Rente / 26.10.2018

Nicht aufs Abstellgleis

Jeder zweite Antrag auf Erwerbsminderungsrente wird abgelehnt – Experte der Rentenversicherung erklärt die Hintergründe

Berlin (kma/dpa). Fast jeder zweite Antrag auf Erwerbsminderungsrente wird abgelehnt. Im vergangenen Jahr seien 43 Prozent der Anträge negativ beschieden worden, berichtet die „Passauer Neue Presse“ (Mittwoch) unter Berufung auf die Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Von 344.467 erledigten Neuanträgen seien 147.974 zurückgewiesen worden. Im Vorjahr sei die Ablehnungsquote bei 42,4 Prozent gelegen. 2017 habe die durchschnittliche Höhe der Bezüge 754 Euro bei voller und 412 Euro bei teilweiser Erwerbsminderung betragen.

Warum die Deutsche Rentenversicherung viele Anträge auf Erwerbsminderungsrente ablehnt, erklärt Wolf-Dieter Burde von der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover. Und er stellt klar: „Die Deutsche Rentenversicherung arbeitet nicht gewinnorientiert. Wir lehnen also keine Rentenanträge nur deshalb ab, weil wir Geld sparen wollen. Vielmehr soll jeder Versicherte genau die Leistungen erhalten, die ihm nach geltendem Recht zustehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Durch Reha zurück ins Berufsleben

Bevor Versicherte mit einer Erwerbsminderungsrente „quasi aufs Abstellgleis“ geschickt würden, versucht die Rentenversicherung ihnen mit Rehaleistungen zurück in den Beruf und damit zurück ins Leben zu helfen. „Wenn dies gelingt, ist das für alle Beteiligten die beste Lösung“, betont Burde.

Medizinische Voraussetzung für eine Erwerbsminderungsrente ist, dass jemand wegen Krankheit oder Behinderung weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kann – nicht nur in seinem erlernten Beruf, sondern generell. „So kann beispielsweise ein erfolgreich operierter Krebspatient vielleicht nicht mehr als Schlosser auf Montage gehen, im Lager oder im Büro würde sich aber durchaus eine passende Tätigkeit finden“, erklärt Burde. „Vor diesem Hintergrund kommt es nicht selten vor, dass Antragsteller ihre eigene Leistungsfähigkeit viel pessimistischer einschätzen, als unsere Sozialmediziner und Rehaexperten mit ihrem Erfahrungshorizont in Kenntnis der heutigen medizinischen Möglichkeiten.“

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen erfüllen

Ein weiterer Aspekt: Jeder zehnte Antrag muss schon deshalb abgelehnt werden, weil der Antragsteller nicht zum Kreis der „aktiv Versicherten“ gehört – das heißt, dass die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt sind – oder weil wichtige Dokumente nicht vorgelegt wurden. Hier verweist Burde auf die Auskunfts- und Beratungsstellen der Rentenversicherung: „Unsere Experten helfen bei der Beurteilung der Versicherungszeiten und auch bei der Kontoklärung.“

Dabei wird zusammen mit dem Versicherten geprüft, ob tatsächlich alle für die Rente relevanten Zeiten auf dem Rentenkonto berücksichtigt wurden. Lücken können etwa bestehen, wenn noch keine Kindererziehungszeiten eingetragen wurden. „Manchmal sorgt erst ein geklärtes Konto dafür, dass alle Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente erfüllt werden“, betont Burde. Die Beratungsstellen der Rentenversicherungen helfen auch beim Ausfüllen der Antragsformulare für eine Erwerbsminderungsrente und geben Tipps, welche Unterlagen für das Verfahren hilfreich sind.

Weitere Informationen:

Erwerbsminderungsrente

Themenschwerpunkt auf ihre-vorsorge.de

www.deutsche-rentenversicherung.de

Informationen zur Erwerbsminderungsrente auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung

https://www.ihre-vorsorge.de/magazin/lesen/erwerbsminderungsrente-schutz-inbegriffen.html 

Ausführliches Interview mit Wolf-Dieter Burde zum Thema

Autorenbild

Autor

Katja Mathes