Rente / 01.07.2020

Renten steigen ab heute kräftig

Rentenanpassung 2020 bringt gesetzlich versicherten Rentnern im Westen ein Plus von 3,45, im Osten von 4,2 Prozent. Aber auch sie sind steuerpflichtig.

Bild zum Beitrag "". Das Bild zeigt ein älteres Paar am Frühstückstisch.

Berlin (dpa/drv/sth). Trotz Wirtschaftskrise in Folge der Corona-Pandemie steigen die Bezüge der 21 Millionen Rentner in Deutschland mit dem Juli erneut spürbar an. Die jährliche Rentenanpassung bringt im Westen ein Plus von 3,45 und im Osten von 4,2 Prozent. Die sogenannte Standardrente steigt damit nach Angaben der Bundesregierung auf 1.538,55 Euro im Westen (plus 51,37 Euro) und 1.495,35 Euro im Osten (plus 60,30 Euro). Die Standardrente ist eine Vergleichsgröße, die rechnerisch derjenige bekäme, der 45 Jahre lang als Durchschnittsverdiener Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt hat.

Die Anhebung in diesem Juli ist die zehnte Rentenerhöhung in Folge. Damit beläuft sich die Steigerung der Renten allein seit 2014 auf insgesamt 19,77 Prozent im Westen und auf 26,05 Prozent im Osten. Wegen der Corona-Krise rechnet die Deutsche Rentenversicherung allerdings im nächsten Jahr - dem Jahr der Bundestagswahl - zum ersten Mal seit 2010 wieder mit einer Nullrunde, zumindest im Westen. Im Osten könnte es nur einen Mini-Anstieg um 0,7 Prozent geben.

DRV: Auch Renten gehören zum steuerpflichtigen Einkommen

Die Deutsche Rentenversicherung weist Rentnerinnen und Rentner darauf hin, dass auch die gesetzliche Rente zum steuerpflichtigen Einkommen zählt. Seit 2005 richtet sich die steuerliche Behandlung der Renteneinkünfte nach dem Jahr des Rentenbeginns. Je später die Rente beginnt, desto höher ist der gegebenenfalls zu versteuernde Anteil der Rente. Ob man als Rentner regelmäßig eine Einkommensteuererklärung abgeben muss, hängt von den persönlichen Verhältnissen ab und wird vom Finanzamt geprüft.

Damit das Finanzamt den steuerpflichtigen Anteil der gesetzlichen Rente korrekt ermitteln kann, müssen Ruheständler ihrer Steuererklärung die ausgefüllte „Anlage R“ (Renten und andere Leistungen) beifügen. Die Rentenversicherungsträger stellen auf Wunsch eine kostenlose Bescheinigung aus, die beim Ausfüllen der Steuererklärung hilft. Diese erhält alle steuerrechtlich relevanten Beträge mit Hinweisen, in welchen Zeilen der „Anlage R“ die Werte eingetragen werden müssen. Soweit eine Rentenbezugsmitteilung erstmalig benötigt wird, kann man sie im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de unter "Services/Online-Dienste" anfordern. Wer die Bescheinigung einmal beantragt hat, erhält sie fortan jährlich automatisch zugesandt.

Tack: Die Folgen der Krise lassen sich momentan nur schwer vorhersagen

Ob es im kommenden Jahr tatsächlich zu einer Null-Anpassung kommt, lässt sich aktuell noch nicht mit Sicherheit sagen. Die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Kerstin Tack, sagte der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage: "Die Folgen der Krise lassen sich momentan nur schwer vorhersagen. Die endgültige Entscheidung über die Rentenanpassung 2021 fällt erst im Frühjahr nächsten Jahres. Bis dahin bleibt abzuwarten, wie sich die wirtschaftliche Lage in der zweiten Jahreshälfte entwickelt." Grundlage für die jährliche Rentenanpassung im Juli ist unter anderem die Lohnentwicklung des vergangenen Jahres. Durch die Corona-Krise steigen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Die Durchschnittslöhne dürften sinken, heißt es bei der Rentenversicherung.

Auf Basis dieser und anderer Daten legt die Bundesregierung per Verordnung im Frühjahr fest, wie sehr die Rente steigt oder auch nicht. Kürzungen sind gesetzlich ausgeschlossen. In den vergangenen Jahren hatte es kräftige Anstiege von mehr als 3 bis fast 6 Prozent gegeben, wobei der Anstieg im Osten jeweils deutlicher ausfiel, weil noch ein Anpassungsprozess läuft. Der Rentenwert wird bis 2024 schrittweise an den im Westen angeglichen. Das wäre auch der Grund für das mögliche Mini-Plus von 0,7 Prozent im Osten, bei gleichzeitiger Nullrunde im Westen im kommenden Jahr.

SoVD-Präsident Bauer: Rentenerhöhung ist unzureichend

Den Anstieg von 3,45 bzw. 4,2 Prozent in diesem Juli bezeichnet der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer, als unzureichend: "Angesichts der Altersarmut in Deutschland ist die Erhöhung ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte er anlässlich des Starts einer Kampagne des Verbands für deutlichere Rentensteigerungen zu Wochenbeginn. Die Verteilungsfrage stelle sich nicht zwischen Alt und Jung, sondern zwischen Arm und Reich. Die durchschnittliche Rente in Deutschland betrage 896 Euro, der durchschnittliche Bruttoverdienst dagegen 3.250 Euro.

Die Deutsche Rentenversicherung sieht in Folge der Corona-Pandemie dagegen nicht nur keine Möglichkeit für Rentensteigerungen im kommenden Jahr, sie befürchtet auch, dass die Beitragszahler früher und mehr belastet werden. "Die Rentenversicherung wird von den negativen Auswirkungen der Corona-Krise nicht ausgenommen bleiben", hatte der Vorstandsvorsitzende Alexander Gunkel vor wenigen Tagen gesagt. Durch sinkende Einnahmen dürften die Finanzreserven der Rentenkasse schneller schmelzen. Der Beitragssatz werde früher angehoben werden müssen, sagte Gunkel. Nach Vorausberechnungen der Rentenversicherung bleibt er zwar 2021 noch konstant bei 18,6 Prozent. Danach droht aber ein Anstieg. Bis 2025 könnte ein Beitragssatz von 20 Prozent erreicht sein, so die Prognose.

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Fragen und Antworten der Deutschen Rentenversicherung zur Rentenanpassung 2020

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Autor

 Deutsche Presseagentur