Soziales / 15.10.2018

Rankings oder Bauchgefühl: Worauf kommt es bei der Hochschulwahl an?

Bei der Wahl der Hochschule zählen viele Faktoren. Manches können Studienbewerber nur bei einem Besuch vor Ort erfahren.

Gelsenkirchen/Bonn (dpa/tmn). Ist der Ruf des Lehrstuhls wichtiger oder ein großes Angebot an Studentenkneipen? Welche Rankings helfen bei der Orientierung? Die Entscheidung, an welcher Hochschule man studieren möchte, fällt oft nicht leicht.

Wenn die Studienrichtung feststeht, lautet eine der ersten Fragen: Fachhochschule oder Universität? "Der Hauptunterschied liegt im Fokus von Forschung und Lehre", sagt Björn Albrecht von der Zentralen Studienberatung der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Traditionell gilt: Universitäten seien eher wissenschaftlich ausgerichtet, sie bilden den akademischen Nachwuchs aus. Fachhochschulen hätten einen stärker praktischen Bezug.

Größe der Hochschule spielt eine Rolle

Zwar verschwimmen die Grenzen zunehmend. Dennoch sollten Studienbewerber sich überlegen, ob sie eher praktisch veranlagt sind und etwa gerne im Labor arbeiten oder mehr der Theorietyp sind. So zeigen Studien des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), dass sich FH-Studenten besser auf den Beruf vorbereitet fühlen als ihre Kommilitonen an der Uni.

Auch die Größe der Hochschule spielt eine Rolle: An manchen kann es passieren, dass mehr als 500 Studenten in einem Hörsaal sitzen. Das ist an der FH laut DZHW ein geringeres Problem.

Ebenfalls wichtig: die Zulassungsvoraussetzungen

Ebenfalls wichtig: die Zulassungsvoraussetzungen. "Zunächst muss man die Aufnahmebedingungen prüfen", erklärt Thorsten Schütz, der als Coach in Bonn tätig ist und kostenpflichtige Studienberatungen anbietet. Handelt es sich um einen zulassungsfreien Studiengang? Gibt es einen Numerus Clausus (NC) oder ein besonderes Auswahlverfahren? In so einem Fall empfiehlt es sich, nicht nur auf eine Hochschule zu setzen, die den Wunsch-Studiengang anbietet. Denn auch Bewerber mit guten Noten können in individuellen Auswahlverfahren durchfallen – für diesen Fall hilft ein Plan B an einer anderen Hochschule.

NC-Werte vergangener Jahre können Schulabgänger meist online einsehen und so die eigenen Chancen einschätzen. "Die Werte schwanken meist ein wenig von Semester zu Semester, aber selten um mehr als 0,2 bis 0,3 Punkte", sagt Schütz. Informationen zu Zulassungsverfahren sind in der Regel ebenfalls online zu finden, alternativ fragen Bewerber bei der Studienberatung der Hochschule nach.

Im Fokus: Lernumgebung, Relevanz der Forschungsarbeit und internationale Ausrichtung

Auch wenn die Zulassung erteilt ist: Studenten sollten ihren Platz nur annehmen, wenn sie von der Hochschule überzeugt sind. Hannelore Vásárhelyi von der Personalberatung Strametz & Associates aus Warburg (Nordrhein-Westfalen) sagt: "Eine gute Hochschule ist ordentlich ausgestattet, bietet Möglichkeiten zur Projektarbeit und zu Auslandsaufenthalten." Vorteile für die Karriere hat es, wenn sie Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern hat und praxisnah aufgestellt ist. Auch Bildungsmöglichkeiten im Bereich Soft Skills dürften nicht fehlen. Möglicherweise spielen für Studenten auch die internationale Ausrichtung und das Angebot von aufbauenden Studiengängen eine Rolle. Etwa dann, wenn sie schon vor dem Bachelor wissen, dass sie direkt den passenden Master anschließen möchten.

Es gibt verschiedene Rankings, die solche Kriterien bewerten. Das Hochschulranking vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) aus Gütersloh gibt einen Überblick zu deutschen Hochschulen. Ergebnisse werden je nach Fachbereich veröffentlicht, neben objektiven Zahlen und Fakten fließen die Bewertungen von Studierenden und Lehrenden ein. International ist vor allem das Ranking Times Higher Education anerkannt: Jährlich werden die 1.000 besten Universitäten der Welt gekürt. Im Fokus stehen unter anderem Lernumgebung, Relevanz der Forschungsarbeit und internationale Ausrichtung. Ähnliche Schwerpunkte legt das internationale QS World University Ranking.

Die Hochschule im Vorfeld persönlich anschauen

Wem persönliche Einschätzungen wichtig sind, der kann Bewertungsportale ansteuern, in denen Studierende und Absolventen ihre Meinung äußern. "Diese Portale stellen einen einfachen Weg dar, um sich schnell ein Bild zu machen", sagt Vásárhelyi. Allein darauf sollten Bewerber sich aber nicht verlassen. Schließlich seien die Bewertungen sehr subjektiv und decken sich nicht zwingend mit den eigenen Ansichten. Wer wirklich wissen will, wie gut eine Hochschule zu ihm passt, sollte sich selbst ein Bild machen.

Auch Björn Albrecht rät, sich die Hochschulen einmal anzuschauen: "Die Studienberatungsstellen bieten dafür ein breites Spektrum an Orientierungsmöglichkeiten." Studierende können zum Tag der offenen Tür kommen, aber auch unabhängig davon die Hochschule ansehen, Termine bei der Studienberatung machen, Vorlesungen besuchen oder sogar – nach Absprache mit Professoren – an Seminaren teilnehmen.

Bauchgefühl spielt eine entscheidende Rolle

"Natürlich spielen bei der Wahl der Hochschule auch sehr persönliche Faktoren eine Rolle", sagt Albrecht. Möchte man am bisherigen Wohnort bleiben? Ist die Größe der Stadt wichtig oder die Nähe zu den Bergen? Wie hoch sind die Mietpreise, und welche Ausgehmöglichkeiten gibt es?

"Solche Fragen können Informationsmaterialien oder Rankings nicht beantworten", sagt Albrecht. "Neben den harten Fakten, die man als Studierender recherchieren kann, spielt auch das Bauchgefühl eine entscheidende Rolle: Man sollte sich am Studienort wohlfühlen - und das findet man nur durch einen persönlichen Besuch heraus."

Weitere Informationen:

www.studentenwerke.de

Seite des Deutschen Studentenwerkes

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst