Gesundheit / 22.10.2018

Neue Wohnformen für Pflegebedürftige

Neue Wohnformen für pflegebedürftige Menschen können eine Alternative zu stationären und ambulanten Versorgungen bieten.

Bad Homburg/Berlin (kjs/GKV). Insgesamt 53 Projekte im Modellprogramm „Weiterentwicklung neuer Wohnformen für pflegebedürftige Menschen“ des GKV-Spitzenverbandes wurden jetzt nach fünf Jahren Erprobung positiv abgeschlossen. Das Programm wurde wissenschaftlich begleitet. Es ist bundesweit die umfassendste wissenschaftliche Bewertung von neuen Wohnformen für Pflegebedürftige. Das Bundesministerium für Gesundheit förderte das Programm mit zehn Millionen Euro.

Große Vielfalt

Neue Wohnformen für pflegebedürftige Menschen können eine Alternative zu stationären und ambulanten Versorgungen bieten. Sie berücksichtigen Alter und Bedarfe von Pflegebedürftigen gezielter – je nachdem, ob es sich um pflegebedürftige Senioren handelt oder um Menschen mit spezifischen Erkrankungen.

Die neuen Wohnformen sind nutzerorientiert, stärken die Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen und praktizieren das Zusammenwirken vieler Akteure in geteilter Verantwortung. Die geförderten Projekte zeichnen sich durch eine große Vielfalt aller Beteiligten, der Settings sowie der Herangehensweisen aus.

Ein Beispiel aus dem ländlichen Raum

Eine Ortsgemeinde baute als Genossenschaft Räumlichkeiten für betreutes Wohnen und eine Pflegewohngruppe. Sie war zugleich Träger der Einrichtung. Als Träger zeichnete sie sowohl für die Vermietung als auch für die professionelle Versorgung der Pflegebedürftigen durch Pflegedienste, Ernährung, Betreuung und Physiotherapie verantwortlich.

Als sorgende Gemeinschaft, die auf wechselseitiger Hilfsbereitschaft beruht, setzte sie den Wunsch ihrer Pflegebedürftigen um und ermöglicht diesen den Verbleib im Ort. Damit war neben der sicheren Versorgung auch die soziale Teilhabe der Pflegebedürftigen gewährleistet.

Ein urbanes Beispiel

Die meisten Pflegebedürftigen wollen möglichst lange selbstständig in ihrer angestammten Häuslichkeit leben. Diese Herausforderung hat ein Projekt in einer Großstadt aufgegriffen und umgesetzt. Die pflegebedürftigen Anwohner erhielten intensive und professionelle Beratung zu möglichen Leistungen. Dazu zählte die Erstausstattung der Mietwohnung mit individuell abgestimmten digitalen und anderen technischen Assistenzsystemen, da diese Systeme den Nutzern größtmögliche Sicherheit bei weitestgehender Selbstständigkeit gewähren.

Dies wurde ergänzt um Angebote der Pflegeberatung sowie das nachbarschaftliche Angebot von städtischen und kirchlichen Einrichtungen wie Bibliotheken, Seniorentreffs und Selbsthilfegruppen. Das Modellprojekt überzeugte, da sich die pflegebedürftigen Bewohner der Mietwohnungen sehr offen gegenüber den digitalen Assistenzsystemen zeigten und deren Anwendung rasch lernten.

Positive Bilanz des Modellprogramms

Insgesamt schätzen die pflegebedürftigen Menschen die Vielfalt der neuen Wohnformen und hoben besonders die hohe Versorgungssicherheit, die individuellen Leistungsangebote und die sozialen Teilhabechancen hervor.

Weitere Informationen:

www.gkvspitzenverband.de

Modellprogramm und zu den einzelnen Projekten

Autor

Karl-Josef Steden