Soziales / 07.08.2018

Raus aus der Metropole

Persönlicher, naturnah und ohne gute Aufstiegschancen – was für Jobs in ländlicher Gegend spricht

Titisee-Neustadt/Tettnang (dpa/tmn). Nach dem Uni-Abschluss zieht es viele beruflich in die Großstadt: Dort gibt es ein pulsierendes Nachtleben, gut ausgebauten Nahverkehr und Supermärkte, die bis 24 Uhr geöffnet haben.

Gerade für junge Menschen attraktiv, „entweder weil sie von dort stammen oder über das Studium dort gelandet sind, oder weil sie es cool finden, in Hamburg, München, Paris oder Shanghai zu arbeiten“, sagt Clemens Weick, Personalberater aus Titisee-Neustadt im Schwarzwald.

Viele attraktive Arbeitgeber in ländlichen Regionen

Die Alternative ist ein Job in einem beschaulichen Ort mit sauberer Luft, wenig Nachbarn und dem Wald direkt vor der Tür. Bei der Jobsuche entscheiden sich vor allem junge Menschen oft für die erste Variante – dabei sitzen viele attraktive Arbeitgeber auch in ländlichen Regionen.

Besondere Angebote als Anreiz

Die Alternative ist ein Job in einem beschaulichen Ort mit sauberer Luft, wenig Nachbarn und dem Wald direkt vor der Tür. Bei der Jobsuche entscheiden sich vor allem junge Menschen oft für die erste Variante – dabei sitzen viele attraktive Arbeitgeber auch in ländlichen Regionen.

Die Unternehmen lassen sich besondere Angebote einfallen, damit sich ihre Mitarbeiter wohlfühlen. Das war nicht immer so: Unternehmen abseits der Metropolen hätten früher meist weniger für sich als Arbeitgeber geworben, erzählt Weick. Deshalb seien sie kaum auf dem Radar der Bewerber seien, obwohl es dort viele Jobchancen gebe.

Der Einstieg bei einem dieser Unternehmen lohnt sich nicht nur für Naturfreunde, die Wert auf die Nähe zu Wald, Bergen und Seen legen.

Auch der eigene berufliche Werdegang kann profitieren – denn meist sind schnellere Karrieresprünge möglich: „Häufig ist es für angehende junge Führungskräfte außerhalb der Ballungsgebiete sehr viel einfacher, schnell eine erste Führungsposition zu bekommen und damit ein Sprungbrett für weiterreichende Verantwortung zu erhalten“, sagt Doris Stein-Dobrinski, Business Coach aus Großenseebach bei Erlangen. „Das gilt für die unterschiedlichsten Branchen.“

Work-Life-Balance und gute Atmosphäre

Um qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen, strengen sich die Unternehmen ihr zufolge teilweise sehr an: „Es gibt Arbeitgeber, die extra hauseigene Fitness-Center bauen und Kinderbetreuung anbieten. Und: Nicht nur der Masseur, sondern sogar der Friseur kommt regelmäßig ins Haus“, nennt Stein-Dobrinski als Beispiele.

So gleichen Unternehmen gezielt das aus, woran es in der ländlichen Umgebung fehlt, um Anreize für Bewerber zu schaffen. All das sind wichtige Aspekte bei der Berufsplanung – vor allem für Mitarbeiter, die Wert auf Work-Life-Balance und eine gute Atmosphäre am Arbeitsplatz legen.

Den neuen Standort vorher einige Tage ansehen

Wer in der ländlichen Gegend aufgewachsen ist, weiß die Vorteile oft zu schätzen. Kommt ein Bewerber aus einem anderen Teil der Republik, empfiehlt Stein-Dobrinski, sich nicht nur den Arbeitgeber, sondern auch den potenziell neuen Wohnort sehr gut anzusehen

„Ich würde dazu raten, vor der endgültigen Entscheidung zumindest ein Wochenende in der Gegend zu verbringen. Nur so kann ich ein Gefühl dafür entwickeln, wie der neue Standort zu mir selbst und möglicherweise auch zu meiner Familie passt.“

Das ist natürlich auch ratsam, wenn man in eine große Stadt umziehen will. Doch erst recht, wenn jemand für den Job in einen Ort zieht, dessen Namen er vielleicht vorher gar nicht kannte.

Tettnang-Obereisenbach in Baden-Württemberg könnte ein solcher Fall sein. Dort sitzt Vaude, ein Unternehmen, das Bergsportausrüstung produziert. Schwierigkeiten, gute Mitarbeiter zu finden, gibt es trotz der Lage nach Aussage von Geschäftsführerin Antje von Dewitz nicht: „Wir bekommen zahlreiche Bewerbungen, auch aus den Metropolen.“

Neben der Nähe zum Bodensee bietet das Familienunternehmen unter anderem Kinderbetreuung, ein eigenes Kletterareal, eine Bio-Kantine sowie kostenlose Leih-Elektrobikes für den Weg zur Arbeit.

Autor

 Deutsche Presseagentur – Themendienst