Finanzen / 05.04.2018

Nach dem Jawort Ordner wälzen

Spätestens nach den Flitterwochen sollten Paare ihre Versicherungsunterlagen sichten. Denn es gibt viel zu optimieren – und zu sparen.

Oft werden schon vor dem Jawort Single-Haushalte zusammengebracht. Die doppelt vorhandene Kühltruhe kann verschenkt und das überzählige Geschirr für den Polterabend verwandt werden. Was aber geschieht mit doppelt vorhandenen Versicherungspolicen – unabhängig davon, ob „eheähnlich“ oder verheiratet zusammen gelebt wird?

Hausratversicherung

Die Hausratversicherung kann zwar durchaus in zwei Versicherungen bestehen, wenn die Werte erhalten bleiben und lediglich „vereint“ werden. Es bietet sich jedoch für den gemeinsamen Haushalt die Zusammenlegung der Versicherungen an. Grundsatz: Die Versicherung mit dem älteren Recht bleibt bestehen, der zweite Versicherer löst die Police auf. Wenn teure Einrichtungsgegenstände, die vorher in beiden Wohnungen vorhanden waren, nun nur noch einmal gebraucht werden (etwa die hochwertige Stereoanlage), so kann an eine Herabsetzung der Versicherungssumme gedacht werden.

Praktisch: Wer als pauschale Versicherungssumme etwa „650 bis 700 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche“ vereinbart, der braucht im Falle eines Falles nicht zu befürchten, dass die Hausratversicherung geltend macht, es liege eine „Unterversicherung“ (mit den sich daraus ergebenden geringen Leistungen) vor. Außerdem: Eine Heirat hat sicher einigen „Zugang“ gebracht...

Privat-Haftpflichtversicherung

Für die Privat-Haftpflichtversicherung gilt Entsprechendes. Der Ehe- oder eingetragene Lebenspartner ist eingeschlossen. Und hier heißt es ebenfalls grundsätzlich: Der jüngere Vertrag wird aufgehoben. Und auch ein Nichtverheirateter kann, wenn er in einer eheähnlichen Gemeinschaft lebt, in den Vertrag des Partners aufgenommen werden. Aber: „gegenseitige“ Ansprüche sind dann (wie unter Eheleuten) ausgeschlossen.

Wichtig: Die Versicherung, bei der die Police bleibt, muss über den (Ehe-)Partner informiert werden, damit sie oder er in den Versicherungsschutz aufgenommen werden kann. In der Regel erhöht sich der Beitrag bei der bestehenden Versicherung nicht, da die private Haftpflichtversicherung alle in häuslicher Gemeinschaft lebenden Angehörigen einschließt.

Rechtschutzversicherung

Auch in der Rechtsschutzversicherung ist der Ehepartner ohne Zusatzbeitrag geschützt, die jüngere Police wird aufgehoben. Genauso verfahren Lebenspartner, die nicht verheiratet sind. Allerdings: Kommt es zwischen den (Ehe-)Partnern zum Streit, so gilt der Vertrag – wie bei der Privat-Haftpflichtversicherung – dafür nicht.

Private Unfallversicherung

Private Unfallversicherung: Individueller Schutz ist verständlicherweise nicht übertragbar. Die meisten Versicherungsunternehmen bieten jedoch die Möglichkeit, den Vertrag in eine Familien-Unfallversicherung umzuwandeln, so dass einerseits Rabatt und andererseits "flächendeckender" Schutz gewährleistet ist.

Tipp für frisch Vermählte, die schon Unfallpolicen haben: Sie ändern den Namen der bezugsberechtigten Person, damit der hinterbliebene Partner die Leistungen im Todesfall erhält. Auch nicht verheiratete Paare können sich für den Todesfall gegenseitig das Bezugsrecht einräumen; sonst fallen die Versicherungsleistungen den Erben zu. Und dazu gehören nichteheliche Lebenspartner nicht.

Lebensversicherung

Lebensversicherungsverträge, die ein Paar vor der Ehe abgeschlossen hat, laufen unverändert und unabhängig voneinander weiter. Doch auch hier heißt es aufpassen, da im Vertrag vermerkt sein muss, ob nun der Ehe-/Lebenspartner derjenige sein soll, welcher im Erlebens- oder Todesfall das Geld ausgezahlt bekommt – oder jemand anderes.

Wichtig: Das Bezugsrecht bei einer kapitalbildenden Lebensversicherung kann nur dann geändert werden, wenn es "widerruflich" vereinbart wurde. Dies ist in der Regel auch der Fall. Alternativ kann es „unwiderruflich“ vereinbart werden: Es ist dann bei einer Änderung des Bezugsrechts die Zustimmung des eingetragenen Bezugsberechtigten erforderlich – ohne ihn läuft also nichts.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Wer am Anfang des Berufslebens steht, der hat meistens erst nach fünf Jahren „Wartezeit“ Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Hinzu kommt, dass mit dem Verlust der Arbeitskraft meist auch der Lebensstandard leidet. Jeder Partner braucht seinen eigenen Vertrag – am besten nicht in Kombination mit anderen Versicherungen, sondern als eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung. Wenn es die BU aber als Zusatzkomponente bei der betrieblichen Altersvorsorge gibt, kann das eine gute Alternative zu reinen Berufsunfähigkeitsversicherung sein.

Krankenversicherung

Krankenversicherung: Wer mehr als 450 Euro verdient, der ist sozialversicherungspflichtig – egal, ob verheiratet oder „Single“. Gibt jedoch ein berufstätiger Ehepartner seine Arbeit auf, so ist er automatisch beim anderen (noch berufstätigen) mitversichert, wenn sein sonstiges eigenes Einkommen, etwa Miet- oder Zinseinnahmen, nicht höher ist als regelmäßig 435 Euro im Monat – bei einem Minijobber nicht höher als 450 Euro. Privat Krankenversicherte müssen ihren Partner zusätzlich versichern, wenn dieser sich nicht bei der bisherigen gesetzlichen Krankenkasse „freiwillig weiterversichert“.

Kfz-Haftpflicht- und -Kaskoversicherung

Kfz-Haftpflicht- und -Kaskoversicherung: Der Versicherung muss ein nichteheliches Zusammenleben/eine Heirat nicht mitgeteilt werden – es sei denn, der (Ehe-)Partner mit Auto hätte vorher einen "Singlerabatt" vereinbart, der den Partner von der ständigen Mitbenutzung des Fahrzeugs ausschließen würde.

Je nach individuell erreichtem Schadenfreiheitsrabatt kann es sich aber lohnen, einen Pkw ab- und ihn als Zweitwagen bei einer anderen Versicherungsgesellschaft anzumelden.

Weitere Informationen

Was Paare nach der Hochzeit in Sachen Finanzen und Versicherungen noch beachten sollten, hat die Stiftung Warentest im Ratgeber "Sich trauen" zusammengestellt:

www.test.de

 

 

Autor

Wolfgang Büser