Rente / 12.11.2020

Renten steigen 2021 nur im Osten

Rentenversicherung: Wegen des Wirtschaftseinbruchs in diesem Jahr müssten Rentnerbezüge eigentlich sinken – doch Garantie hält Renten stabil.

Berlin (sth). Die Rentnerinnen und Rentner in Westdeutschland müssen sich im kommenden Jahr auf eine Nullrunde einstellen. Im Osten werden die Renten dagegen voraussichtlich um 0,72 Prozent steigen. Das sagte der alternierende Bundesvorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel, am Mittwoch in Berlin. Grund für die ausfallende Rentensteigerung sei die Corona-bedingte Wirtschaftskrise mit anhaltender Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit. Dadurch würden die Löhne nach der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) in diesem Jahr sinken, was rechnerisch im nächsten Jahr sogar eine „negative Rentenanpassung“ erforderlich mache. Diese werde es wegen der gesetzlichen Rentengarantie jedoch nicht geben, sagte Gunkel.

Im Falle einer – erwarteten – wirtschaftlichen Erholung im kommenden Jahr würden die Renten 2022 nach Angaben Gunkels nach heutiger Berechnung wieder deutlich steigen: um 4,8 Prozent in den alten und 5,6 Prozent in den neuen Ländern. Zu dieser Entwicklung trage auch bei, „dass im Jahr 2020 die Entwicklung der beitragspflichtigen Einnahmen pro Kopf um rund zwei Prozentpunkte höher ausfällt als die entsprechende Entwicklung der VGR-Löhne“, sagte Gunkel, der in der Rentenversicherung die Arbeitgeberseite vertritt. Dieser Unterschied wirke sich „mit zweijähriger Verzögerung auf die Rentenanpassung 2022 aus“. 

Angesichts der steigenden Rentnerzahlen in den kommenden Jahren und der damit verbundenen steigenden Belastungen der Rentenversicherung geht Gunkel davon aus, dass die Rücklage in den Rentenkassen in den kommenden Jahren deutlich sinken wird. Deshalb forderte er die Bundesregierung auf, die Mindestnachhaltigkeitsrücklage – wie von der Rentenkommission im Frühjahr empfohlen – von derzeit 0,2 Monatsausgaben anzuheben. „Das Vertrauen in die Rentenversicherung würde beschädigt, wenn die Sicherung der unterjährigen Liquidität der Rentenversicherung erst dann angegangen wird, wenn sie in Gefahr gerät“, erklärte der wichtigste Arbeitgebervertreter in der Selbstverwaltung. Damit sei „nach aktuellem Stand spätestens in drei Jahren zu rechnen“. 

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Stefan Thissen