Gesundheit / 05.12.2017

Pfusch mit Krebsmitteln

Hätten Zytostatika-Verträge den Bottroper Apotheker-Skandal verhindert?

Bad Homburg/Berlin (kjs). Der Fall des Apothekers Peter S. aus Bottrop sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft Essen wirft ihm vor, Krebsmedikamente für rund 7.300 Patienten gepanscht zu haben. Insgesamt 62.000 Mal sollen zu wenig oder gar keine Wirkstoffe in den Zubereitungen enthalten gewesen sein. Dadurch wurden die Krankenkassen um etwa 56 Millionen Euro betrogen.  

In einem Online-Interview mit der Deutschen Apotheker-Zeitung (DAZ) macht die AOK-Expertin Dr. Sabine Richard keinen Hehl daraus, dass sie es für einen Fehler hält, dass die Große Koalition in der abgelaufenen Legislaturperiode dem Druck der Apothekerlobby nachgegeben und mit dem GKV-Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz die exklusiven Zytostatika-Verträge einzelner Krankenkassen verboten hat.

Qualitätsniveau gesunken

In der Diskussion um das Verbot hatte der AOK-Bundesverband in der Vergangenheit stets deutlich gemacht, dass die Regeln der AOK-Ausschreibungen ein höheres Qualitäts- und Versorgungsniveau bei Zytostatika-Zubereitungen sichern, als dies in der Regelversorgung der Fall ist. Die AOK-Expertin betont, dass man zwar Kriminalität in diesem Ausmaß durch keinen Vertrag der Welt hätte verhindern können. Allerdings hätten exklusive Verträge das Handeln des Bottroper Apothekers erschwert.  

In dem Interview mit der DAZ erläuterte Sabine Richard, dass der Apotheker keine Chance gehabt hätte, seine zubereiteten Krebsmedikamente in sechs Bundesländer zu verschicken, wenn es dort überall Ausschreibungen für Apotheken gegeben hätte. Zu den damaligen Lieferzeiten gab es in den Verträgen genaue Vorgaben. Das Bottroper Vorgehen sei ein Extremfall in einem intransparenten Umfeld mit hohen Margen.  

Versorgung ist in Verruf gekommen

Auf die Frage der Apothekerzeitung, ob die AOK für die Wiedereinführung der Exklusivverträge sei und im politischen Umfeld dafür werben würde, erklärte Sabine Richard, dass sich das neue Modell an den Einsparungen der alten Verträge messen lassen müsse. Ferner müsse bewiesen werden, ob es geeignet ist, die intransparente und in Verruf gekommene Versorgung zu verbessern.

Mehr Bewegung im Markt ist erforderlich

Das durch das Verbot der Exklusivverträge wegfallende Einsparpotential soll nunmehr durch Rabattverträge zwischen Krankenkassen und den pharmazeutischen Herstellern kompensieren. Die AOK hofft, dass etwas Bewegung in den Markt kommen wird, wenn sich immer mehr Firmen den Verträgen anschließen. Ähnliche Erfahrungen habe man auch damals mit den ersten Generika-Ausschreibungen gemacht.

Autor

Karl-Josef Steden