Rente / 29.12.2017

Neue Altersgrenzen bei der Rente

2018 gibt es weitere Schritte auf dem Weg zur „Rente mit 67“. Wer derzeit wann in Rente gehen kann – und was ein vorzeitiger Renteneintritt kostet.

Reguläre Altersrente:

Bad Homburg (rw). Das Alter, ab dem es nach Erfüllung einer fünfjährigen Mindestversicherungszeit eine ungekürzte Altersrente gibt, steigt nun auf 65 Jahre und sieben Monate. Genauer gesagt gilt dieser Wert nicht für das Jahr 2018, sondern für den kompletten Geburtsjahrgang 1953.

Das bedeutet beispielsweise: Wer am 2. Dezember 1953 geboren wurde, kann die reguläre Altersrente erst ab August 2019 erhalten. Denn am 2. Juli 2019 wird er 65 Jahre und sieben Monate alt. Die reguläre Altersrente gibt es dann ab dem Folgemonat. Jahrgang für Jahrgang steigt diese Altersgrenze auch künftig an. Ab dem Jahrgang 1964 – also für die derzeit 53- bis 54-Jährigen – liegt die reguläre Altersgrenze bei 67 Jahren.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte:

Seit Juli 2014 gibt es für Versicherte, die auf eine 45-jährige Mindestversicherungszeit kommen, allerdings die Möglichkeit, bereits deutlich früher in Rente zu gehen. Sie können die „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ in Anspruch nehmen – und zwar ohne Abschläge. Für den Jahrgang 1955, diejenigen also, die 2018 ihren 63. Geburtstag feiern, ist dies allerdings nicht mehr mit 63, sondern erst sechs Monate später möglich.

Das Zugangsalter für den abschlagsfreien Rentenzugang wird nämlich hier schrittweise für jeden Jahrgang um zwei Monate angehoben. Ab dem Jahrgang 1964 gilt dann wieder die 65-Jahres-Grenze. Wichtig zu wissen: Ein vorzeitiger Bezug dieser Altersrente mit Abschlägen ist hier nicht möglich, wohl aber – bei Erreichen des für diese Altersrente geltenden Eintrittsalters – der Bezug einer Teilrente.

Auch viele Frauen unter den besonders langjährig Versicherten 225.290 Versicherte (Neuzugänge) nutzten diese Altersrente 2016. Somit entfiel ein gutes Viertel der Renteneintritte auf dieses vorgezogene Altersruhegeld. Erstaunlich ist dabei, dass der Frauenanteil mit 43,6 Prozent weiterhin sehr hoch ist. Ursprünglich waren Bundesregierung und Rentenversicherung davon ausgegangen, dass diese Rente wegen der geforderten langen Versicherungszeit von 45 Jahren eine „Männerdomäne“ sein würde.

Der hohe Frauenanteil dürfte wohl durch die volle Berücksichtigung der so genannten Kinderberücksichtigungszeiten bei dieser Frührente zu erklären sein. Für die Rente zählen nicht nur die ersten drei (beziehungsweise bei Jahrgängen vor 1992: zwei) Erziehungsjahre als so genannte Kindererziehungszeiten. Es wird die komplette Zeit bis zum zehnten Geburtstag eines Kindes als Kinderberücksichtigungszeit anerkannt. Soweit Frauen mehrere Kinder haben, zählt dabei die Zeit bis zum zehnten Geburtstag des jüngsten Kindes.

Dazu ein Beispiel: Das erste Kind wurde 1972 geboren, das zweite Kind 1982. In diesem Fall zählt die Zeit zwischen 1972 und 1992 als Kinderberücksichtigungszeit – insgesamt also 20 Jahre. Kommen dann noch 25 Jahre sozialversicherter Beschäftigung hinzu, die sich nicht mit der Kinderberücksichtigungszeit überschneiden, so erfüllen die Betreffenden bei Erreichen der für sie maßgeblichen Altersgrenze die Mindestversicherungszeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte.

Altersrente für langjährig Versicherte:

Für dieses vorgezogene Altersruhegeld gibt es deutlich niedrigere Hürden. Hier reichen schon 35 Versicherungsjahre. Dafür sind die Konditionen hier deutlich schlechter. Die Rente kann zwar schon ab 63 bezogen werden – aber mit kräftigen Rentenabschlägen. Jeder Monat, in dem die Rente vor Erreichen des regulären Renteneintrittsalters in Anspruch genommen wird, kürzt das Ruhegeld um 0,3 Prozent – lebenslang. 2018 erreicht der Jahrgang 1955 die 63-Jahres-Grenze.

Wer 1955 geboren wurde, kann die Altersrente für langjährig Versicherte mit einem Abschlag von 9,9 Prozent beziehen. Wer mit 63 Jahren Rentenansprüche in Höhe von 1.000 Euro erworben hat, bekommt als Rente also nur 901 Euro – wovon noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgehen. Für jeden neuen Rentnerjahrgang werden die Abschläge höher. Ab 2024 sind es dann maximal 14,4 Prozent, wenn man schon mit 63 in Rente geht.

Wichtig ist aber: Wer diese vorzeitige Rente bekommen will, muss sie nicht schon mit 63 beantragen. Das ist auch einige Monate später oder beispielsweise erst mit 65 Jahren möglich. Dann fallen die Rentenabschläge entsprechend geringer aus. Wer zum Beispiel 1955 geboren wurde und die Rente erst 2020 mit 65 beanspruchen möchte, muss nur Abschläge von (9 x 0,3 Prozent =) 2,7 Prozent hinnehmen.

Schwerbehindertenrente:

Dieses vorgezogene Altersruhegeld kann als einziges noch vor dem 63. Geburtstag bezogen werden. Im Regelfall gibt es diese Rente aber nun – anders als früher – nicht mehr ab 60 Jahren. Für den Jahrgang 1955 liegt die Altersgrenze für den regulären (abschlagsfreien) Bezug dieser Rente bei 63 Jahren und neun Monaten. Die Schwerbehindertenrente kann man auch maximal drei Jahre vorher (für den Jahrgang 1955: ab 60 Jahren und neun Monaten) erhalten, dann aber mit Abschlägen von bis zu 10,8 Prozent (0,3 Prozent x 36 Monate).

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Autor

Rolf Winkel