Gesundheit / 16.08.2018

Pille mit weniger Risiko

Ärzte verordnen jungen Frauen weniger oft Anti-Baby-Pillen mit höherem Risiko für Thrombose und Embolien

Bad Homburg/Berlin (kjs/WIdO). Die Verordnung von risikoreicheren Anti-Baby-Pillen für Mädchen und junge Frauen bis 20 Jahren ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich zurückgegangen. Das zeigt eine aktuelle Analyse der GKV-Verordnungsdaten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Während der Verordnungs-Anteil an Pillen (Arztdeutsch: Kontrazeptiva) mit einem höheren Risiko für Thrombosen und Embolien für diese Zielgruppe im Jahr 2015 noch bei 66 Prozent lag, waren es im vergangenen Jahr 55 Prozent.

Medizinische Empfehlungen

Empfängnisverhütende Medikamente werden im Allgemeinen nur bis zum vollendeten 20. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Daher liegen auch nur für diese Altersgruppe Verordnungsdaten vor.

Seit dem Jahr 2014 gibt es die Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Danach sollen Ärzte insbesondere jungen Frauen, die das erste Mal die Pille einnehmen, Präparate mit einem geringeren Risiko für die Bildung von Thrombosen und Embolien verschreiben. Hierzu sind entsprechende Langzeitstudien vorhanden.

Risikoärmere und risikoreiche Pillen

Die Detailanalyse zeigt, dass der Verordnungsanteil der risikoärmeren Pillen mit den Gestagenen (Levonorgestrel, Norethisteron und Norgestimat) von 31 Prozent im Jahr 2007 auf 45 Prozent im Jahr 2017 gestiegen ist.

Die Anteile der Pillen mit den risikoreicheren Gestagenen (Drospirenon, Desogestrel und Gestoden) für die bis zu 20-Jährigen sind dagegen stark zurückgegangen, nämlich von 33 Prozent im Jahr 2007 auf 7 Prozent im vergangenen Jahr.

Erstaunlicherweise hat die Verordnung von neueren Pillen zugenommen, deren langfristiges Risiko noch unklar ist. So ist nach den GKV-Verordnungsdaten der Verordnungsanteil von Pillen mit dem Gestagen Dienogest von 19 Prozent im Jahr 2007 auf 35 Prozent im Jahr 2017 gestiegen und das, obwohl das Risiko für das Auftreten venöser Thromboembolien noch nicht abschließend beurteilt werden kann.

Regionale Unterschiede in der Versorgung

Die Auswertung der GKV-Verordnungsdaten zeigt auch regionale Unterschiede bei der Verordnung der risikoreicheren Präparate. Bremen steht mit einem Verordnungsanteil von 49 Prozent im Jahr 2017 am besten da. Schlusslichter in dieser Auswertung sind Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und das Saarland: Hier lag der Anteil der risikoreicheren Pillen im vergangenen Jahr jeweils bei etwa 59 Prozent.

Den größten Rückgang bei der Verordnung dieser Präparate gab es in den letzten fünf Jahren in Bayern. Hier ging der Anteil von knapp 70 Prozent im Jahr 2012 auf 55 Prozent im Jahr 2017 zurück.

Auf typische Anzeichen achten

Frauen, die die Pille einnehmen, sollten auf typische Anzeichen einer Thrombose oder Embolie achten und umgehend einen Arzt konsultieren, wenn sie entsprechende Anzeichen erkennen.

Symptome einer tiefen Beinvenenthrombose sind starke Schmerzen im Bein, Schwellungen des Beines sowie ein Spannungs- oder Schweregefühl im Bein. Auch eine bläulich-rote Verfärbung oder Glänzen der Haut am Bein kann auf eine Thrombose hindeuten.

Typische Symptome einer Lungenembolie sind plötzliche Atembeschwerden oder Atemnot, atemabhängiger Brustschmerz, Herzrasen und unerklärlicher Husten.

Weitere Informationen

www.frauenaerzte-im-netz.de
Informationsplattform des Bundesverbandes der Frauenärzte

Autor

Karl-Josef Steden