Rente / 29.06.2022

Rentenbesteuerung setzt wieder etwas später ein

Wer als alleinstehender Ruheständler in diesem Jahr mehr als etwa 14.600 Euro Brutto-Jahresrente kassiert, muss Geld an den Fiskus abführen.

Bild zum Beitrag "Rentenbesteuerung Rentenbesteuerung setzt wieder etwas später ein". Das Bild zeigt die Hände eines älteren Mannes, der Geldscheine hält.

Bad Homburg (sth). Am 1. Juli 2022 werden die Renten so stark erhöht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Viele Rentnerinnen und Rentner fragen sich deshalb, ob sie dadurch zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet werden. Grundsätzlich gilt: Rentnerinnen und Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn der steuerpflichtige Teil ihrer jährlichen Einnahmen den Grundfreibetrag übersteigt. Er wurde in diesem Jahr von 9.744 Euro (Wert für 2021) auf 10.347 Euro erhöht, also um 603 Euro oder 6,19 Prozent. Für verheiratete und verpartnerte Paare gilt der doppelte Betrag. 

Durch den höheren Grundfreibetrag setzt auch die Pflicht zur Steuerzahlung auf Renten in diesem Jahr später ein. Wer als alleinstehender Ruheständler mit Rentenbeginn im Jahr 2022 kein weiteres Einkommen bezieht, muss im 2. Halbjahr ab einer Brutto-Monatsrente von 1.256 Euro Geld an den Fiskus abführen. Das geht aus aktuellen Daten des Bundesfinanzministeriums (BMF) hervor. In der zweiten Jahreshälfte 2021 waren Steuerzahlungen laut einer entsprechenden BMF-Übersicht aus dem Vorjahr bereits ab einer Monatsrente von 1.170 Euro fällig, im 2. Halbjahr 2015 erst ab 1.375 Euro.

Hintergrund der steigenden Rentenbesteuerung ist das seit 2005 geltende Alterseinkünftegesetz, mit dem die Bundesregierung auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts reagierte. Seither stieg der Besteuerungsanteil neuer Renten um zunächst jährlich zwei Prozentpunkte (bis auf 80 Prozent im Jahr 2020), ab diesem Jahr bis 2040 jährlich um einen weiteren Prozentpunkt bis auf 100 Prozent. Im Gegenzug können rentenversicherte Beschäftigte und Selbstständige ebenfalls seit 2005 ihre Rentenbeiträge mehr und mehr vom steuerpflichtigen Einkommen abziehen. Geltend gemacht werden können auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und manche alltägliche Ausgaben.

Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Ob Rentnerinnen und Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen, hängt von der Höhe ihrer steuerpflichtigen Einkünfte ab. Hierzu gehören nicht nur Renten, sondern auch weitere Einnahmen, zum Beispiel Mieteinnahmen oder eine Pension. Eine Einkommensteuererklärung wird – im Fall der Einzelveranlagung – immer dann verlangt, wenn der Gesamtbetrag der Rentner-Einkünfte den jährlichen Grundfreibetrag übersteigt. Hat er neben der Rente weitere Einkünfte wie etwa Arbeitslohn bezogen, muss er eine Einkommensteuererklärung vor allem dann abgeben, wenn der Besteuerungsanteil der Rente mehr als 410 Euro beträgt.

Das Rentenbezugsmitteilungsverfahren hilft den Rentnerinnen und Rentnern, die Renten richtig und vollständig in die Einkommensteuererklärung einzubeziehen. Hintergrund dieses technischen Informationsverfahren ist, dass zum Beispiel die gesetzlichen Rentenversicherungsträger, berufsständische Versorgungseinrichtungen, Pensionsfonds, Pensionskassen, Direktversicherungen und Anbieter von Riester-/Basis-Renten den Finanzbehörden melden müssen, in welcher Höhe sie Altersbezüge ausgezahlt haben.

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen