Gesundheit / 30.08.2019

Reform der Notfallversorgung

Im Notfall kommen Patienten oft in die falsche Klinik. Eine Reform für Notaufnahmen und Rettungsdienst soll dies ändern.

Bild zum Thema Reform der Notfallversorgung: Team von Sanitätern und Krankenhauspersonal schiebt einen Patienten auf einer Bahre ins Krankenhaus.

Berlin (dpa). Patienten werden nach Einschätzung der Krankenkassen im Notfall häufig ins falsche Krankenhaus gebracht. „Wir transportieren unsere Pakete sehr viel verantwortungsvoller als unsere Patienten“, sagte der Klinik-Experte des Krankenkassen-Spitzenverbands, Wulf-Dietrich Leber, am Mittwoch in Berlin. Pakete könne man auf ihrem Weg zum Kunden digital nachverfolgen. Aber niemand erfasse, warum Notfallpatienten zu welchen Krankenhäusern transportiert werden. Dies müsse sich im Zuge der geplanten Reform der Notfallversorgung ändern.

Bisher kein zentrales Verfahren zur Qualitätssicherung

Rettungswagen steuerten häufig auch jene 500 Krankenhäuser in Deutschland an, die nicht über eine offiziell definierte Basisversorgung im Notfall verfügten, kritisierte Leber. Die rund 250 Leitstellen hätten unterschiedliche Träger, es gebe keine Verfahren zur Sicherung der Qualität. Künftig sollte der Rettungsdienst über die Grenzen der Bundesländer hinweg organisiert werden.

Im Grundsatz begrüßten die Krankenkassen einen Reformvorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Notfallversorgung vereinheitlichen und verbessern will. Auch dass der Rettungsdienst künftig als eigene Kassenleistung gelten soll, findet bei ihnen Anklang. Bisher bezahlen die Krankenkassen Einsätze nur dann, wenn der Transport in die Klinik geht. Dies schaffe falsche Anreize, Patienten ins Krankenhaus zu bringen.

Vereinfachte Organisation in Krankenhäusern

Stattdessen solle es deutlich einfacher organisierte gemeinsame Tresen in den Krankenhäusern geben. Diese sollten als zentrale Anlaufstelle rund um die Uhr geöffnet sein, sagte Stefanie Stoff-Ahnis vom Vorstand des Kassenverbands. Patienten sollten etwa zu bestehenden Notdienstpraxen von Kassenärzten oder in die Notaufnahme des Krankenhauses weitergeleitet werden. „Bisher landen die Patienten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser“, sagte Stoff-Ahnis. Diese sollten künftig weniger überfüllt sein. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft teilte mit, aus ihrer Sicht reichte ein gemeinsamer Tresen völlig aus.

Gemeinsame Notfallleitstellen sollen Rettungsstellen entlasten

Auch Spahns Ziel ist die Entlastung der Rettungsstellen. Als zentrale Lotsen sollen Gemeinsame Notfallleitstellen fungieren, die unter der Nummer 112 des Rettungsdiensts und der Nummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zu erreichen sein sollen. Der Kassenverband forderte bundesweit einheitliche Standards für die telefonische Ersteinschätzung, damit sich Patienten auf eine professionelle Bewertung ihres Falls verlassen können.

Weitere Informationen

www.gkv-spitzenverband.de
Position Kassenverband

www.bundesgesundheitsministerium.de
Bundesgesundheitsministerium zur Reform der Notfallversorgung

www.svr-gesundheit.de
Sachverständigenrat zur Notfallversorgung (PDF)

Autor

 Deutsche Presseagentur