Soziales / 25.06.2020

Mütter verdienen viel weniger als kinderlose Frauen

Studie der Bertelsmann Stiftung: Nicht nur zwischen Männern und Frauen bestehen große Ungleichheiten beim Einkommen.

Junge Mutter sitzt mit weinendem Baby auf dem Sofa.

Gütersloh (dpa). Mütter verdienen einer Studie zufolge aufs gesamte Erwerbsleben gerechnet deutlich weniger als kinderlose Frauen. Diese lebenslange Bestrafung der Mutterschaft ist im Verlauf der Zeit sogar größer geworden, wie eine Auswertung der Bertelsmann Stiftung belegt. Nach Prognosen der Autorinnen dürften sich die Ungleichheiten durch die Corona-Krise noch weiter verschärfen, da dadurch etwa zusätzliche Betreuungsarbeit notwendig geworden ist.

Einkommensvergleich über das ganze Erwerbsleben hinweg

Um Aussagen über den Einfluss des Kinderkriegens auf die Löhne von Frauen machen zu können, konzentriert sich die Studie auf den Vergleich von Einkommen über das gesamte Erwerbsleben hinweg. Die Entscheidung für ein Kind führt bei Frauen demnach durchschnittlich zu Einbußen von rund 40 Prozent, bei drei oder mehr Kindern sogar von bis zu 70 Prozent. Diese tiefen Einschnitte erklären sich vor allem dadurch, dass viele Mütter mit ihrer Beschäftigung zeitweise pausieren und auch danach oft in Teilzeit weiterarbeiten.

Ein Vergleich zwischen Frauen, die im Jahr 1971 beziehungsweise 1982 geboren sind, zeigt, dass die lebenslange Bestrafung der Mutterschaft sich im Durchschnitt vergrößert hat. So lagen die Einbußen gegenüber gleichaltrigen Kinderlosen bei den älteren Frauen im Westen mit einem Kind bei 30 Prozent, bei den Jüngeren hingegen bei 43 Prozent. Im Osten fiel der Unterschied sogar noch größer aus: Bei den Älteren betrug er mit einem Kind zehn Prozent, bei den Jüngeren sogar 37 Prozent.

Fazit der Studie: Die Kosten für das Mutter-Dasein sind gestiegen

Da kinderlose Frauen hinsichtlich des Bildungsniveaus, der Erwerbstätigkeit und des Einkommens in den vergangenen Jahrzehnten die bestehende Lücke zu den Männern zunehmend verringerten, kommt die Studie zu dem Schluss: Die Kosten des Mutter-Daseins sind über die Jahre hinweg deutlich gestiegen.

„Gerade in Zeiten der Corona-Krise müssen wir durch bessere Rahmenbedingungen für Mütter einer Retraditionalisierung entgegenwirken“, fordert Manuela Bariši, eine der beteiligten Forscherinnen. So müsse etwa eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet sowie das Ehegatten-Splitting reformiert werden. Dadurch sollten für Frauen Anreize geschaffen werden, nicht lediglich Zuverdienerinnen zu sein, sondern trotz Kindern auch wieder voll ins Berufsleben einzusteigen.

Außerdem müssten systemrelevante Berufe, in denen überdurchschnittlich oft Frauen tätig sind, öfter tarifgebunden und somit unter besseren Arbeitsbedingungen gestaltet werden.

Weitere Informationen

www.bertelsmann-stiftung.de
Studie der Bertelsmann-Stiftung

Autor

 Deutsche Presseagentur