Soziales / 06.08.2020

Pflegeunterstützung wird kaum genutzt

Nur wenige Arbeitnehmer beantragen das Pflegeunterstützungsgeld, wenn sie kurzfristig Angehörige pflegen müssen. Das sorgt für Kritik.

Seniorin und Frau im mittleren Alter sitzen an einem Tisch und prüfen zusammen Unterlagen.

Berlin (dpa). Das Pflegeunterstützungsgeld für Arbeitnehmer, die kurzfristig Angehörige pflegen müssen, wird deutlich weniger in Anspruch genommen als erwartet. 2019 seien bei den Pflegekassen nur 9.000 Anträge eingegangen, teilte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der Funke Mediengruppe (Donnerstag) mit. In den Jahren davor seien es noch weniger gewesen. Die Bundesregierung war dem Bericht zufolge von mindestens 20.000 Anträgen pro Jahr ausgegangen.

Pflegeunterstützungsgeld: 20 Tage Lohnersatz

Um die Pflege eines Angehörigen zu organisieren, können Arbeitnehmer bei einem kurzfristigen Pflegefall für zehn Tage zu Hause bleiben. In dieser Zeit haben sie Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld, eine Lohnersatzleistung, die von den Pflegekassen gezahlt wird. Wegen der Corona-Krise wird die Unterstützung nun bis Ende September sogar 20 Tage lang gewährt.

Hoher bürokratischer Aufwand und mangelhafte Information

Schon seit langem kritisieren Interessensvertretungen den hohen bürokratischen Aufwand. Das Pflegeunterstützungsgeld und die Auszeit vom Beruf müssten in einem Schritt eingeleitet werden können und auch über den September hinaus für 20 Tage gezahlt werden, verlangte Christian Pälmke vom Verein „Wir pflegen“.

Außerdem weise die Informationspolitik von Bundesregierung und Pflegekassen deutliche Mängel auf. „Die Leistung ist vielen Menschen nicht bekannt“, sagte Pälke den Funke-Zeitungen.

Autor

 Deutsche Presseagentur