Gesundheit / 03.05.2018

Mit links machen

Eltern sollten Linkshänder-Kinder nicht zu Rechtshändern umerziehen – Tipps für den Alltag

.Bad Homburg (kjs). Albert Einstein und Marilyn Monroe waren es, Barack Obama und Queen Elizabeth II. sind es: Linkshänder. Linkshänder haben es oft schwer, denn das tägliche Leben, Lernen und Arbeiten ist auf Rechtshänder ausgerichtet. Ob Füller, Dosenöffner oder Gitarre: Die Geräte und Instrumente liegen bei Linkshändern nicht so richtig in der Hand. Umschulen auf rechts ist jedenfalls keine Alternative. Darauf weist die AOK hin und gibt Tipps für Eltern.

Linkshänder sind in der Minderheit, Schätzungen zufolge macht ungefähr jeder zehnte Mensch alles mit links. Ob das aber wirklich stimmt, ist unklar, denn unter den Befragten befinden sich immer auch einige ursprünglich linkshändige Menschen, die als Kind umgeschult wurden.

Früher wurden Kinder häufig auf das "schöne Händchen" umgeschult. Auch heute ist das noch nicht ausgeschlossen. Linkshänder-Berater gehen allerdings davon aus, dass ein Umlernen Folgen haben kann. Berichtet wird von Gedächtnisstörungen, Konzentrationsproblemen, Lese- und Rechtschreibschwäche, feinmotorischen Störungen bis hin zu Minderwertigkeitskomplexen, Unsicherheit und Bettnässen. Allerdings sind derartige Probleme nicht immer auf eine Änderung der Händigkeit zurückzuführen.

Umlernen bringt das Gehirn durcheinander

Die Händigkeit ist angeboren. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Linkshänder-Paar ein linkshändiges Kind bekommt, liegt bei 50 Prozent. Bei zwei Rechtshändern sinkt die Wahrscheinlichkeit auf zwei Prozent, so der Medienservice der AOK. Schon im Mutterleib kann man oft die Händigkeit bereits erkennen: Fast alle Ungeborenen, die am rechten Daumen nuckeln, entwickeln sich auch zu Rechtshändern und umgekehrt.

Noch fehlt es an Studien, die die Folgen einer Umschulung unter die Lupe nehmen. Aus der Hirnforschung weiß man, dass das Gehirn durch eine Umschulung umlernen muss, da bei einem Rechtshänder die linke Hirnhälfte dominant ist, während bei einem Linkshänder die rechte Hirnhälfte dominant ist. Grund: Die Nervenbahnen verlaufen über Kreuz. Wie der Diplom-Psychologe des AOK-Bundesverbandes, Dr. Dieter Bonitz, erläutert, ist eine Hirnhälfte immer für die gegenüberliegende Körperseite verantwortlich.

Was passiert nun, wenn ein linkshändiges Kind den Stift immer in die rechte Hand nimmt? Vermutlich verlagert sich die Steuerung der Schreibbewegung von der rechten in die linke Hirnhälfte, wie es bei Rechtshändern auch der Fall ist. Planung und Koordination dagegen bleiben in der rechten Hirnhälfte wie bei nicht umgeschulten Linkshändern. Diese Hirnregionen waren dabei aber deutlich aktiver als bei reinen Linkshändern. Das Gehirn muss also mehr arbeiten.

Kinder frei entwickeln lassen

Ob das die Probleme zumindest teilweise erklären kann, ist aber nicht belegt. Sicher dagegen ist, dass Kinder belasten werden, wenn eine Umschulung unter einem gewissen Zwang geschieht. Deshalb rät der Experte dazu, dass das Kind seine Händigkeit möglichst frei entwickeln kann. Meist zeigt sich bis zum vierten Lebensjahr, ob ein Kind Links- oder Rechtshänder ist. Bis zum Schuleintritt sollte die Händigkeit geklärt sein. Stellt sich eine Linkshändigkeit heraus, muss sich das Kind in einer Rechtshänder-Welt zurechtfinden. Allerdings bieten inzwischen zahlreiche Läden und Onlineshops Produkte an, die auf Linkshänder zugeschnitten sind.

Tipps für Eltern

  • Allgemein: Eltern sollten ihr Kind beobachten und sich auf seine Gewohnheiten einstellen. Beratungsstellen bieten eine spezielle Händigkeitsdiagnose an.
  • Beim Essen: Bei Vermutung auf Linkshändigkeit den Löffel mittig legen, so dass sich das Kind, ohne beeinflusst zu werden, für die bevorzugte Hand entscheiden kann. Wird die Linkshändigkeit vermutet, sollte der Löffel gleich links hingelegt werden. Auch das Trinkglas sollte dann auf der linken Seite stehen. Wie Kinder später Messer und Gabel benutzen, ist unterschiedlich. Manche Linkshänder schneiden lieber mit links, andere mit rechts.
  • Schreiben: Die richtige Stift- und Blatthaltung ist wichtig, um die anstrengende „Hakenhaltung“ der Hand zu vermeiden.
  • Sitzplatz: Linkshänder sollten in der Schule links, Rechtshänder rechts sitzen. Am Schreibtisch zu Hause sollte der Lichteinfall von rechts kommen.

Autor

Karl-Josef Steden