Rente / 08.04.2019

Rente: Forscher fordern besseren Sozialausgleich

Teilzeitarbeit oder längere Arbeitslosigkeit reduzieren Einkommen und die spätere Rente. Höhere Löhne und Rentenbewertungen würden helfen.

Das Logo der Bundesagentur für Arbeit. – Bild: GettyImages © Thomas Trutschel

Duisburg/Essen (sth). Der derzeitige soziale Ausgleich in der gesetzlichen Rentenversicherung ist nach Ansicht von Sozialforschern der Universität Duisburg-Essen unzureichend. Erwerbspausen wegen Kindererziehung oder längerer Arbeitslosigkeit erhöhten das "Risiko auf niedrige Renten", heißt es in einer jetzt veröffentlichten Studie der Wissenschaftler Prof. Martin Brussig, Dominik Postels und Lina Zink vom Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ). Um der Gefahr nicht ausreichender Alterseinkünfte wirksam zu begegnen, empfehlen die Forscher, auf politischer Ebene auf "gute Arbeit und stabile Beschäftigung" hinzuwirken.

Für ihre Studie untersuchten Brussig, Postels und Zink die Versicherungsbiografien von 3.625 Personen, die zwischen 2000 und 2007 in den Ruhestand traten und zuvor mindestens 30 Jahre lang Rentenbeiträge gezahlt hatten. 23 Prozent in dieser Gruppe erhalten nach Angaben der Sozialwissenschaftler "eine Niedrigrente unterhalb der Schwelle von Existenzminimum plus 10 Prozent". Das waren im Jahr 2014 rund 766 Euro. In der von kleinen gesetzlichen Renten betroffenen Gruppe seien lediglich zwei Prozent ostdeutsche und etwa fünf Prozent westdeutsche Männer gewesen sowie 15 Prozent ostdeutsche Frauen, zu etwa 46 Prozent dagegen westdeutsche Frauen, stellten die IAQ-Forscher fest. 

Teilzeitarbeit: Gut für die Familie – problematisch für die Rente

Niedrige Löhne und reduzierte Arbeitszeiten – etwa wegen Kindererziehung – führen nicht nur zu einem geringeren aktuellen Erwerbseinkommen, sondern reduzieren "auch den künftigen Rentenanspruch", so die Wissenschaftler. Der soziale Ausgleich in der Rentenversicherung versuche zwar, Einkommensausfälle wegen Kindererziehung durch staatlich finanzierte Renten-Entgeltpunkte ("Kindererziehungszeit") oder durch Beitragsgutschriften bei gering bezahlter Arbeit in den ersten zehn Lebensjahren von Kindern ("Kinderberücksichtigungszeit") in Familien mit zwei oder mehr Kinder auszugleichen. "Spätere Nachteile wie geringere Löhne beim Wiedereinstieg oder instabile Beschäftigung im weiteren Berufsleben werden damit allerdings nicht aufgefangen", heißt es in der Studie.

Darüber hinaus habe "der Anteil an Teilzeitarbeit und instabiler Beschäftigung in den letzten Jahren insgesamt zugenommen", schreiben die Wissenschaftler aus dem Ruhrgebiet. Dies werde künftig "für viele Rentenbiografien von Relevanz sein". Zudem erhöhe Langzeitarbeitslosigkeit wegen der seit 2011 entfallenen Rentenbeiträge für die Betroffenen das Risiko auf niedrige Renten. "Zukünftig dürften sich diese Zeiten noch deutlich nachteiliger auswirken“, vermuten die IAQ-Forscher. Die aus ihrer Sicht notwendige Konsequenz: „Eine Politik, die niedrige Renten vermeiden möchte, sollte sowohl den sozialpolitischen Risikoausgleich in der Rentenversicherung verbessern als auch am Arbeitsmarkt ansetzen." Das Rentenrecht allein könne die Folgen von Erwerbsunterbrechungen nur bedingt abfedern.

Mehr zum Thema:

www.iaq.uni-due.de

Link zu einer Studie des IAQ an der Universität Duisburg-Essen zu den Ursachen von Niedrigrenten (im pdf-Format)

www.duncker-humblot.de

Link zu einer Übersicht über den Gesamtinhalt des Forschungsberichts der IAQ-Forscher (im pdf-Format)

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Autor

Stefan Thissen