Gesundheit / 28.09.2017

Neurodermitis bei Kindern

Wenn der Juckreiz nicht enden will – Neurodermitis behandeln

Selters/Köln (dpa/tmn). Es ist ein Teufelskreis: Die Haut ist trocken, schuppt und nässt. Hinzu kommt ein unerträglicher Juckreiz. Doch wer kratzt, macht es nur noch schlimmer. Das atopische Ekzem, bekannt als Neurodermitis, beschert Betroffenen schlaflose Nächte und schränkt sie im Alltag extrem ein. Mit der richtigen Kleidung, Ernährung, Hautpflege und Medikamenten lassen sich Schübe aber hinauszögern.

Immunsystem defekt

„Bei Atopie handelt es sich ganz allgemein gesagt um eine gesteigerte Empfindlichkeit auf Umwelteinflüsse“, sagt der Hautarzt Ralph von Kiedrowski. Bei Betroffenen funktioniert das Immunsystem nicht richtig. Es reagiert auch auf Stoffe, die eigentlich gar nicht gefährlich sind. Die Gründe dafür liegen in den Genen. Häufig haben Patienten mehrere atopische Erkrankungen wie Asthma und Pollenallergien.

Atopische Dermatitis

Im Fall der atopischen Dermatitis ist die natürliche Barriere der Haut defekt. Dadurch gelangen fremde Stoffe wie zum Beispiel Eiweiße von Pollen oder Nahrungsmitteln in die Haut. Der Körper versucht, sie abzuwehren: Weiße Blutkörperchen – gewissermaßen die körpereigene Polizei – setzen Botenstoffe frei, die wiederum andere weiße Blutkörperchen anregen, Antikörper des Typs Immunglobulin-E-Antikörper (IgE) zu bilden. Erwischen diese IgE-Antikörper ein Allergen, wird Histamin ausgeschüttet. Das wiederum ist verantwortlich für die Entzündungsreaktion.

Bei ersten Symptomen zum Kinderarzt

Da die Erkrankung angeboren ist, kommt sie häufig schon früh zum Tragen. „Bei Kindern tritt sie meistens im Säuglingsalter auf, etwa schon im zweiten Lebenshalbjahr“, sagt Hermann Josef Kahl vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. Zu den ersten Symptomen zählen Milchschorf, gerötete, schuppende Haut und natürlich der Juckreiz. Haut und Schleimhaut entzünden sich – meist in den Beugen der Arme und Beine, an den Fußgelenken und im Kopf-Hals-Bereich. Bemerken Eltern so etwas, sollten sie schnell zum Kinderarzt gehen.

Neurodermitis ist nicht heilbar, aber eine Therapie kann helfen

Heilbar ist Neurodermitis zwar nicht, eine Therapie kann betroffenen Kindern aber helfen, erklärt Thomas Schwennesen vom Deutschen Neurodermitis Bund (DNB). „Der Säureschutzmantel der Haut muss aufgebaut werden, damit Fremdstoffe nicht eindringen können“, sagt von Kiedrowski. Dafür raten Ärzte in der Regel zu einer rückfettenden, feuchtigkeitsspendenden Basistherapie.

Welche Wirkstoffe helfen

Geeignet sind zum Beispiel Salben, die frei von Duft- und Konservierungsmitteln sind und den synthetischen Harnstoff Urea enthalten. Er hilft bei der Bindung von Wasser in der Hornschicht der Haut. Zum Einsatz kommen auch Präparate mit Calcineurinhemmern, sagt Schwennesen. Die enthaltenen Wirkstoffe Tacrolimus und Pimecrolimus hemmen die Aktivierung der Entzündungszellen. Außerdem enthalten Präparate mit Calcineurinhemmern kein Cortison.

Cortison

In manchen Fällen kann eine Cortisoncreme aber sinnvoll sein. Die enthaltenen Glucocorticoide hemmen die Freisetzung und Wirkung der Entzündungsstoffe. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Haut in den betroffenen Regionen ausdünnt, warnt von Kiedrowski. Er behandelt daher nur mit Cortison, um den Neurodermitis-Teufelskreis aus Jucken, Kratzen, Entzündungen und noch mehr Jucken zu durchbrechen. Glucocorticoide verschaffen dem Betroffenen erstmal Erleichterung.

Auf die richtige Hautpflege achten

Abseits der Medikamente kommt es auf die richtige Pflege an: Rückfettendes Duschgel oder Duschöl etwa schützen die Haut vor dem Austrocknen. „Produkte mit Omega-Fettsäuren unterstützen die Hautbarriere zusätzlich“, sagt von Kiedrowski. Die ungesättigten Fettsäuren stellt der Körper nicht selbst her. Sie sind in Nachtkerzensamenöl und Traubenkernöl enthalten.

Nahrungsmittelallergien

Neben Medikamenten und der richtigen Pflege können Betroffene auch versuchen, herauszubekommen, was bei ihnen Schübe auslöst oder begünstigt. Das sind zum Beispiel bestimmte Nahrungsmittelallergien. Zu den häufigsten Auslösern im Kindesalter gehören Milch, Eier, Nüsse und Weizen, sagt die Ökotrophologin Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Im Erwachsenenalter lohnt sich ein Blick auf mögliche Kreuzallergien. Bevor man allerdings aufgrund eines Verdachtes die Ernährung umstellt, sollte die Allergie mittels eines Tests beim Arzt bestätigt worden sein.

Weite Kleidung aus Baumwolle und Seide

Achten können Betroffene auch auf angenehme Kleidung. „Baumwolle und Seide reizen die Haut nicht zusätzlich“, sagt Kinderarzt Kahl. Aber auch da muss man aufpassen: Manchmal sind die Etiketten aus einem anderen Material. Insgesamt eignet sich weite Kleidung. Silberbeschichtete Strümpfe schützen in schweren Fällen die gereizten Hautregionen, sagt von Kiedrowski. Die Silberbeschichtung wirkt antimikrobiell, außerdem verhindert die Kleidung, dass sich Betroffene nachts unbewusst kratzen.

Stress abbauen und Entspannung fördern

Neben solchen mechanischen Reizen kann aber auch Stress einen Schub auslösen. Neurodermitis-Patienten sollten deshalb versuchen, sich nicht zu sehr zu belasten. Für Entspannung sorgt zum Beispiel ein Aufenthalt im Hochgebirge oder am Meer. „Der Allergengehalt der Luft ist dort niedriger und das UV-Licht der Sonne wirkt antientzündlich“, erläutert von Kiedrowski.