Soziales / 27.12.2018

Ohne Ausreden durchs Studium

Studierende sind meist sehr kreativ, wenn es darum geht, Ausreden zu finden. Dabei hilft vor allem eines: Ehrlichkeit.

Hörsaal – Bildnachweis: wdv © Szekely, Oana

Hamburg/Wien (dpa/tmn). Fast jeder Dozent hat eine Anekdote zu erzählen, wenn es um kreative Ausreden von Studierenden geht. „Eine Studentin erschien deutlich zu spät zur Prüfung. Sie sagte zu mir: ‘Ich habe heute Morgen zur Vorbereitung noch einige Ihrer Vorlesungsaufzeichnungsvideos angesehen. Das war so faszinierend. Da habe ich völlig die Zeit vergessen‘“, erzählt zum Beispiel Oliver Vornberger, Professor für Informatik an der Uni Osnabrück.

Wenn Studierende eine gute Ausrede für ein Missgeschick brauchen, sind sie meist nicht verlegen, fantasievolle Argumentationen zu finden. Die kleinen Notlügen machen das Studentenleben jedoch meist nicht einfacher. Aber wie kommt man ohne peinliche Ausreden wieder aus einer verzwickten Situation?

Studierende sind kreativ im Erfinden von Ausreden

Auch wenn es um das Verschieben von Referaten geht, werden Studierende oft kreativ: „Vor Jahren sagte eine Studentin ihr Referat in meinem Blockseminar ab: Jemand, der ihr sehr viel bedeutet habe, sei verstorben. Es stellte sich heraus, dass sie Michael Jackson meinte, und es ihr ganz ernst damit war“, berichtet Miloš Vec, Professor für Jura an der Universität Wien.

Grundsätzlich wissen viele Dozenten die Ausflüchte der Studierenden gut einzuschätzen. „In der Regel ist an den Problemen, die geschildert werden, nicht viel dran – sonst würden diese Sachverhalte schon vorher angesprochen werden und nicht erst zwei Tage vor der Abgabe einer Hausarbeit“, sagt Lutz Peters, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich Sozialpädagogik an der Uni Hamburg.

Zu den eigenen Fehlern stehen

Oft integrieren Studierende andere Personen in ihre Erläuterungen, um das eigene Handeln irgendwie zu erklären. Aber: Wer seine Fehler auf andere schiebt, macht meist alles nur noch schlimmer: „Haben Studierende einen Fehler gemacht, sollten sie dazu stehen und nicht beginnen, sich zu rechtfertigen“, erklärt Susanne Lührmann.

Also: Niemals andere Menschen mit ins eigene Dilemma ziehen oder etwa schlecht über den Gruppenpartner sprechen. „Grundsätzlich ist jeder für sein Verhalten selbst verantwortlich“. Das bestätigt auch Miloš Vec: „Fehler können passieren. Die Chance, dass sie verziehen werden, kann durchaus durch eigenes Verhalten gesteigert werden.“

Ein der Lieblingsvokabeln im Studium: Fristverlängerung

Originelle Erklärungen haben Studierende auch parat, wenn sie die Abgabefrist für eine Projekt- oder Abschlussarbeit reißen. Bei verspäteten Abgaben von Bachelorarbeiten im Fach Informatik lautet die Standardausrede: fehlerhafte Hardware und Software. „Interessanterweise kann es vier Wochen dauern, bis es bemerkt wird“, sagt Oliver Vornberger.

Manchmal gibt es jedoch gute Gründe, warum Fristen nicht eingehalten werden können. Wenn Studierende erkranken, zum Beispiel. Dann ist wichtig: Den Dozenten rechtzeitig informieren und ein entsprechendes Attest beim Prüfungsamt einreichen, um eine Fristverlängerung zu bekommen.

Wenn im Anschluss der Abgabetermin neu abgesprochen wird, gehen Studierende besser nicht unvorbereitet ins Gespräch mit der Lehrkraft. Susanne Lührmann empfiehlt: „Studierende haben neben der Entschuldigung gleich einen neuen Termin parat. Damit signalisieren sie, dass sie sich im Vorfeld Gedanken gemacht haben und ihnen das Treffen und die Hausarbeit wichtig sind.“

Ein No-Go bei einem persönlichem Treffen mit einem Dozierenden: ständig aufs Handy schauen. Deshalb schlägt die Kommunikationstrainerin vor, das Handy entweder ganz zu Hause zu lassen oder es auszuschalten.

Wie man den Dozenten begegnen sollte, wenn was schief läuft

Peinlich kann es für Seminar-Teilnehmer auch werden, wenn sie im Kurs eine Frage beantworten sollen und nicht Bescheid wissen. Lutz Peters empfindet das jedoch nicht als dramatisch. „Für Studierende sollte eine Wissenslücke im Seminar eigentlich kein Problem sein. Schließlich sind sie an der Uni, um etwas zu lernen.“

Egal, was Studierende in den Sand gesetzt haben, mit den meisten Dozenten lässt sich reden. Was dabei hilft? Ganz einfach: Eine höfliche Anrede, Blickkontakt im Gespräch und ein freundlicher Gesichtsausdruck. Dazu kommt die richtige Wortwahl – vor allem im Schriftverkehr. Und: Wer mit dem Professor oder Seminarleiter in Kontakt getreten ist, sollte dann auch für ihn erreichbar sein.

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst