Soziales / 20.09.2019

Mit dem Erbe Gutes tun

Das unterstützen, was am Herzen liegt: Im Testament können Erblasser bestimmen, dass ihr Besitz Projekten zugutekommt.

Bild zum Thema Mit dem Erbe Gutes tun: Herz aus kleinen rosa Herzen.

Berlin/München (dpa/tmn). Mit dem Tod soll es nicht ganz vorbei sein: Viele Menschen wollen etwas Bleibendes hinterlassen. Doch wie kann das gehen? Möglichkeiten, mit dem Vermögen nach dem Tod noch Gutes zu bewirken, gibt es viele: Erblasser können zum Beispiel einer Stiftung oder einem gemeinnützigen Verein Geld oder andere Vermögenswerte zur Verfügung stellen. Doch welcher Empfänger kann dafür in Frage kommen?

Bei der Entscheidung, wohin das eigene Vermögen fließen soll, um Gutes zu tun, folgen Wohltäter am besten ihrem Herzen, rät Max Mälzer. Der Jurist ist Geschäftsführer des Deutschen Spendenrates mit Sitz in Berlin. Tätigkeits- oder Jahresberichte können eine erste Orientierung geben, erklärt Mälzer.

Gemeinnützige Vereine, Stiftungen und Organisationen zeigen darin regelmäßig, wie sie ihre Mittel verwendet haben. „Seriöse Organisationen beschreiben konkrete Projekte und drucken nicht nur professionelle Fotos ab“, so erklärt der Vertreter des Dachverbands Spenden sammelnder gemeinnütziger Organisationen in Deutschland.

Die Entscheidung muss ohne Druck fallen können

Ein anderes Indiz für Vertrauenswürdigkeit sei, dass sich die Organisation einer Transparenzinitiative angeschlossen hat, die nicht nur auf Selbstauskünften beruht, erklärt Mälzer.

Die Entscheidung soll zudem wohlüberlegt fallen können: „Wer emotionalen Druck aufbaut und etwa Schwerkranken vermittelt, sie müssten mit Geldbeträgen Buße tun, nutzt eine Zwangssituation aus. Das ist nicht seriös.“

Wer schon weiß, wofür er sich einsetzen will, hat eine andere Möglichkeit: eine Stiftung gründen. „Oft hat die Stiftung auch den Zweck, die Erinnerung an sich selbst wachzuhalten, indem man sie nach sich oder den Eltern benennt“, erzählt Paul Grötsch, Geschäftsführer des Deutschen Forums für Erbrecht in München.

Unabhängig von der Motivation: „Stiftungen sind auf Dauer angelegt und haben einen bestimmten Zweck“, erklärt Grötsch. „Das Vermögen, das in die Stiftung eingebracht wird, darf im Normalfall nicht verbraucht werden“, sagt der Fachanwalt für Erbrecht. „Damit wird gewirtschaftet: Mit den Erträgen wird das Stiftungsziel verfolgt“. Die derzeit niedrigen Zinsen können diese Arbeit erschweren.

Stifter fördern ein bestimmtes Ziel

Dafür profitieren Körperschaften von einer Ausnahmeregelung, wenn sie als gemeinnützig anerkannt sind: Für sie fallen weder Körperschafts- oder Gewerbesteuer noch die Erbschaftssteuer an. „Die Abgabenordnung gibt vor, was als gemeinnützig anerkannt ist“, sagt Wolfgang Stückemann. „Zum Beispiel die Förderung der Jugend- und Altenhilfe, von Kunst und Kultur oder Sport“, zählt der Anwalt für Erbrecht auf. Das Finanzamt muss die Gemeinnützigkeit anerkennen.

Wer nicht ganz so viel in die Stiftung einbringen kann, gründet am besten eine unselbstständige Stiftung, erklärt Stückemann. „Unselbständige Stiftungen sind an eine andere Einheit angebunden, zum Beispiel eine Bank, Sparkasse oder eine größere Stiftung“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Spendenrats. „Sie sind keine eigene Rechtspersönlichkeit, sondern Treuhänder entscheiden.“

Ihrer Gründung muss nur das Finanzamt zustimmen. Bei einem niedrigen Kapital von unter 100.000 Euro sei es besser, diese Form zu wählen. „Mit einer selbstständigen Stiftung hat man relativ viel Arbeit, zum Beispiel mit der Steuer“, erklärt der Anwalt.

Ohne Geld geht es nicht

Eine Mindestsumme für die Gründung gibt es zwar nicht, sagt Grötsch. In der Praxis verlangen viele Finanzämter aber ein Stiftungskapital von mindestens 25.000 Euro bei unselbstständigen und 100.000 Euro bei selbstständigen Stiftungen, so Stückemanns Erfahrung. Dazu kommt die praktische Frage, ob genügend Ertrag erwirtschaftet wird: „Unter 500.000 Euro macht es derzeit wenig Sinn, eine Stiftung zu gründen, weil das Ziel schwer verfolgt werden kann“, sagt Grötsch.

Bei der Gründung einer selbstständigen Stiftung ist außerdem etwas mehr Bürokratie nötig: Die Stiftungsaufsicht des jeweiligen Bundeslandes muss zustimmen, und es muss ein Vorstand existieren, sagt Stückemann. „Gut ist außerdem, wenn es einen Beirat oder ein Kuratorium mit Fachleuten gibt, die den Vorstand beraten und ihm Entlastung erteilen können.“

Wer sich zur Gründung entschieden hat, hat nach Ansicht der Experten die Wahl, ob er die Stiftung bereits zu Lebzeiten in die Wege leitet – oder dies erst im Testament vorsieht. „Wenn man die Stiftung vor dem Tode gründet, kann man die Zielverfolgung mitdefinieren und erleben, wie sie anfängt, zu arbeiten“, nennt Stückemann ein Argument. Grötsch ergänzt: „Der Stifter kann so noch selbst im Vorstand mitwirken.“

Rückzieher gibt es nach der Gründung nicht

Einen Haken hat die frühe Gründung aber: Man legt sich fest. „Das Geld ist dauerhaft weg, selbst wenn der Stifter später Geldsorgen hat, kann er nicht mehr darauf zugreifen“, so Grötsch.

Deshalb ist auch die zweite Möglichkeit beliebt: Im Testament können Erblasser vorsehen, das von Todes wegen eine Stiftung gegründet wird. „Meist setzt man dafür einen Testamentsvollstrecker ein, dem man genaue Anweisungen geben sollte“, rät Stückemann. Nur so kann der Stifter sichergehen, dass der beabsichtigte Zweck verfolgt wird. „Allgemein gilt: Je enger der Stiftungszweck, desto schwieriger ist es, ihn zu erfüllen“, sagt der Erbrechtsexperte. Denn umso weniger Handlungsspielraum bleibt.

Wie sich Wohltäter auch entscheiden – Anwalt Grötsch rät eher davon ab, den Plan vorher bekannt zu machen: „Das weckt gewisse Erwartungen und kann eine psychische Hürde sein, sich umzuentscheiden.“

Weitere Informationen

www.gesetze-im-internet.de
Paragraf 52 der Abgabenordnung: Gemeinnützige Zwecke einer Körperschaft

www.deutsche-bank.de
Deutsche Bank: Erben und Vererben (PDF)

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst