst im schlechtesten Fall lag die jährliche Rendite des erfassten 20-Jahre-Zeitraums bei fast 6 Prozent. Wer dabei blieb, konnte also zum Beispiel das Platzen der Immobilienblase oder die Kurseinbrüche am sogenannten Neuen Markt Anfang der 2000er Jahre überstehen.

Selbst wenn die Kurse zum Renteneintritt nicht auf dem Höchststand sind, bleibt genug Zeit, mögliche Verluste auszugleichen. Denn: „Sie brauchen ja nicht ihr gesamtes Vermögen mit 67 Jahren“, sagt Walz.

2. Versicherungen

Ab 50 Jahren lohnt es sich, seine Versicherungen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn nicht jeder Vertrag, der in jungen Jahren abgeschlossen wurde, ist dann noch unbedingt notwendig. „Das kann zum Beispiel für die Risikolebensversicherung gelten“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) in Hamburg. Meist schließen Menschen solche Policen ab, um ihre Familie abzusichern. „Wenn die Kinder aber jetzt aus dem Haus sind und die Immobilie weitgehend abbezahlt ist, ist der Vertrag nicht mehr unbedingt nötig.“

Pflegefall absichern

Allerdings ist jetzt ein guter Zeitpunkt, ein anderes Risiko abzusichern: den Pflegefall. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt in der Regel nicht die kompletten Kosten. Daher lohnt sich unter Umständen eine private Zusatzversicherung. „Abschließen sollten Sie diese Versicherung, wenn Sie noch gesund sind“, rät Boss. „Denn das hat großen Einfluss auf die Höhe der Beiträge.“ Mit Vorerkrankungen können Kunden abgelehnt werden oder müssen Risikozuschläge zahlen.

Auch wichtig: „Sie sollten sich die Police dauerhaft leisten können“, rät Boss. Denn eine Pflegeversicherung ist eine Risikoversicherung. Nach Angaben der Stiftung Warentest kostet ein Vertrag für Modellkunden, die sie mit 55 Jahren abschließen, ungefähr 87 Euro im Monat kosten. Die Beiträge steigen aber im Lauf der Jahre.

3. Wohnen

Spätestens wenn die Kinder aus dem Haus sind, fragen sich Eltern: Ist die Immobilie für zwei zu groß? „Ein Eigenheim ist toll, aber es darf nicht überdimensioniert sein“, sagt Prof. Walz. Er bezieht sich dabei noch auf einen anderen Aspekt als den verfügbaren Platz: „Bei vielen Eigentümern steckt zu viel Geld im Eigenheim.“ Oft sind 70 oder 80 Prozent des Vermögens in der Immobilie gebunden.

Lieber barrierefrei wohnen?

Eigentümer sollten in diesem Fall überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, in eine kleinere, vielleicht sogar barrierefreie Immobilie umzuziehen. Der positive Nebeneffekt: Auf diese Weise kann man Kapital wieder flüssig machen. Viele Menschen zögern aber vor diesem Schritt. „Da stehen uns oft die Emotionen im Weg“, sagt Walz. „Spätestens aber wenn der Partner stirbt, wird aus der emotionalen Rendite eine emotionale Last.“

Weitere Informationen

www.7jahrelaenger.de
Prognosen zur Lebenserwartungen des GDV

www.eservice-drv.de
Versicherungsverlauf bei der Rentenversicheurng anfordern

www.dai.de
Renditedreieck des DAI

www.test.de
Stiftung Warentest zu Pflegeversicherungen

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst