Rente / 24.09.2018

Rente: Weniger Arbeitslose entlasten Bund

Trotz anhaltend guter Konjunktur waren zuletzt rund 2,35 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das hat Folgen für ihre Rente.

Nürnberg/Bad Homburg (sth). Seit inzwischen neun Jahren steigt die Zahl der Menschen in Deutschland, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, nahezu ununterbrochen. "Mit 44,95 Millionen Personen fiel sie im Vergleich zum Vorjahr um 574.000 höher aus", schreibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) in ihrem Arbeitsmarktbericht für den August 2018. Für die Rentenversicherung sind die Zahlen vor allem mit Blick auf die damit verbundenenen höheren Rentenbeiträge aufgrund der stark gestiegenen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bedeutsam. "Insgesamt waren im Juni nach hochgerechneten Angaben der BA 32,87 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt", so die BA.

Auch der Bund profitiert von den steigenden Beschäftigtenzahlen durch geringere Kosten für Erwerbslose und weniger Steuerausfälle. Nach der jüngsten entsprechenden Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei der BA sanken die Kosten durch Arbeitslosigkeit von insgesamt 87,7 Milliarden Euro im Jahr 2005 um mehr als ein Drittel auf "nur" noch 56,0 Milliarden Euro im Jahr 2015. Allein die Steuermindereinnahmen verringerten sich laut IAB in diesem Zeitraum von 16,2 auf 9,3 Milliarden Euro.   

Die Kosten der Rentenversicherungsbeiträge, die der Bund für Arbeitslose zahlt, sinken ebenfalls. Allerdings waren trotz des anhaltenden Beschäftigungsbooms nach Angaben der Arbeitsmarktstatistiker im August noch 2,35 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Darunter hatten knapp 700.000 Menschen Anspruch auf Arbeitslosengeld, weitere 1,65 Millionen Langzeitarbeitslose bekamen "Hartz IV" (offiziell: Arbeitslosengeld II). 

Art des Leistungsbezugs hat Folgen

Für die von Arbeitslosigkeit Betroffenen ist vor allem die Art ihres Leistungsbezugs wichtig. Denn dies hat Folgen, wenn sie eines Tages in Rente gehen. So sind Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld für die spätere Rente relativ viel wert: Für befristet Erwerbslose zahlen die Arbeitsagenturen Rentenversicherungsbeiträge auf Basis von 80 Prozent ihres zuletzt bezogenen Bruttoarbeitseinkommens. Die Zeit des Arbeitslosengeldbezugs ist für die Rente damit "nur" ein Fünftel weniger wert als die vorherige Beschäftigung. In Zahlen ausgedrückt: Ein Jahr Arbeitslosigkeit bringt für einen Durchschnittsverdiener (2018: knapp 37.900 Euro Jahresbrutto) derzeit spätere Renteneinbußen von etwas mehr als 6 Euro pro Monat.

Wer nach dem Auslaufen des Arbeitslosengelds dagegen "Hartz IV" benötigt, ist für die Rente seit 2005 deutlich schlechter gestellt. Zunächst galten für Betroffene 400 Euro als fiktiver Monatsverdienst, aus dem sich die Rentenansprüche errechneten, ab 2007 dann 205 Euro. Seit Anfang 2011 gilt die Zeit des Arbeitslosengeld-II-Bezugs nicht mehr als Pflichtversicherungszeit. Rentenbeiträge führt der Bund für Betroffene seither nicht mehr ab.

Anrechnungszeit ohne Bewertung

Stattdessen gilt die Zeit des Arbeitslosengeld-II-Bezugs als Anrechnungszeit ohne Bewertung. Ganz wertlos ist die Hartz-IV-Zeit damit für die Rente nicht: Wer vorher einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente erworben hatte, verliert diesen in der Zeit, in der er Arbeitslosengeld II erhält, nicht. Ebenso trägt diese Zeit zur Erfüllung der Mindestversicherungszeit von 35 Jahren bei, nach der eine vorzeitige Altersrente (beispielsweise für schwerbehinderte Menschen und langjährig Versicherte) bezogen werden kann.

Übrigens: Auch für die Rentenversicherung ist Arbeitslosigkeit teuer. Laut IAB verzeichneten die 16 gesetzlichen Rentenversicherer aufgrund nicht geleisteter sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung allein im Jahr 2015 Beitragsausfälle von 8,7 Milliarden Euro (siehe Link ganz unten).

Mehr zum Thema:

https://statistik.arbeitsagentur.de

Link zu den aktuellen Arbeitsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit (im pdf-Format)

http://doku.iab.de

Link zur Studie "Gesamtfiskalische Kosten der Arbeitslosigkeit im Jahr 2015 in Deutschland" des IAB (im pdf-Format)

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Autor

Stefan Thissen