Rente / 29.08.2017

Rente gegen Bares

In Bochum steht ein Arzt vor Gericht, der gesunden Arbeitnehmern zu Erwerbsminderungsrenten verholfen haben soll

Bochum (kma). Er soll gegen Bargeld falsche Diagnosen gestellt und Patienten so zu einer Erwerbsminderungsrente verholfen haben: Seit Dienstag steht ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie vor dem Landgericht Bochum, wie WAZ und Welt online berichten.  

Der 66-Jährige soll über Jahre hinweg dafür gesorgt haben, dass völlig gesunde Arbeitnehmer durch seine falschen Gutachten vorzeitig eine Rente bekamen. Insgesamt 160.000 Euro in bar soll er dafür von seinen Patienten bekommen haben.

Drei Komplizen vor Gericht

Angeklagt ist der Mann des Betrugs in 34 Fällen. Der deutschen Rentenversicherung Westfalen soll durch die Masche des Arztes zwischen 2009 und 2014 ein Schaden von 320.000 Euro entstanden sein. Weil die vermeintlichen Patienten von dem Arzt entsprechend vorbereitet waren, konnten sie sich eine zeitlich begrenzte Erwerbsminderungsrente von monatlich bis zu 1.200 Euro erschleichen.

Da der Psychiater wegen gesundheitlicher Probleme nicht vor Gericht erschien, wurde das Verfahren gegen ihn vorläufig eingestellt. Weiterverhandelt wird allerdings gegen drei Komplizen, die dem Arzt weitere verrentungswillige falsche Patienten vermittelt haben sollen.

DRV reagiert mit neuen Maßnahmen

Das könnte nur die Spitze des Eisbergs sein: Die DRV Westfalen hat den Fall aufgearbeitet und ihr Beurteilungssystem verfeinert. "Unsere geänderten Prüfmechanismen greifen! Dadurch fallen zweifelhafte Fälle wesentlich schneller auf", erklärt DRV Westfalen-Sprecher Marcus Kloppenborg. "Durch die neuen Mechanismen haben wir weitere Verdachtsfälle entdeckt. Auch diese bringen wir konsequent zur Anzeige." Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen in weiteren Fällen aufgenommen.

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Autor

Katja Mathes