Rente / 21.07.2020

Preisfrage: Was der Ausgleich von Rentenabschlägen kostet

Wer vorzeitig in Rente gehen will, muss in aller Regel Abzüge in Kauf nehmen. Wir zeigen, wie hoch der Abschlag ist – und was ein Vorabausgleich kostet.

Bild zum Beitrag "So viel kostet der Abschlagsausgleich". Das Bild zeigt zwei Hände sowie einen Laptop und einen Taschenrechner.

Bad Homburg (sth). Wer vorzeitig – das heißt vor der persönlichen Regelaltersgrenze – in Rente gehen will, muss in der Regel mit Abschlägen rechnen. Von den mehr als 784.000 Beschäftigten, die 2018 aus Altersgründen in Rente gingen, nahmen knapp 180.000 oder 22,9 Prozent Abschläge wegen vorzeitigen Rentenbeginns in Kauf. Das geht aus statistischen Analysen der Deutschen Rentenversicherung hervor. Im Durchschnitt bekamen die Frührentner mehr als zwei Jahre (26,0 Monate) vor dem regulären Rentenbeginn ihre erste Rente gezahlt. Dafür mussten sie im Schnitt einen monatlichen Rentenabschlag von etwa 90 Euro hinnehmen.

Trotz der im Einzelfall hohen Renteneinbußen, die mit einem vorzeitigen Rentenbeginn verbunden sind, kehrt also immer noch knapp ein Viertel der neuen Rentner dem Job vorzeitig den Rücken. Ein größer werdender Teil von ihnen nutzt aber offenbar die Möglichkeit, zum Ausgleich von Rentenabschlägen Sonderbeiträge zu zahlen. Laut aktuellen Daten der Rentenversicherung haben Versicherte im vergangenen Jahr rund 415 Millionen Euro zum Ausgleich von Rentenminderungen eingezahlt – im Jahr 2018 waren es noch 291 Millionen Euro. Hauptgrund für die steigenden Zahlen dürfte sein, dass die Sonderbeiträge derzeit im Vergleich zu anderen sicheren Geldanlagen sehr rentabel sind. Experten sprechen von einer Rendite von bis zu drei Prozent.

Jahrgang 1957: Rentenbeginn mit 63 kostet 10,5 Prozent Abschlag

Die Rentenversicherung rechnet auf Wunsch ab dem 50. Lebensjahr kostenlos aus, was es kosten würde, eine mit vorzeitigem Rentenbeginn verbundene Rentenminderung auszugleichen. Die Höhe des Beitrags ist abhängig vom Durchschnittsverdienst im jeweiligen Jahr (2020 = vorläufig 40.551 Euro), dem Beitragssatz zur Rentenversicherung (2020 = 18,6 Prozent) und dem Prozentsatz, um den die Rente gekürzt wird (Beispiel: 10,5 Prozent Rentenminderung für Versicherte des Jahrgangs 1957, die mit dem 63. Geburtstag statt dem regulären Rentenalter von 65 Jahren und elf Monaten in Rente gehen wollen). Nach einer bestimmten Formel wird daraus der notwendige Beitrag zum Ausgleich der Rentenminderung errechnet. Im Jahr 2018 nahmen bereits 17.086 Rentenversicherte diese Möglichkeit wahr – 2014 waren es erst 967.

Die Ausgleichszahlungen können bis zu zweimal jährlich in Raten überwiesen und als Aufwendungen für Altersvorsorge beim Finanzamt geltend gemacht werden. Entscheidet man sich später dann doch für einen regulären Rentenbeginn, würden diese Beiträge für eine höhere Rente sorgen. Wer sich individuell ausrechnen lassen möchte, in welcher Höhe Beiträge gezahlt werden können und ob sich das lohnt, kann einen kostenfreien Beratungstermin in den Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung vereinbaren. Kostenfreies Telefon: 0800 1000 4800.

Erwartete Rente – zu erwartende Ausgleichskosten

Notwendige Beiträge zum Ausgleich von Rentenabschlägen im 2. Hj. 2020
Bei erwarteter Rentenhöhe von ... brutto und um ... Jahre vorgezogenem Rentenbeginn beträgt der monatliche Rentenabschlag So viel kostet es, den Abschlag zu vermeiden
600 Euro 1 Jahr (3,6 %) 21,60 Euro 4.943 Euro
2 Jahre (7,2 %) 43,20 Euro 10.270 Euro
3 Jahre (10,8 %) 64,80 Euro 16.026 Euro
800 Euro 1 Jahr 28,80 Euro 6.591 Euro
2 Jahre 57,60 Euro 13.693 Euro
3 Jahre 86,40 Euro 21.368 Euro
1.000 Euro 1 Jahr 36 Euro 8.238 Euro
2 Jahre 72 Euro 17.116 Euro
3 Jahre 108 Euro 26.710 Euro
1.200 Euro 1 Jahr 43,20 Euro 9.886 Euro
2 Jahre 86,40 Euro 20.539 Euro
3 Jahre 129,60 Euro 32.052 Euro
1.400 Euro 1 Jahr 50,40 Euro 11.534 Euro
2 Jahre 100,80 Euro 23.962 Euro
3 Jahre 151,20 Euro 37.394 Euro

Mehr zum Thema:

www.deutsche-rentenversicherung.de

Broschüre der Deutschen Rentenversicherung in Bayern mit (u.a. auf S. 35: Notwendige Beiträge zum Ausgleich von Rentenabschlägen im 2. Halbjahr 2020)

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Autor

Stefan Thissen