Rente / 28.09.2018

Renten könnten 2019 erneut kräftig steigen

Herbstgutachten: Die Arbeitnehmerverdienste steigen in diesem Jahr um fast vier Prozent. Das dürfte auch bei den Rentnern ankommen.

Bad Homburg (sth). Die 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner dürfen auch im kommenden Jahr auf eine kräftige Erhöhung ihrer Altersbezüge hoffen. Grund dafür ist vor allem die derzeitige Entwicklung bei den Arbeitnehmerverdiensten. Nach Angaben des am Donnerstag veröffentlichten Herbstgutachtens von fünf Wirtschaftsforschungsinstituten steigen die Löhne und Gehälter der Beschäftigten in diesem Jahr voraussichtlich um fast vier Prozent. Da zudem der Beschäftigungsaufbau weiter anhält und die Beitragseinnahmen der 16 gesetzlichen Rentenversicherer sprudeln, könnten auch die Renten 2019 um deutlich mehr als drei Prozent steigen. Die genauen Zahlen gibt das Bundessozialministerium voraussichtlich im März 2019 bekannt.

Die Rentenerhöhungen richten sich in erster Linie nach der Entwicklung der versicherungspflichtigen Verdienste von Arbeitnehmern und Selbstständigen. Allerdings spielt auch die Entwicklung des Zahlenverhältnisses zwischen Arbeitnehmern und Rentnern eine Rolle. Dieses schlägt sich über den Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenanpassungsformel nieder. In diesem Jahr wirkte sich der Nachhaltigkeitsfaktor mit +0,29 Prozentpunkten zusätzlich positiv auf die Rentenerhöhung aus. Zudem wird durch den so genannten Faktor Altersvorsorgeaufwendungen (AVA) die Veränderung der Arbeitnehmerkosten beim Aufbau ihrer Altersvorsorge auf die Rentenerhöhungen übertragen. Dieser Faktor wirkte sich 2018 nicht auf die Rentenanpassung aus.

Rentenversicherungsbericht bestätigt Prognose

Auch der letztjährige Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung deutete bereits ein weiteres kräftiges Renten-Plus im kommenden Jahr an. Nachdem die Renten zur Jahresmitte 2018 um 3,22 Prozent in den alten und 3,37 Prozent in den neuen Ländern gestiegen waren, könnten sie dem Regierungsbericht zufolge 2019 um etwa 3,7 Prozent steigen. Gestützt wird diese Hochrechnung vom Herbst 2017 auch durch das neue Herbstgutachten (offiziell: "Gemeinschaftsdiagnose"). Die Wirtschaftsforscher erwarten, dass die Tarifsteigerungen in den Jahren 2019 und 2020 "sogar kräftiger" ausfallen werden als die Lohnzuwächse im laufenden Jahr. Wegen einer langsam nachlassenden Nachfrage nach Arbeitskräften flache sich der Anstieg der Löhne tendenziell aber "leicht ab".

Die Einnahmen der Rentenkassen steigen derweil noch ohne Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung weiter. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres waren die Gesamtbeitragseinnahmen der Rentenversicherer nach aktuellen Angaben um fast 5,2 Prozent höher als im Vorjahr. Im August stiegen sie demnach im Vorjahresvergleich um mehr als 1,2 Milliarden Euro. Diese Entwicklung schlägt sich auch in einer anhaltend hohen Nachhaltigkeitsrücklage nieder: Im August umfasste sie 33,8 Milliarden Euro, das waren 1,58 Monatsausgaben. Bereits im Sommer hatten Experten deshalb darauf hingewiesen, dass der Beitragssatz im kommenden Jahr rechnerisch eigentlich erneut sinken müsste. Die Bundesregierung will jedoch den aktuellen Rentenbeitrag von 18,6 Prozent stabil halten, um mit den Überschüssen die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2025 finanzieren zu können. 

Mehr zum Thema:

gemeinschaftsdiagnose.de

Link zur Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2018 der Wirtschaftsforschungsinstitute

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Autor

Stefan Thissen