Rente / 19.11.2020

Rentenniveau wird ab 2021 deutlich steigen

Rentenversicherung: Rechnerischer Aufwärtstrend liegt nur an einer geänderten Berechnungsgrundlage. Die Höhe der Renten ändert sich nicht.

Bild zum Beitrag "Rentenniveau könnte ab 2021 stark steigen". Das Bild zeigt eine Rentnerin im Wohnzimmer mit Taschenrechner.

Bad Homburg (sth). In den kommenden Tagen dürfte das „Rentenniveau“ in zahlreichen Medienbeiträgen wieder eine wichtige Rolle spielen. Wenn die Bundesregierung ihren diesjährigen Rentenversicherungsbericht – und diesmal zusätzlich den alle vier Jahre erscheinenden Alterssicherungsbericht – vorlegt, schauen viele Experten gespannt auf die Vorausberechnungen für Rentenerhöhungen und Rentenniveau in den kommenden Jahren. Dabei wird den Fachleuten aus Praxis, Politik und Wissenschaft auffallen, dass sich das Rentenniveau laut aktuellen Prognosen ab dem kommenden Jahr deutlich erhöhen wird. Das Rentenniveau zeigt das Verhältnis zwischen Nettorente und Nettoverdienst eines Beschäftigten mit 45 Beitragsjahren an, der immer durchschnittlich verdient hat.

Grund für den bemerkenswerten Sprung von derzeit 48,2 Prozent auf 49,8 Prozent im Jahr 2021 und bis zu zeitweise mehr als 50 Prozent in den kommenden Jahren ist eine Revision der Verdienststatistik für 2019. Das erläuterte der alternierende Bundesvorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel, vor wenigen Tagen in Berlin. Demnach werden künftig Beschäftigte, die auch jenseits der Regelaltersgrenze – trotz vollen Rentenbezugs – weiter versicherungspflichtig arbeiten und damit ihre Rente im Ruhestand weiter erhöhen, in die für das Rentenniveau maßgebliche Einkommensstatistik einbezogen. Dies führe „rechnerisch zu einem niedrigeren Durchschnittsentgelt“, das wiederum ein „höheres Rentenniveau“ zur Folge habe, erklärte Gunkel.

Ohne Korrektur fällt Rentenniveau dauerhaft rund einen Prozentpunkt höher aus

Diese Wirkung ließe sich nur durch eine entsprechende gesetzliche Regelung beheben, sagte der Co-Bundesvorstandsvorsitzende der Rentenversicherung. Ohne eine solche Korrektur werde das Rentenniveau „dauerhaft rund einen Prozentpunkt höher ausgewiesen, vorausgesetzt dass alle anderen Umstände gleich bleiben“, so Gunkel. Dazu gehöre insbesondere, dass sich an den Verhältnissen am Arbeitsmarkt und bei der Beschäftigung Älterer auch langfristig nichts ändert.

Auch der Berliner Rentenexperte Johannes Steffen hat den ungewollten Schub des Rentenniveaus in einer aktuellen Analyse erläutert – allerdings in einer Sprache, die wohl nur Fachleute verstehen. Steffen zufolge ließe sich die „irreführende ,Aufhübschung' des Niveaus“ dadurch vermeiden, dass für die – voraussichtlich sehr geringe – Rentenanpassung im kommenden Jahr „das (revidierte) durchschnittliche beitragspflichtige Entgelt für 2019 im Nenner des Wichtefaktors ausnahmsweise nicht zu dem (unrevidierten) Wert für 2018 aus der Vorjahresverordnung ins Verhältnis gesetzt“ wird, sondern zu dem ab Anfang 2021 vorliegenden revidierten Wert für 2018.

Ob die Bundesregierung angesichts der anhaltenden Diskussion um den – derzeit nicht wirksamen – Nachholfaktor jetzt aber auch noch beim Rentenniveau eine neue Debatten-Baustelle eröffnen will, scheint zweifelhaft.

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Autor

Stefan Thissen