Soziales / 08.08.2019

Neue Vorstandsfrau für die Arbeitsagentur

Nach dem Hickhack um Valerie Holsboer beruft die Bundesagentur für Arbeit nun die altgediente Christiane Schönefeld in den Vorstand.

Bild zum Beitrag "Neue Vorstandsfrau für die Arbeitsagentur". Das Bild zeigt Christiane Schönefeld, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit

Christiane Schönefeld, designierter Vorstand der Bundesagentur für Arbeit

Nürnberg (dpa/lby). Eine Altgediente soll es richten: Nach dem Rauswurf von Finanz- und Personalchefin Valerie Holsboer soll die 62 Jahre alte Christiane Schönefeld in den Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA) aufrücken. Einen entsprechenden Vorschlag wird die Arbeitgeberseite im Verwaltungsrat der größten deutschen Behörde am 29. August bei einer Sondersitzung des Gremiums unterbreiten, wie am Mittwoch bekannt wurde. Anschließend soll er der Bundesregierung zur Zustimmung vorgelegt werden.

Als arbeitslose Akademikerin zur BA gekommen

Schönefeld ist direkt nach Jura-Studium und Referendariat 1986 zur damaligen Bundesanstalt für Arbeit gekommen – als arbeitslose Akademikerin vermittelt von der eigenen Behörde. Seit 15 Jahren leitet sie die Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen. Sie gilt damit als Urgestein in der Bundesagentur, die rund 100.000 Mitarbeiter beschäftigt und Sozialbeiträge im Volumen von 35 Milliarden Euro bewegt. Vieles spricht dafür, dass sie das Portfolio Holsboers im Vorstand übernimmt, also für Finanzen, Personal und Organisation zuständig sein wird.

Kompromissfähige Übergangslösung

Schönefeld ist seit dem Abtritt Holsboers die Favoritin auf das Amt im dreiköpfigen, von Detlef Scheele geleiteten Vorstand der Bundesagentur. Sie gilt nach dem Personalhickhack als kompromissfähige Übergangslösung. Im 21 Mitglieder umfassenden Verwaltungsrat sitzen zu jeweils einem Drittel Vertreter der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der öffentlichen Hand. Traditionell tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihre Personalvorschläge gegenseitig mit.

Dem Fachkräftemangel mit mehr Beratungsangeboten begegnen

Schönefeld selbst hält den Umbau der Arbeitsagentur weg von der reinen Vermittlung hin zu einer stärker auf Beratung von Beschäftigten ausgerichteten Dienstleistungseinrichtung für die große Zukunftsaufgabe. Es gelte, Menschen zu helfen, deren Arbeitswelt sich im Zeitalter der Digitalisierung komplett ändere.

„Insofern müssen wir – weil wir uns ja dann entsprechend auch dafür aufstellen müssen – uns stärker als Beratungsorganisation aufbauen. Das ist für mich die große Transformation, die jetzt ansteht“, sagte Schönefeld der Deutschen Presse-Agentur. Holsboer war von der Arbeitgeberseite im Verwaltungsrat unter anderem angelastet worden, just diese Umwandlung nicht schnell genug vorangetrieben zu haben.

Umbau hin zur Dezentralisierung

Anfang des Jahrtausends habe sich die Bundesagentur zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit aufgestellt. Jetzt sei die Situation anders. „Wir haben eher Fachkräfteengpässe, um die wir uns kümmern müssen.“ Dieser Transformationsprozess müsse schnell in die Wege geleitet werden.

Die Agentur müsse dezentraler arbeiten, um Entscheidungen gezielter vor Ort treffen zu können. „Wir werden Dinge nicht mehr so gut in der Hierarchie entscheiden können“, betonte sie. „Das ist ein zwingender Weg, dass wesentlich stärker vor Ort entschieden wird, was gebraucht wird, ohne dass die BA dabei an Profil verlieren muss.“

Personalkarusell dreht sich bald wieder

Die Bundesagentur wird allerdings schon in wenigen Jahren – wenn Schönefeld das Pensionsalter erreicht – erneut auf Personalsuche für den Spitzenjob gehen müssen. „Man ist ja kein besonders Kreativer, wenn man auf mein Alter guckt und dann weiß man, dass das keine Lösung für die nächsten zehn Jahre ist“, sagte sie.

Autor

 Deutsche Presseagentur – Landesdienst Bayern