Rente / 03.06.2020

Pflicht zu zusätzlicher Altersvorsorge bleibt umstritten

Altersvorsorgeexperten sind sich einig, dass die gesetzliche Rente die zentrale Säule der Alterssicherung bleibt. Doch die Zusatzvorsorge sorgt für Streit.

Bild zum Beitrag "Pflicht zu zusätzlicher Altersvorsorge bleibt umstritten". Das Bild zeigt Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Berln (gvg/sth). Hochrangige Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und sozialer Selbstverwaltung haben kurz vor Pfingsten über die Zukunft der Alterssicherung und die Empfehlungen der Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ diskutiert. Dabei waren sich die Teilnehmer des ersten online durchgeführten Symposiums der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung (GVG) darin einig, dass die gesetzliche Rente das Fundament der Alterssicherung bleibe. Eingeladen zu der Veranstaltung hatten der Wissenschaftliche Beirat und der Ständige Ausschuss Alterssicherung der GVG.

Kontroversere Diskussionen gab es hingegen zur betrieblichen und privaten Vorsorge. Gundula Roßbach, Vorstandsvorsitzende der GVG und Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, sieht in den Leitgedanken und Vorschlägen der Rentenkommission vom März dieses Jahres eine gute Basis für die Weiterentwicklung im Sinne von politisch umsetzbaren Empfehlungen. Allerdings sei damals noch nicht absehbar gewesen, wie schnell sich die Rahmenbedingungen der Sozial- und Alterssicherung im Zuge der COVID-19-Krise verändern würden.

Ergebnisse der Rentenkommission vorgestellt

Eine der beiden Vorsitzenden der Rentenkommission, Gabriele Lösekrug-Möller (SPD), stellte bei der Tagung die Ergebnisse der Kommissionsarbeit vor. Sie sprach sich unter anderem dafür aus, den Sozialbeirat – ein 12-köpfiges Beratergremium der Bundesregierung für Fragen der Alterssicherung – zu einem Alterssicherungsbeirat weiter zu entwickeln. Dieser solle alle drei Säulen der Alterssicherung in den Blick nehmen und Empfehlungen geben, wann und in welcher Weise eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters denkbar sei, so die Politikerin. Um betriebliche sowie private Vorsorge auszubauen, sei die Einführung eines Standardvorsorgeprodukts wünschenswert, sagte sie. Ansätze wie die Riester-Rente und das Sozialpartnermodell hätten die in sie gesetzten Erwartungen bisher aber nicht erfüllt.

Zur Frage, inwieweit private und betriebliche Vorsorge verpflichtend sein sollten, gingen die Meinungen der Teilnehmer auseinander. So gab Heinz-Dietrich Steinmeyer von der Universität Münster zu bedenken, dass eine Zusatzversorgung von kleinen und mittleren Unternehmen nur schwer zu leisten sei. Bert Rürup vom Handelsblatt Research Institute (HRI) sprach sich dagegen für eine Vorsorgepflicht aus – allerdings mit Opt-Out-Möglichkeit. Ein gemischtes Rentensystem mit Elementen von Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren, ähnlich wie in den Niederlanden oder der Schweiz, sei die beste Lösung.

Nach Ansicht von Rentenversicherungs-Chefin Gundula Roßbach sollte die Debatte über die Zukunft der Alterssicherung die kleinen Expertenkreise aus Wissenschaft und Politik jedenfalls möglichst schnell verlassen. „Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Diskussion und ein möglichst großes Einvernehmen aller Akteure", sagte die GVG-Vorstandsvorsitzende.

Mehr zum Thema:

https://gvg.org

Informationen der GVG über das Alterssicherungs-Symposium am 26.05.2020

www.deutsche-rentenversicherung.de

Materialband der Deutschen Rentenversicherung über eine Fachtagung von Rentenexperten zur Zukunft der Alterssicherung in Deutschland (pdf)

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Autor

Stefan Thissen