Gesundheit / 06.09.2017

Nahrungsmittelallergie bei Kindern

Untersuchung: Vermeiden von allergenen Produkten wenig sinnvoll

Offenbach (kjs). Der Anteil der Nahrungsmittelallergien in der Bevölkerung liegt deutlich unter zehn Prozent. Studien deuten darauf hin, dass Kindern öfter betroffen sind als Erwachsene. Allerdings bilden sich diese Erkrankungen oftmals bis zum Schulalter wieder zurück. Kanadische Wissenschaftler haben nunmehr untersucht, inwiefern sich Nahrungsmittelallergien bei Kindern vermeiden lassen, indem man die möglichen Allergene meidet. Darüber informiert jetzt der Allergieinformationsdienst.

Kuhmilchprodukte, Eier und Erdnüsse

Forscher untersuchten Daten von insgesamt 2.124 Kindern einer Kohorten-Studie in Kanada. Anhand von Fragebögen ermittelten die Wissenschaftler nach drei, sechs, zwölf, achtzehn und vierundzwanzig Monaten die Essensauswahl der Eltern für ihre Kinder. Konkret interessierten sie sich für den Zeitpunkt der Einführung von Kuhmilchprodukten, Eiern und Erdnüssen. Zu den Kuhmilchprodukten zählten die Forscher unter anderem Joghurt, Käse, Speiseeis, Butter sowie Babymilch auf Basis von Kuhproteinen.

Innerhalb der ersten sechs Monate hatten 45 Prozent der Kinder Kontakt mit solchen Produkten, nach einem Jahr waren es 97 Prozent. Eier wurden vor allem zwischen dem siebten und dem zwölften Monat eingeführt (76 Prozent), Erdnüsse zumeist erst nach dem ersten Lebensjahr (63 Prozent) und kaum im ersten Halbjahr (1 Prozent). Nach rund einem Jahr wurde bei den Kindern ein sogenannter Prick-Test durchgeführt, um sie auf Allergien gegen diese Lebensmittel zu testen.

Vermeiden bringt nichts

Die Ergebnisse glichen die Forschenden mit dem Nahrungsmittelkonsum ab. Dabei zeigte sich Folgendes: Das Zurückhalten der Produkte bis nach dem ersten Lebensjahr erhöhte signifikant die Wahrscheinlichkeit, auf das jeweilige Lebensmittel allergisch zu reagieren. Durchschnittlich war das bei Kuhmilch am ehesten der Fall, bei Eiern und Erdnüssen war der Effekt etwas weniger stark ausgeprägt.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass eine Vermeidung potenziell allergener Produkte wenig sinnvoll ist. Die Kinder möglichst früh an diese Lebensmittel heranzuführen, könne vielmehr einen Schutzeffekt haben. Das Ergebnis deckt sich mit einer britischen Studie zum Konsum von Erdnussbutter. Hier konnten Forscher zeigen, dass Kinder, die im Alter zwischen vier und elf Monaten erstmals davon gekostet hatten, nach drei Jahren weniger häufig Allergien entwickelten.

Autor

Karl-Josef Steden