Soziales / 16.04.2019

Rechtliche Grauzone Pflegemigration

Pflegemigrantinnen aus Osteuropa sind in vielen deutschen Privathaushalten unverzichtbar – doch oft arbeiten sie in einer rechtlichen Grauzone.

Bild zum Thema Pflegemitgration: Pflegerin wäscht Seniorin in einem Badezimmer.

Frankfurt/Main (dpa/lhe). Osteuropäische Frauen sind in deutschen Privathaushalten nach Ansicht von Fachleuten bei der Pflege alter, pflegebedürftiger oder dementer Menschen unentbehrlich. „Es ist ein System, das zusammenbrechen würde, wenn es die Osteuropäerinnen nicht gäbe“, sagte die Frankfurter Soziologin Ewa Palenga-Möllenbeck.

Die Internationalisierung von Pflege, pflegende Angehörige und ausländische Pflegekräfte stehen an diesem Samstag auch im Mittelpunkt eines Studientages des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau in Frankfurt über „Die Zukunft der Pflege“.

Rechtliche Grauzone für ausländisches Pflegepersonal

Über die Zahl der osteuropäischen Frauen, die in deutschen Privathaushalten pflegen, gibt es nur Schätzungen. „Von 150.000 bis 400.000 Betroffenen ist da auszugehen“, erklärte Johannes Flothow vom Diakonischen Werk Württemberg. Soziologin Palenga-Möllenbeck zitiert eine Studie, nach der acht Prozent der Pflegehaushalte ausländische Arbeitskräfte beschäftigen – viele von ihnen in einer rechtlichen Grauzone.

Selbst wenn die meist aus Polen, zunehmend aber auch aus Bulgarien oder Rumänien kommenden Pflegekräfte über offizielle Agenturen vermittelt werden, sieht Flotow rechtliche Probleme: „Zum einen geht es laut Vertrag in der Regel um Betreuung, nicht um Pflege in Sinne des Pflegegesetzes.“ Das sähen die Arbeitgeber aber häufig anders. Zudem bräuchten zahlreiche betreute Menschen mehr als ein bisschen Unterstützung im Haushalt.

Pflege-Flatrate mit Rund-um-die-Uhr-Service

Dann seien da noch die Arbeitszeiten: „Von den Betreuungskräften wird in der Praxis oft ein Service rund um die Uhr erwartet. Mancher Arbeitgeber betrachtet das Geld für die Pflegekraft als Pflege-Flatrate.“ Der Nettoverdienst der Frauen beträgt laut Palenga-Möllenbeck durchschnittlich 1.300 Euro. Es gebe aber auch Frauen, die für einen Nettolohn von 900 Euro arbeiteten.

Weitere Informationen

www.diakonie-hessen.de
Ankündigung des Studientages

Autor

 Deutsche Presseagentur