Rente / 04.11.2021

Rentenreform 1957: Ein Meilenstein kommt ins Rentenalter

Das vor 65 Jahren beschlossene Gesetz steht für den Beginn des Generationenvertrags und die Anbindung der Renten an die Lohnentwicklung.

Bild zum Beitrag "Eine Rentenreform kommt ins Rentenalter".

Gundula Roßbach, Präsidentin der DRV Bund

Berlin (sth). Selten ist die Geburtsstunde eines Gesetzes Anlass für eine besondere Würdigung – erst recht nicht, wenn es dabei ums Geld geht. Bei der Rentenreform von 1957 war das anders: Das am 21. Januar kommenden Jahres vor 65 Jahren verabschiedete Reformgesetz gilt bis heute als die Geburtsstunde der Rentenversicherung im Umlageverfahren – und sicherte damit Millionen Rentnerinnen und Rentnern in der noch jungen Bundesrepublik die sofortige Teilhabe am Wirtschaftsaufschwung der 1950er-Jahre. Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund, Gundula Roßbach, nahm das bevorstehende Jubiläum am Mittwoch in Berlin zum Anlass zu prüfen, „ob die damals festgelegte Grundstruktur den Bedingungen der heutigen Welt und vor allem auch denen der absehbaren Zukunft noch angemessen ist“.

Kernelement der Rentenversicherung wurde seinerzeit nach Angaben Roßbachs das „Äquivalenzprinzip mit seiner engen Verknüpfung von Beitrag und Leistung“. Das Äquivalenzprinzip besagt, dass rentenversicherte Beschäftigte mit einem hohen Einkommen auch höhere Rentenbeiträge zahlen müssen als Geringverdiener, im Alter dafür aber auch eine entsprechend höhere Rente zu erwarten haben. Zugleich sei das Leistungsniveau der Rentenversicherung ab April 1957 „um ca. 60 Prozent angehoben“ und die zuvor im Kapitaldeckungsverfahren finanzierte Rentenversicherung schrittweise auf ein „rein umlagefinanziertes Rentensystem“ umgestellt worden, erklärte Roßbach.

Orientierung der Rente am Lebensstandard

Die bis dahin als Zuschuss zum Lebensunterhalt ausgerichtete gesetzliche Rente "sollte sich künftig an dem im Arbeitsleben erworbenen Lebensstandard orientieren" und Lohnersatz sein, erinnerte die Rentenversicherungs-Chefin. Dazu seien die Rentenanwartschaften und laufenden Renten mit Inkrafttreten der Reform "an die Entwicklung der Bruttolöhne" gekoppelt und dadurch "regelmäßig dynamisiert" worden. Mehrere Wirtschaftskrisen in den folgenden Jahrzehnten hätten allerdings dazu geführt, dass 35 Jahre später – im Zuge der Rentenreform von 1992 – "die Orientierung der Rentendynamik an den Bruttolöhnen durch eine Nettolohnorientierung ersetzt" worden sei, so Roßbach. Seit 2005 werde zudem über den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor "die Entwicklung des Verhältnisses von Beitragszahlern und Rentenempfängern bei der Rentenanpassung berücksichtigt".

Als "Zeichen einer bemerkenswerten Stabilität" bezeichnete die Rentenversicherungs-Präsidentin die Entwicklung des Rentenbeitrags in den vergangenen Jahrzehnten. So sei der Beitragssatz sei auch im Jahrzehnt nach der deutschen Einheit trotz der erheblichen finanziellen Zusatzbelastung durch die ostdeutschen Renten "um gerade einnmal zweieinhalb Prozent" gestiegen. Nach dem Ende der Weltfinanzmarktkrise vor 2010 sei beim Beitragssatz sogar ein "deutlich sinkender Trend" zu beobachten gewesen, sagte Roßbach. Ihr persönliches Fazit: "Gerade das Umlageverfahren war die Basis dafür, dass die Anpassungen der Rentenversicherung an die Bedingungen einer sich immer rascher verändernden Welt möglich war."  

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Autor

Stefan Thissen