Soziales / 09.11.2018

Pflege: Sich selbst nicht vergessen

Pflegende Angehörige fühlen sich oft über Gebühr belastet. So lässt sich der Überlastung in der häuslichen Pflege vorbeugen.

Berlin (dpa/tmn/sp). Einen Angehörigen zu pflegen, ist eine große Herausforderung. Und tatsächlich fühlen sich viele pflegende Angehörige in Deutschland überlastet und wollen sogar mit der Pflege deshalb gern aufhören. So stünden 185.000 Menschen, die heute Angehörige zu Hause pflegen, kurz davor, diesen Dienst einzustellen. Das zeigt der am Donnerstag in Berlin präsentierte Pflegereport 2018 der Krankenkasse Barmer.

6,6 Prozent, also 164.000 pflegende Angehörige, wollen demnach nur mit mehr Hilfe weiter pflegen. Knapp ein Prozent will dies auf keinen Fall länger tun. Studienautor Heinz Rothgang von der Universität Bremen sagte: "Viele pflegende Angehörige sind an der Grenze der Belastbarkeit angekommen."

Pflege bestimmt tägliches Leben

Laut Pflegereport gibt es in Deutschland rund 2,5 Millionen pflegende Angehörige, darunter rund 1,65 Millionen Frauen. Nur ein Drittel aller Betroffenen geht demnach arbeiten, jeder Vierte aber hat seine Arbeit aufgrund der Pflege reduziert oder ganz aufgeben müssen.

Die Pflege bestimmt bei 85 Prozent der Betroffenen täglich das Leben. Die Hälfte von ihnen kümmert sich sogar mehr als zwölf Stunden täglich um pflegebedürftige Angehörige. Fast 40 Prozent der Betroffenen fehlt laut Rothgang Schlaf. 30 Prozent fühlten sich in ihrer Rolle als Pflegende gefangen. Jedem Fünften sei die Pflege eigentlich zu anstrengend. Laut der Erhebung wünschen sich fast 60 Prozent unter ihnen weniger Bürokratie bei der Beantragung von Leistungen.

Anzeichen für Überlastung

Niemandem ist geholfen, wenn sich die oder der Pflegende vollkommen aufreibt. Aber wie erkennt sie oder er, dass es zu viel ist? Typische Anzeichen sind laut dem Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) ständige Müdigkeit, Unruhe und Nervosität. Zu den körperlichen Symptomen gehören demnach Schlafstörungen, Hautprobleme, Rückenschmerzen oder häufige Infekte. Wer solche Anzeichen bei sich bemerkt, sollte erstmal mit dem Hausarzt sprechen.

Pflegende Angehörige können sich zudem beraten und schulen lassen. Über die Pflegekasse gibt es beispielsweise kostenlose Kurse, in denen sie Techniken lernen, um sich körperlich und seelisch nicht zu überfordern.

Zeit für sich nehmen

Wichtig ist auch, an sich selbst zu denken. Am besten binden Pflegende Aktivitäten, die sie entspannen, fest in ihren Alltag ein. Das können Spaziergänge sein, Yogaeinheiten oder Übungen zur Muskelentspannung.

Hilfreich ist auch der Austausch mit anderen, die ebenfalls einen Angehörigen pflegen. Selbsthilfegruppen sind ein guter Treffpunkt. Geht es trotz allem nicht mehr so weiter, sollten Pflegende Aufgaben delegieren. Eventuell kann ein Pflegedienst die Pflege oder bestimmte Tätigkeiten übernehmen.

Weitere Informationen

www.pflege-gewalt.de
Tipps des ZQP für Pflegende, um Überlastung vorzubeugen

www.zqp.de
Datenbank des ZQP für Beratungsangebote

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst