Rente / 06.06.2019

Rente: Weniger Rendite für Geringverdiener

Studie zeigt, dass Gutverdienende länger leben und so mehr von ihrer Rente haben – ein wichtiger Befund in der aktuellen Grundrente-Diskussion.

Die Rendite der Rente hängt auch von der Lebenserwartung ab. Bild zeigt Geld in Einmachgläsern

Berlin (mjj) Die Lebenserwartung hängt von einer Reihe von Faktoren wie der Bildung oder der Region ab - aber eben auch vom Einkommen. Gutverdiener leben länger. Dadurch profitieren sie eher von der gesetzlichen Rente als Menschen, die wenig verdienen. Auf diesem Umstand verweisen Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer aktuellen Studie und sehen darin eine Schwächung des Äquivalenzprinzips.

Unterschiedliche Lebenserwartung verletzt Äquivalenzprinzip

Das Äquivalenzprinzip gilt als eines der ehernen Grundsätze der Rentenberechnung: Wer im Erwerbsleben mehr verdient, soll auch mehr Rente erhalten. Doch was, wenn Gutverdiener länger leben und so nicht nur höhere Renten sondern diese auch länger erhalten? Ihre Rendite ist deutlich höher als bei Geringverdienern. Das birgt sozialpolitischen Zündstoff.

"Dass Menschen mit niedrigen Löhnen nicht nur weniger, sondern aufgrund der geringeren Lebenserwartung kürzer Rente beziehen, widerspricht dem Äquivalenzprinzip der Deutschen Rentenversicherung und ist ein Argument für eine Aufwertung geringer Rentenansprüche, wie es aktuell politisch diskutiert wird", schreiben die Autoren Peter Haan, Daniel Kemptner und Holger Lüthen.

Ergebnisse lassen sich übertragen

Aus methodischen Gründen haben die Forscher lediglich die Daten von westdeutschen Arbeitnehmern verschiedener Jahrgänger analysiert. Der Befund, dass die Renditen der gesetzlichen Rentenversicherung mit den Lebenslohneinkommen steigen, lasse sich künftig aber auch auf Arbeitnehmerinnen übertragen. "In den betrachteten Jahrgängen bis 1949 haben insbesondere westdeutsche Frauen aufgrund ihrer geringeren Erwerbstätigkeit zwar noch deutlich niedrigere Rentenansprüche als Männer, wenn auch eine gleichzeitig höhere Lebenserwartung", so Haan, Kemptner und Lüthen: "Da Frauen aber zunehmend längere Erwerbsbiografien und damit höhere Lebenslohneinkommen erzielen, wird sich das Bild zwischen Männern und Frauen künftig angleichen und der gezeigte positive Zusammenhang zwischen Lebenslohneinkommen und Lebenserwartung auch bei Frauen auftreten." Weil Beitragszeiten in der DDR immer weniger relevant werden, erwarten die Autoren ähnliche Tendenzen auch mit Blick auf Rentner in Ostdeutschland.

Forscher sehen keine Verletzung des Äquivalenzprinzips - im Gegenteil

Dass Gutverdiener länger leben, ist nicht neu. Ebenso wenig überraschend ist, dass sie demzufolge auch länger Rente erhalten und sie mehr von der Rente haben als Geringverdiener. Neu ist der Blickwinkel: Die Studie liefert Munition gegen die Kritik, dass gerade die Aufwertung geringer Rentenansprüche eine Verletzung des Äquivalenzprinzips sei.

Das legt es etwa ein Gutachten nahe, das der Sozialrechtler Heinz-Dietrich Steinmeyer von der Uni Münster für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt hat. Steinmeyer sieht im Grundrenten-Konzept von Hubertus Heil (SPD) einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz der auch für das Äquivalenzprinzip gelte. Anders die DIW-Forscher: "Eine Grundrente würde der Verletzung des Äquivalenzprinzips entgegenwirken", so ihr Fazit.

Steuerfinanzierung statt Beitragsfinanzierung

"Allerdings ist zu beachten, dass es bei einer Grundrente auch um Armutsbekämpfung geht und dies eigentlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Diese sollte nicht allein über die Gesetzliche Rentenversicherung finanziert werden", so Daniel Kemptner. Stattdessen könne eine Steuerfinanzierung in Betracht gezogen werden, um nicht einseitig die Arbeitnehmer für diesen gesamtgesellschaftlichen Interessenausgleich zu belasten, so die Autoren.

Autorenbild

Autor

Michael J. John