Rente / 30.01.2019

Ökonom zweifelt Rentenzuschläge an

Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft hält sechs Prozent Aufschlag für ein Jahr verspäteten Rentenbeginn für zu hoch.

Mann mit Taschenrechner – Bildnachweis: gettyimages.de © PeopleImages

Kiel/Bad Homburg (sth). Wer über die persönliche Regelaltersgrenze hinaus arbeitet und zunächst auf die Rente verzichtet, hat durch den verspäteten Rentenbeginn einen doppelten Vorteil: Er oder sie erwirbt eine höhere Rente durch die zusätzlich gezahlten Rentenbeiträge – und bekommt einen Zuschlag von 0,5 Prozent pro Monat oder sechs Prozent pro Jahr. Insgesamt liegt das Renten-Plus dadurch bei einem Jahr des späteren Renteneintritts bei mehr als acht Prozent.

Diesen Vorteil hat der Ökonom Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) jetzt in einer Studie als unangemessen hoch kritisiert. Angesichts der aktuellen und weiter steigenden durchschnittlichen Lebenserwartung sei das längere Arbeiten von rentenversicherten Beschäftigten ein "Verlustgeschäft für das Rentensystem", behauptet Boysen-Hogrefe. Bei einem Versicherten, der mit 40 Entgeltpunkten die Altersgrenze erreiche (das entspricht derzeit einer Brutto-Monatsrente von etwa 1.281 Euro in den alten und 1.228 Euro in den neuen Ländern) und in einem weiteren Berufsjahr danach einen weiteren Entgeltpunkt erwerbe, liege der "erwartete Verlust der Rentenversicherung bei etwa 3.600 Euro für einen männlichen Versicherten und rund 7.600 Euro für eine weibliche Versicherte", rechnet der Forscher vor.

Um eine solch unerwünschte Zusatzbelastung der Rentenversicherung zu vermeiden, empfiehlt Boysen-Hogrefe eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze – sie liegt für Versicherte des Jahrgangs 1954 bei 65 Jahren und acht Monaten – und geringere Zuschläge bei verspätetem Rentenbeginn. "Sonst könnte es zu ungewollten und vielleicht paradoxen Effekten kommen", zeigt sich der Kieler Wissenschaftler überzeugt. Die Deutsche Rentenversicherung hat in der Vergangenheit wiederholt betont, dass die Zu- und Abschläge bei den gesetzlichen Altersrenten versicherungsmathematisch richtig kalkuliert seien.

Mehr zum Thema:

www.ifw-kiel.de

Link zur Studie "Wer länger arbeitet, entlastet das Rentensystem – wirklich?" von IfW-Forscher Jens Boysen-Hogrefe  

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Autor

Stefan Thissen