Rente / 06.10.2017

'Mit 72 in Rente? Ich doch nicht!'

Jupp Heynckes soll beim FC Bayern den Karren erneut aus dem Dreck ziehen. Seine Botschaft geht über München hinaus: Ohne die Älteren geht es nicht.

München (sth). Seit dem späten Mittwochabend ist es die Nachricht für alle Fußball-Fans: Der mittlerweile 72-jährige Jupp Heynckes soll erneut das Traineramt beim deutschen Renommier-Club FC Bayern übernehmen. Auch wenn bis zum Donnerstagnachmittag noch keine offizielle Bestätigung für die Personalie vorlag, setzt der Münchner Verein mit der sehr wahrscheinlichen erneuten Berufung von Heynckes auf den Cheftrainer-Posten nicht nur für den Fußballmarkt erneut ein Ausrufezeichen. Aber auch für Arbeitnehmer und Unternehmen jenseits der Balltreterbranche könnte der 5. Oktober 2017 ein Signal setzen: Ohne die Älteren geht es nicht – und auch für die Rente geht noch was.

Zwar dürften Gewerkschafter und Vertreter der Sozialverbände angesichts der Rückkehr eines verdienten Rentners vom Niederrhein an seinen früheren Arbeitsplatz nicht unbedingt vor Begeisterung unter die Decke springen. Aber jetzt schon scheint klar: Spätestens mit Heynckes' epochalem Schritt dürfte die Debatte um die Rente mit 70 – oder gar: mit 73? – erneut an Fahrt aufnehmen. Schließlich hatte erst jüngst der Vorsitzende des Sozialbeirats der Bundesregierung, Prof. Gert G. Wagner, für die Zeit nach 2030 einen "Korridor" bei der Altersgrenze zwischen 68 und 72 Jahren ins Gespräch gebracht (siehe ihre-vorsorge.de vom 05.10.2017). 

Flexirentengesetz im Kopf?

Vielleicht hatte Jupp Heynckes ja schon das Flexirentengesetz im Kopf, als er die Telefonnummer des FC Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß auf seinem Smartphone leuchten sah. Rentenerhöhung nach der Regelaltersgrenze? 'Ist doch jetzt kein Problem mehr', mag sich der stets wie aus dem Friseur-Stuhl gesprungen wirkende Ex-Mönchengladbacher gedacht haben. Vielleicht würden die – nach vorheriger Vereinbarung – erneut fließenden Rentenbeiträge seines Arbeitgebers nicht verfallen, wenn er selbst auch wieder in die Rentenkasse einzahlen würde. Oder die Rentenzahlung für neun Monate unterbrechen und damit ab Mitte 2018 die Rente per Zuschlag erhöhen? Auch diese Rechnung könnte der Fußball-Weise aus dem Westen für sich aufgemacht haben.

Und auch diese Botschaft dürfte von einem erneuten "Ja" von Heynckes zu seiner langjährigen Liebe FC Bayern in die Welt hinausausgehen: Bei einem Arbeitsmarkt, auf dem Top-Fachkräfte schon jetzt Mangelware sind, darf künftig kein Experte mehr aus freien Stücken in den Ruhestand treten. "Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt", witzelte vor über 30 Jahren die Bochumer NDW-Band "Geier Sturzflug", als der Unions-Kanzler Helmut Kohl in Bonn auf der Regierungsbank Platz nahm. Für viele im Westen der Republik galt die Rente mit 60 damals schon als fast selbstverständlich. Dank Jupp Heynckes darf sich der "Erfinder" der Rente mit 67, Franz Müntefering, jetzt endlich bestätigt sehen.  

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Autor

Stefan Thissen