Gesundheit / 07.05.2018

Patienten wollen mehr Infos

Bertelsmann-Studie: Die Angst, beim falschen Arzt zu landen, ist groß. Patienten wünschen sich mehr Unterstützung bei der Suche.

Gütersloh (dpa). Gut die Hälfte der Bürger wünscht sich einer Umfrage zufolge mehr offen zugängliche Infos für die Suche eines Hausarztes oder Fachmediziners. „Aktuell fürchtet mehr als jeder Vierte (27 Prozent), sich aus Mangel an Informationen für einen falschen Arzt zu entscheiden.“

Dieses Fazit zieht die Bertelsmann-Stiftung aus einer bei Kantar Emnid beauftragten repräsentativen Befragung, die sie am Montag veröffentlichte. Der Gesundheitspolitik fehle ein Konzept, um mehr Transparenz in puncto Leistungen oder Ausstattung von Arztpraxen zu schaffen. Dabei seien viele vom Patienten gewünschte Daten durchaus vorhanden.

Fehlende Informationen lösen Unsicherheit aus

„Die Mehrheit der Patienten weiß nicht, welche Expertise, Erfahrung und Ausstattung sie hinter der Praxistür erwartet“, kritisierte Stiftungsvorstand Brigitte Mohn laut Mitteilung aus Gütersloh. Andere Länder – vor allem England und die USA – seien da deutlich weiter.

In Deutschland sind Krankenhäuser den Angaben zufolge bereits seit zehn Jahren verpflichtet, regelmäßig über Leistungsumfang und Behandlungsergebnisse zu berichten. Die ambulante Versorgung hinke hier hinterher.

Was Patienten vor dem Arztbesuch wissen wollen

Nach Angaben von Bertelsmann sagten 53 Prozent der befragten 1.007 Bürger, sie wünschten sich vor dem Arztbesuch mehr Informationen. Fragt man, was ihnen wichtig ist, nennen viele: Infos über Fachkenntnisse des Arztes (94 Prozent) und zur Hygiene in der Praxis (90 Prozent).

Zudem wollen sich 84 Prozent informieren können, wie es mit Zusatzleistungen – etwa Vorsorgeuntersuchungen – steht. Und 80 Prozent halten Infos über Behandlungsergebnisse des Mediziners für wichtig. Gefragt laut Studie (74 Prozent) sind Angaben über die Geräte-Ausstattung der Praxis.

Daten sind zwar vorhanden, aber nicht öffentlich zugänglich

Zentrale Daten würden von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zwar umfangreich erhoben, aber nicht öffentlich gemacht, schilderte der Geschäftsführer der „Weissen Liste“, Roland Rischer.

Die KVen sollten gesetzlich verpflichtet werden, ihre Daten einer neu einzurichtenden, unabhängigen Stelle bereitzustellen. Einem Rechtsgutachten zufolge wäre die Privatsphäre der Patienten bei einer anonymisierten Datennutzung nicht gefährdet.

Aktuelle Studie zum „Public Reporting über Arztpraxen“

Für die Untersuchung zum „Public Reporting über Arztpraxen“ im Auftrag der Stiftung und der „Weissen Liste“ waren im März 1.007 Personen ab 14 Jahre befragt worden.

Zudem hatte das IGES-Institut für eine Ländervergleichsstudie die Daten auch von Dänemark, England, den Niederlanden und den USA ausgewertet.

Die „Weisse Liste“ ist ein Projekt der Bertelsmann-Stiftung, Partner und Co-Initiatoren sind Dachverbände großer Patienten- und Verbraucherorganisationen.

Autor

 Deutsche Presseagentur