Gesundheit / 17.03.2021

„Reha-Kliniken werden im Regen stehen gelassen“

Die SPD hält die Corona-Hilfen für Reha-Kliniken für unzureichend. Wenn nichts passiere, müssten bald Kliniken schließen.

„Reha-Kliniken werden im Regen stehen gelassen“ – Physiotherapeutin mit Rehapatient bei Laufübungen am Barren.

Berlin (bd). Die SPD-Bundestagsfraktion fordert, die Corona-Hilfen für Reha-Einrichtungen auszuweiten. Falls das nicht geschieht, seien Reha-Kliniken in ihrer Existenz gefährdet, befürchtet Heike Baehrens, Pflege-Beauftragte der SPD-Fraktion.

Kliniken kaum noch ausgelastet

„Die Not ist wirklich groß. Ich habe Sorge, dass einzelne Reha-Einrichtungen das nicht überstehen werden“, sagte Baehrens gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Kliniken seien zum Teil nur noch zu 40 bis 60 Prozent belegt. Um ohne Verlust zu arbeiten, sei aber eine Auslastung von 93 Prozent nötig.

Der gegenwärtige Schutzschirm lasse die Reha-Kliniken im Regen stehen. Die SPD habe sich bei Gesundheitsminister Spahn um eine Erhöhung des Reha-Ausgleichs bemüht, bislang allerdings vergeblich.

„Reha wird benachteiligt“

Baehrens richtet ihre Kritik auch an die gesetzlichen Krankenkassen. Reha-Kliniken seien gegenüber anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens benachteiligt. Das gelte besonders für Einrichtungen, die ihre Patienten von den gesetzlichen Krankenkassen zugewiesen bekommen. Der Schutzschirm decke dort nur 50 Prozent der Mindereinnahmen zu 2019 ab. Dagegen erhielten Reha-Einrichtungen, die von der Rentenversicherung belegt werden, 75 Prozent, ebenso die Pflegeheime. Am besten stünden Krankenhäuser mit 85 Prozent da.

Zudem seien die Reha-Einrichtungen auch an anderer Stelle schlechter gestellt, etwa beim Hygienezuschlag. In den Kostenverhandlungen spielten die Krankenkassen ihre Marktmacht aus. Die Reha werde „regelgerecht ausgehungert“, kritisiert Baehrens.

Krankenkassen sprechen von „Legenden“

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen verweist die Anschuldigungen, Krankenkassen wollten Reha-Einrichtungen aushungern, „entschieden ins Reich der Legenden“, so ein Sprecher gegenüber der Zeitung. Der Gesetzgeber habe die Reha-Erstattung aufgrund der bisherigen Erfahrung gesenkt.

Auch im Bundesgesundheitsministerium zeigt man kein Verständnis für die Kritik. Kliniken hätten die Möglichkeit, in Zeiten geringer Auslastung die Kosten zu reduzieren, ohne sich dies auf die Ausgleichszahlungen auswirken, so ein Sprecher des Ministeriums. Außerdem wolle man Fehlanreize vermeiden, die sich aus einer Überkompensation von Einnahmeausfällen resultieren würden.

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Autor

Boris Dunkel