Rente / 05.10.2020

Renten-Bonus nach Scheidung geht meist an Frauen

Mehr als 896.000 Ruheständler kamen Ende 2016 aufgrund des Versorgungsausgleichs in den Genuss von Rentenausgleichszahlungen.

Bild zum Beitrag "Fast 900.000 Renten mit Bonus". Das Bild zeigt ein Paar in schlechter Stimmung in einer Küche.

Bad Homburg (sth). Etwa 149.000 Ehen endeten nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2019 vor den Familiengerichten. Bei etwa der Hälfte der Scheidungen – rund 74.700 – waren auch insgesamt 122.000 minderjährige Kinder betroffen. Vor allem für den Ex-Ehepartner, der während der Ehe die geringeren Einkünfte hatte – in der großen Mehrzahl der Fälle die Frau – ist in diesem Fall der mit der Scheidung durgeführte Versorgungsausgleich hilfreich. Denn er sorgt dafür, dass alle während der Ehezeit erworbenen Ansprüche auf Alterseinkünfte je zur Hälfte aufgeteilt werden.

Insgesamt kamen nach Angaben der gesetzlichen Rentenversicherer Ende 2016 – aktuellere Daten liegen nicht vor – mehr als 896.000 Ruheständler, unter ihnen überwiegend Frauen, in den Genuss von Rentenausgleichszahlungen. Sie profitierten den Analysen der Rentenstatistiker zufolge im Schnitt von einem Rentenzuschlag von 208 Euro. Dagegen mussten mehr als 842.000 geschiedene Neurentner eine Kürzung ihrer gesetzlichen Altersbezüge von durchschnittlich 164 Euro hinnehmen.

Seit 1977 gibt es den Versorgungsausgleich

Im Sommer 2017 zogen Fachleute der Deutschen Rentenversicherung ein Zwischen-Fazit der seit Juli 1977 gesetzlich vorgeschriebenen Aufteilung der Alterseinkünfte-Ansprüche nach einer Scheidung. In einem Beitrag zum 40. Geburtstag des Versorgungsausgleichs für die Zeitschrift "RVaktuell" schrieben Edda Bachmann und Joachim Jenner, die gerechte Aufteilung der Versorgungsansprüche habe sich bewährt, sei aber dennoch bis heute "eine der größten Herausforderungen des Versorgungsausgleichs, insbesondere im Hinblick auf betriebliche oder private Versorgungsansrechte".

Angesichts der zunehmenden Vielfalt der Altersversorgungen außerhalb der Rentenversicherung sowie ihrer unterschiedlichen Leistungsspektren und Finanzierungsstrukturen sei auch in Zukunft mit Änderungen beim Versorgungsausgleich zu rechnen, so die Rentenexperten. Für die gesetzliche Rentenversicherung als Basisaltersversorgung dürfte das aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen bei der Umsetzung des Versorgungsausgleichs aber "unproblematisch" sein, zeigen sich Bachmann und Jenner überzeugt.

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Autor

Stefan Thissen